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Kultur Nordweh und große Gefühle
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13:02 09.11.2019
Von Kai-Peter Boysen
Jeden Tag Silvester in der Kieler Pumpe beim Konzert - ein Heimspiel. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Provinz, na und? Schon mit dem ersten Song „Kleinstadthelden“ werfen die Jungs ein helles Licht auf die kleine Welt, die Zuhause war, ist und bleibt. Neben der warmen, kraftvollen Stimme von Sänger und Pianist Bertram Ulrich geht vor allem der sanft hallende, mit Glacéhandschuhen zupackende Gitarrensound von Nic(las) Jawinsky ins Ohr. Und einen eingängigen Mitsingpart kann man in Kiel an diesem Abend gern schon im Opener riskieren, denn das tendenziell weibliche Publikum geht sofort mit.

„Habt ihr Bock?“ kommt die rhetorische Frage, dann geht es kämpferisch weiter auf „Die letzte Meile“, um dann mit „16:9“ das Abstandnehmen zu thematisieren, das Verlassen der Routine, der gewohnten Umgebung, um sich neu zu fokussieren. Das ist gut beobachtet und sensibel formuliert, daher werden die Textzeilen von vielen Lippen mitformuliert. Auch „Band auf der Titanic“ ist ein tendenziell verzweifeltes Liebeslied, ohne in überbordende Betroffenheit zu verfallen, wie es im Genre Deutsch-Pop häufig zu finden ist.

Publikum ist euphorisch

Diesen Spagat zwischen gefühlvoller Massentauglichkeit und authentischem Bandsound bekommen Jeden Tag Silvester gut hin; eben weil sie nicht den einen Star mit gecasteter Begleitung haben, sondern als Bandgefüge funktionieren. Da ist dann auch mal Platz für einen längeren Instrumentalpart, bezeichnenderweise in „Wir lassen los“, der sich in stadiontauglichen Bombast à la Coldplay steigert. Jeden Tag Silvester sind eine freundliche Band („Hände bitte nach oben!“), daher geben sie zwischendrin die Bühne gern frei für Nachwuchsmusiker wie den Singer/Songwriter Ben Dobbertin oder  Natalie und Lennart, die ihren Akustiksong „Mein Anker“ zum Besten geben. Das Duo trägt den schönen Namen Nordweh, und der passt auch gut zur Hauptband des Abends, denn Songs wie „Am Wasser“ oder eben „Zwischen den Meeren“ drücken genau das aus: Die Sehnsucht nach Meer, nach der Stille, die einen auch zwischen Wind und Wellenrauschen erreicht.

Das Publikum ist euphorisch, die Band ob der entgegengebrachten Sympathie nicht minder: „Ihr seid so gut, ey!“ meint Bertram Ulrich und Drummer Tom Rieken weicht das Grinsen nur selten aus dem Gesicht. Immer wieder sucht er den Sichtkontakt mit seinem Sänger, wenn der am Piano sitzt, zum Gitarristen oder seinem rhythmischen Kollegen Till Krohn am Bass. Die Leidenschaft, mit der Rieken die Felle bearbeitet, die Songs mitsingt, das Publikum dirigiert und die Musik durchlebt, dürfte als Werbung für eine Bandgründung und das Schlagzeugspiel im Besonderen taugen.

Beim abschließenden „Giganten“ geben Band und Fans nochmal alles, die Sonne im Herzen steht am Zenith und schickt alle gut gerüstet zurück in die nasskalte Nacht.

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