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Kultur Zara Zerbes ausgefallener Alltag
Nachrichten Kultur Zara Zerbes ausgefallener Alltag
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20:00 19.05.2020
Von Ruth Bender
Ähnlichkeiten mit einer gewissen Universalbibliothek rein zufällig: Zara Zerbe mit einem Exemplar ihrer preisgekrönten Erzählung "Limbo". Quelle: Frank Peter
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Kiel

Zara Zerbe hat in letzter Zeit ziemlich viel Social distancing betrieben. Natürlich. Wie alle anderen auch. „Aber ich habe festgestellt, dass man trotzdem verreisen kann ...“, sagt die Autorin und Teilzeit-Mitarbeiterin im Kino in der Pumpe. Und berichtet davon auf der KN-Bühne. Von einsamen Inseln und von raffgierigen Waschbären, die in bester Amazon- und Facebook-Manier ihre Online- und Versandgeschäfte betreiben.

Während die Neu-Insulanerin noch im Zelt haust und sich fragt, wie sie die Millionenschulden für Anreise und Sesshaftwerdung jemals abstottern soll. Ein Auszug aus Zerbes Online-Tagebuch Superspacelabor 2020, das im Blog nachzulesen ist. Schnell geschrieben, netzaffin, spielfreudig und mit einem Hauch Sozialkritik in der Metaebene.

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Reisen ins Computerspiel-Land

Animal Crossing heißt übrigens das Nintendo-Spiel voller knuffiger Tierwesen, das Zara Zerbe hier durchlebt und durchleuchtet. „Seit März bin ich süchtig“, bekennt sie, „ich habe viel Zeit mit den Viechern verbracht …“ Was wohl auch mit der damals einbrechenden Coronakrise zu tun hatte. „Komisch war das“, sagt 30-Jährige, die für ihr Schreiben gern aus dem eigenen Alltag schöpft. „Ich kam von der Berlinale – und hier kam der Lockdown. Normalerweise bin ich sonst die Hälfte der Abende in der Woche unterwegs.“

Im Kino, um die Vorstellungen zu fahren, bei Lesungen, mit Freunden. „Plötzlich ist mein Alltag ausgefallen“, sagt sie. Und wenn sie nach dem Auftritt zum ersten Mal nach drei Monaten zum „Schreiburlaub“ über die Grenze ins heimische Niedersachsen aufbricht, ist das schon fast ein Ausflug ins reale Abenteuer.

KN-Bühne: So können Sie spenden

Die KN-Bühne lädt täglich außer montags um jeweils 20 Uhr zur Vorstellung auf kn-online.de. Damit bietet sie den vom Veranstaltungsverbot der Corona-Krise besonders hart getroffenen freien Künstlern eine Plattform. Spenden gehen auf das Konto von „KN hilft e.V.“ bei der Fördesparkasse (DE 05 2105 0170 1400 2620 00). Die Summe wird wöchentlich unter den beteiligten Künstlern aufgeteilt). Am Mittwoch, 20. Mai, tritt der Musiker Kay Kankowski auf.

Einen Einblick in Zara Zerbes Welt erhält der Zuschauer in der Lesung, vom Blog über die Beiträge zur studentischen Literaturzeitschrift Der Schnipsel, die sie 2011 mitbegründete, bis zur Erzählung Limbo, die ihr 2018 den im Zwei-Jahres-Turnus verliehenen Literaturpreis Neue Prosa einbrachte und die gerade im Berliner Verlag Sukultur erschienen ist – durchaus großspurig im gelben Kleinformat wie Reclams Universal-Bibliothek.

Online-Eskapismus bis Nachrichten aus dem ländlichen Raum

Vom exzessiven Online-Eskapismus schweift Zerbes Blick so rasant wie schonungslos auf den eigenen 30. Geburtstag („ein harter Einschnitt in meinem Leben“), auf Paarbeziehungen, deren Rollenverteilung sich im Speisenvergleich verdeutlicht, oder die nur leicht selbstironische Erinnerung an eine Welt zwischen den (Handy-)Netzen an der Flensburger Förde, Nachrichten aus dem ländlichen Raum: „Die Ostsee liegt so ruhig. Den kommenden Aufstand der Taschenkrebse bemerkt niemand.“

Es hat eine gewitzte Unbekümmertheit, was Zara Zerbe schreibt. Man rauscht gern mit ihr durch die zwischen mächtig real und leicht entrückt changierenden Stimmungen der Twenty-bis-Thirties. Und bleibt stets nah dran am inneren Teenie.

Diese Künstler standen schon auf der KN-Bühne - zu den Videos:

Nordkolleg: Kulturdiskurs - Im Flickenteppich der Förderung?
Ruth Bender 19.05.2020
2. Mini-PhilKo - Beethoven im kleinen Format
Konrad Bockemühl 18.05.2020
Konrad Bockemühl 18.05.2020
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