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Kultur Judith Kerr: Das sind ihre fünf schönsten Bücher
Nachrichten Kultur Judith Kerr: Das sind ihre fünf schönsten Bücher
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14:39 23.05.2019
Judith Kerr lebte bis zuletzt in London – ihre „Mog“-Reihe ist in Großbritannien beliebter als in Deutschland. Quelle: imago images / tagesspiegel
London

Wenn sie nicht zeichnen konnte, wurde sie traurig. Judith Kerrs Geschichten faszinierten Generationen von Kindern. Nun ist sie im Alter von 95 Jahren gestorben, wie ihr Verlag mitteilte. Wir stellen die fünf schönsten Bücher der Schriftstellerin und Illustratorin Judith Kerr vor.

„Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“

1933 – da war Judith Kerr gerade neun Jahre alt – floh die jüdische Familie Kerr aus Deutschland. Aus der Perspektive des neunjährigen Mädchens, das im Buch Anna heißt, erzählt die Autorin von der Flucht und was diese für die Familie des berühmten Theaterkritikers Alfred Kerr bedeutete. 1973 erschien das autobiografische und bis heute bekannteste Buch der Autorin, für das sie unter anderem 1974 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet wurde, auf Deutsch. Eindringlich, doch durchaus mit Humor schildert Kerr die erste Zeit der Emigration. Ein echter Klassiker.

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„Warten bis der Frieden kommt“

Mit diesem Buch setzt Judith Kerr ihre autobiografische Trilogie fort. Anna und ihre Familie leben mittlerweile in London, wo sie sich mit wenig Geld durchschlagen. Die Mutter arbeitet als Sekretärin, Annas Bruder Max hat ein Stipendium für Cambridge erhalten. Er fühlt sich mittlerweile als Engländer. Anna, jetzt 16 Jahre, meldet sich für einen Zeichenkurs an. Sie, die schon immer gern gemalt hat, spürt, wie viel ihr das Zeichnen und Malen bedeutet – und dass sie vielleicht eine Liebe fürs Leben entdeckt hat. Der letzte Band der Trilogie, „Eine Art Familientreffen“, spielt dann 1956.

„Mog feiert Weihnachten

Dieser und auch weitere Bände über den getigerter Hauskater gehören längst zu den Bilderbuchklassikern. Judith Kerr, die wie ihre Romanheldin Anna als Jugendliche ihre Liebe zum Zeichnen entdeckte, hat mehrere Geschichten rund um Mog geschrieben und illustriert. Mog feiert nicht nur Weihnachten (und stellt dabei das Fest auf den Kopf), sondern er macht auch mal Urlaub oder trifft sich mit Freunden. Ziemlich oft bringt er sich dabei in dumme Situationen, aber irgendwie kommt der Kater immer wieder aus der Bredouille raus. In Großbritannien sind die Mog-Bände sogar noch beliebter und bekannter als in Deutschland.

„Ein Tiger kommt zum Tee“

Dass die Freundin zum Spielen vorbeikommt oder die Oma zum Aufpassen – das ist normal. Doch als Sophie und ihre Mutter sich gerade einen Tee gekocht und den Küchentisch fein gedeckt haben, klingelt es an der Tür. Und dort steht ein Tiger. Gastfreundlich wie Sophie und ihre Mutter sind – sie leben schließlich in London wie die Autorin auch, die 1935 nach England kam – laden sie das Tier zum Teetrinken ein. Das nimmt der Tiger gern an, doch trinkt er nicht nur Tee, sondern gleich auch das Wasser in der Badewanne, das eigentlich für Sophie gedacht war. Gewidmet hat Kerr das Buch ihren Kindern Tracy und Matthew Kneale. Ihr Sohn ist ebenfalls Autor, er hat den erfolgreichen Roman „Englische Passagiere“ geschrieben.

„Ein Seehund für Herrn Albert“

Judith Kerr hat ein Herz für Tiere – und für Figuren, die Tiere lieben. Der alte Herr Albert ist so einer. Am Meer findet er ein verlassenes Seehundkind und nimmt es kurzentschlossen mit nach Hause. Immerhin hat Mr. Albert dort eine Badewanne, in die er die kleine Robbe erst einmal steckt. Eine Lösung auf Dauer ist das allerdings nicht. 2016 erschien Kerrs Geschichte auf Deutsch, illustriert mit mehreren Dutzend Bleistiftzeichnungen von ihr. Lange weiß der Leser nicht so recht: Hat Herr Albert jetzt dem Seehund geholfen? Oder sorgt das Robbenkind nicht vielmehr dafür, dass in Alberts Leben wieder etwas los ist?

Von Martina Sulner/RND

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