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Kultur Christian Kock: die Magie des Hörspiels
Nachrichten Kultur Christian Kock: die Magie des Hörspiels
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20:00 30.05.2020
Von Ruth Bender
Die Magie des Impro-Theaters: Christian Kock ist dabei immer auch eine Art Bühnenzauberer. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

Impro-Theater ohne Publikum? „Das geht eigentlich gar nicht“, sagt Christian Kock, und der muss es wissen. Jahrelang hat er beim Szenenexpress gespielt und am Studentenwerk der Uni, wo er auch Workshops gibt, die nächste Gruppe gegründet. Für diverse studentische Ensembles hat er Stücke geschrieben; und mit den „Drei Herren“ entwickelt er Kriminalfälle, die auch Sherlock Holmes‘ Spürnase kitzeln könnten.

Von Impro-Theater bis Live-Hörspiel

Also ist auch auf der KN-Bühne erstmal das in Corona-Zeiten aufs Minimum geschrumpfte Publikum gefordert: Stimmungen und Gefühle auf blaue Zettel notieren; schlagfertige Sätze, die man von dem oder der Liebsten gern mal hören würde, auf rosa. Einen „bunten Reigen“ hat Kock zusammengestellt, von Lyrik bis Kürzestroman, von Impro bis Live-Hörspiel. Er mag solche Mischungen, die sich anfühlen wie ein bunter Abend aus Kleinkunstschnipseln.

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KN-Bühne: So können Sie spenden

Die KN-Bühne lud täglich außer montags jeweils 20 Uhr zur Vorstellung auf KN-online. Damit bot sie den vom Veranstaltungsverbot in der Corona-Krise besonders hart getroffenen freien Künstlern eine Plattform. 

Spenden gehen auf das Konto von „KN hilft e.V.“ bei der Fördesparkasse (DE 05 2105 0170 1400 2620 00) und werden wöchentlich unter den teilnehmenden Künstlern aufgeteilt. Am Sonntag, 31. Mai, ist der Percussionist Nils Rohwer zu Gast.

Frühe eigene Gedichte kommen launig in der Tradition von Erich Kästner und Heinz Erhardt daher, das garstige Metzgerlied aus dem Weihnachtsmärchen 2017 am Sechseckbau, Die Knochenbraut, schwarzhumorig blutig wie in der Gothic Novel. Die Filme im Kopf setzen Kürzestromane von David Lodge, A.L. Kennedy oder Roland Topor in Gang. Und die eher dröge Nachricht vom Bekenntnis zur Stadtbahn gewinnt im Stegreif der Stimmungen von „schwuppdiwupp“ bis „tieftraurig“ absurd überhöhte Dimension. Beim Impro-Theater geht eben alles.

Mit Leidenschaft für die Drei Herren

Seine größte Leidenschaft aber gilt dem Drei-Herren-Projekt, sagt Christian Kock. Das betreibt der Kieler zusammen mit Ingo Rotkowsky und Kai-Peter Boysen, die ihre Stücke gemeinsam schreiben und auf der Bühne in bester Whodunnit-Tradition lösen. Schon zu Kinderzeiten hat Christian Kock mit der gesamten Familie im Bayrischen Rundfunk den Radiofällen von Sherlock Holmes mit Peter Pasetti gelauscht – „da ist wohl was hängengeblieben“, sagt er. Und groovt sich ein in eine Szene aus dem jüngsten eigenen Fall – der klassische Detektivroman kommt da mit viel Gothic Novel-Charme zusammen. Und die Mischung aus Körperpräsenz und Körperlosigkeit wirkt so reizvoll wie leicht gruselig.

Der Podcast zur Krise

Auch wenn hier und da ein Auftritt wegfiel – die durch Corona erzwungene Auszeit hat Kock einigermaßen entspannt durchlebt. „Ich habe die Zeit auch genossen“, sagt er, „die Ruhe, die Zurückhaltung. Ich habe soviel geschlafen wie nie. Und manchmal haben wir uns einfach auf eine Parkbank gesetzt und gelesen. Das war unser Garten.“ Ohne dass er die Situation schönreden will, sieht er in der Krise auch neue Möglichkeiten. Zum Beispiel haben Die drei Herren sich in der Corona-Zwangspause auf den Podcast verlegt. „Das passte zu unserem Konzept und zu unseren Möglichkeiten“, sagt Kock, „ohne Corona hätte es den nicht gegeben.“ 16 Folgen sind mittlerweile entstanden, Schlaflos zur Mitternacht – und die finden durchaus Zuspruch. „Ich hoffe aber trotzdem, dass die Leute jetzt langsam wieder Lust bekommen auf den Live-Auftritt“, sagt er. „Das ist einfach eine ganz andere Energie.“

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Weitere Informationen zum Coronavirus erhalten Sie auf unserer Themenseite.

Diese Künstler standen schon auf der KN-Bühne - zu den Videos: