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Kultur Im Koloraturfeuerwerk
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19:09 17.07.2019
Betörender Belcanto: Sopranistin Julia Lezhneva. Quelle: Axel Nickolaus
Kiel

Man darf zum Vergleich gern auf ihr Vorbild Cecilia Bartoli zurückgreifen – und wird doch zugeben müssen, dass die erst 29-Jährige die Vivaldi-Vokalperlen noch lockerer kullern lässt und ähnlich stark im Affekt-Ausdruck wirkt, obwohl sie im Gegensatz zur Römerin nichts überreißt.

Außergewöhnlich ist schon die Wärme und sanfte Intensität der Mittellage, aus der dann die Höhe wie Funkenflug hervorglitzert. Die Register der lyrisch kleinen, aber zugleich strahlkräftig raumfüllenden Stimme sind völlig nahtlos verkettet. Die Höhenpiani schweben zart und intensiv und manches Mal atemberaubend ins Endlose.

Ein Wispern, Flöten, Fließen, Verlocken

In den Instrumentalisten von La Voce Strumentale hat Lezhneva sehr spielfreudige und virtuos aufgekratzte Partner. Und in ihrem in jeder Beziehung beweglich geigenden Leiter Dmitry Sinkovsky auch noch ein vokales Pendant. Der doppelbegabte Countertenor dient mit seiner etwas monochromen, aber sehr präsenten Stimme als Echo: in Vivaldis aus dem venezianischen Geist Monteverdis lautmalerisch erschaffener Ippolita-Arie „Zeffiretti che sussurrate“ aus der Herkules-Oper. Was für ein sinnliches Wispern, Flöten, Fließen, Verlocken! Die elektrisierend erfassten Händel-Arien aus Alessandro tun ein Übriges, den Hörer ob solcher Brillanz, Auszierungskunst und Nuancierung staunen zu machen.

Alles zum Niederknien? Fast. Obwohl auch bei den Beiträgen zum SHMF-Komponistenschwerpunkt die Qualitäten allemal aufblitzen, herrscht hier, in Kantaten-Auszügen, noch nicht dieselbe freihändige Beherrschung der Noten. Und die bei Bach so wichtigen deutschen Texte bleiben spürbar in der Aussprache angelernte Silbenreihen. Das berühmte Laudamus te aus der h-Moll-Messe leidet außerdem unter Hetze und entsprechend ruppigen Streicherattacken. Schließlich darf man noch fragen, ob Vivaldis Violinkonzert Grosso Mogul rekordverdächtige Hochgeschwindigkeit braucht, wenn dadurch die Sauberkeit leidet und das Geräuschhafte überhand nimmt.

Zum Schluss ein wahnwitziger Zugabenblock

Aber das sind letztlich alles Stilfragen, die von der Gesamtwirkung weggefegt werden. Denn im leider nur zu zwei Dritteln gefüllten Schloss scheint sich Lezhneva am Ende eines mit Ovationen gefeierten Abends erst richtig heiß gesungen zu haben: Nach bereits mehr als zwei Stunden folgt ein wahnwitziger Zugaben-Block von einer weiteren halben Stunde – als Koloraturfeuerwerk sondergleichen und mit einer berührend entrückten Version von Händels Rinaldo-Hit Lascia ch‘io pianga für Laute (Luca Pianca) und einen absolut einmaligen Edelsopran.

Von Christian Strehk

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