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Kultur "Jazz ist ein weites Feld"
Nachrichten Kultur "Jazz ist ein weites Feld"
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10:17 08.07.2019
Von Thomas Bunjes
„Funk und Soul sind das Fundament von dem, was ich mache“, sagt der britische Singer-Songwriter und Multiinstrumentalist Jamie Cullum (39).
„Funk und Soul sind das Fundament von dem, was ich mache“, sagt der britische Singer-Songwriter und Multiinstrumentalist Jamie Cullum (39). Quelle: Universal Music
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Kiel

Hand aufs Herz: Hatten Sie zuvor schon vom Schleswig-Holstein Musik Festival gehört?

Jamie Cullum: Nein. Ich habe kein Problem damit, die Wahrheit zu sagen. Ich habe schon auf Festivals in jeder Ecke von Deutschland gespielt, aber noch nie bei diesem hier!

Wie groß ist Ihre Nähe zu klassischer Musik?

Ich habe keine Verbindung zu klassischer Musik außer dass ich es liebe, sie zu hören. Ich bin ein untrainierter Musiker. Ich würde das liebend gerne ändern und fange jetzt an, Stunden zu nehmen, weil meine Tochter das auch gerade tut.

Fühlen Sie sich überhaupt als Jazz-Musiker? Oder sind solche Kategorisierungen für Sie ohnehin unerheblich?

Kategorien können für den Zuhörer hilfreich sein, für den Musiker aber einschränkend. Jazz jedoch ist ein weites Feld und gibt dir große musikalische Fertigkeiten, um viele Wege zu erforschen.

Ich habe gelesen, „Taller“ zeige eine „mächtige und intime Verletzlichkeit“ mit „all der Leidenschaft und Faszination, die man von einem Debütalbum erwarten würde“. Wie kam es zu diesen starken Gefühlen?

Ich habe dieses Album in einer Zeit eines tiefen persönlichen Wandels gemacht, in meiner Lebenseinstellung, in meinen Beziehungen. Vielleicht normal, wenn man älter wird und die Kinder erwachsen werden. Ich merkte, dass ich mich mehr öffnen muss, in meiner Musik und in meinem Alltagsleben.

Sie wollten sich auf „Taller“ mehr als ein Songschreiber präsentieren. Inwiefern?

Ich war über die Jahre so viel damit beschäftigt, Songs anderer Leute aufzunehmen wie meine eigenen. Dieses Mal wollte ich der Welt nur meine Songs präsentieren. Erst jetzt spüre ich die Zuversicht und die Fähigkeit als ein Songschreiber, das zu tun.

Der Titelsong ist Soul mit einer großen Portion Funk. Wie sehr mögen Sie Soul und Funk?

Funk und Soul sind das Fundament von dem, was ich mache. Durch Hip-Hop habe ich diese Sounds gefunden, die mich eventuell zum Jazz gebracht haben. Alle sind verwandt und alles drumherum ist aus winzigen Partikeln von zischender Energie.

„Usher“ erinnert mich definitiv an Prince. Der Sound, das Falsett. Eine Art Hommage, oder? Wie sehr vermissen Sie ihn?

Der Song ist eine totale Hommage an Prince, wenn ich fünf Prozent dran bin, ist sie gelungen. Der ganzen Welt fehlt was ohne seine Präsenz. Ohne dass er in deiner Stadt auftaucht, um nur einen Gig zu spielen oder gleich 20. Ohne Album für Album wie am Fließband Überraschungen abzuliefern.

„Life Is Grey“ beginnt als Ballade, gelangt zur vollen Blüte mit hymnischem Pop und endet wieder melancholisch. Ist da eine Neigung zur Melancholie in Ihrem Songwriting?

Da ist ein größerer Sinn von Melancholie in all diesen Liedern. Diesmal habe ich alle Farben genommen, um die Dinge in einem helleren Licht zu sehen. Es ist ein Paradox, aber wo alle Farben sind, gibt es Grau. Zu verstehen, dass das Leben voller Schönheit, Melancholie, Freude und Tragik ist, davon handeln die meisten dieser Songs.

In „Endings Are Beginnings“ heißt es: „I write to learn what I’m thinking”. Also ist Songs zu schreiben für Sie eine Methode, um ihre Gedanken zu erkennen und mit ihnen umzugehen?

Ja, genau. Ich weiß wirklich nicht, wie ich etwas empfinden soll, bevor ich es nicht aufgeschrieben habe.

Das gospelartige „Mankind“ mahnt, die Menschheit sollte nicht abgeschrieben werden. Was lässt Sie optimistisch bleiben, Veränderung sei möglich?

Musik! Musik! Leute, die du liebst! Natur! Hunde! Kochen! Filme! Faul sein, neugierig und kreativ! Hart arbeiten an Dingen, die schwierig sind!

Ihre Show ist sehr dynamisch. Wie wichtig ist Entertainment?

Für mich ist es ein natürlicher Ausbruch, wenn die Musik übernimmt. Eine Zurschaustellung von Leidenschaft sollte unterhaltsam sein – aber nicht immer so, wie du es erwartest.

Interview: Thomas Bunjes

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