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Kultur Brodowy hat "keine Zeit für Pessimismus"
Nachrichten Kultur Brodowy hat "keine Zeit für Pessimismus"
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12:24 01.02.2020
Von Thorben Bull
Matthias Brodowy im Lutterbeker Quelle: Björn Schaller
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Lutterbek

Als den Käpt'n Kirk des Kabaretts bezeichnet sich der Logbuch führende Matthias Brodowy. Aus diesem liest er mehrfach derart Launiges vor, sodass der Saal kaum aus dem Lachen herauskommt. So lässt er etwa die Gedanken um den Begriff „Hulle“ kreisen. „Es brennt wie Hulle, es regnet wie Hulle, bin betrunken wie Hulle, wer ist eigentlich Hulle?“, fragt Brodowy und löst auf: „Ich habe herausgefunden, dass die Hulle eine Kopfbedeckung aus der Trachtenmode ist.“

Doch ebenjene leichte Kost ist beim inzwischen alten Bühnenhasen Brodowy (seit 1989 aktiv) nur eine Facette von vielen. Im steten Wechsel zwischen Stand-up und Flügel liefert der Kabarettist neben dem Lachstoff ebenso Denkanstöße. „Wo bitte sind soziale Medien noch sozial? Sozial liegt da in Grenzen, für viele in denen von 1938. Das dürfen wir nicht länger hinnehmen.“ Weiter führt Brodowy vor Augen, dass Taten und Werte aus seiner Jugend auch heute noch Gültigkeit besitzen. Einst bezahlte er bei einem Discount-Supermarkt und ließ die Verpackungen zurück. Der gerufene Polizist konnte nichts ausrichten: „Ist ja nicht verboten.“ Und letztendlich fordern doch Jugend (Fridays For Future) und Stammtische dasselbe: „Die Politik soll ihre Versprechen einhalten.“ Ja, Brodowy übt Kritik an Gesellschaft und Politik, jedoch – das ist angenehm und ganz wunderbar – benötigt er dafür nicht einen Schlag unter die Gürtellinie. Vielmehr setzt er auf beispielhaft und anschaulich.

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Dann erneut ein Kurzweil bringender Blick ins Logbuch. 99 Möglichkeiten, die einen im Hotel nicht schlafen lassen: Neben unter anderem Kirchenglocken, dem Horn einer Fähre, dem vergessenen klingelnden Wecker des bereits frühstückenden Zimmernachbarn, schießt eine mit Zweitschlüssel ausgestattete Braut in vollem Hochzeitsornat den Vogel ab, als sie in Brodowys Zimmer spaziert. Zurück an den Tasten schlägt die heitere Stimmung ins Melancholische um, wenn der gebürtige Braunschweiger bei eventueller Schlaflosigkeit singend zum Nachtspaziergang aufruft, bevor er - wieder im Stand-up - mal eben mit den Ernährungs- und Diätmythen aufräumt: „Kann es vielleicht daran liegen, dass wir zu viel essen und uns zu wenig bewegen?“ Während der zweieinhalbstündigen Spielzeit hebt Matthias Brodowy mehrfach den Zeigefinger und verdeutlicht noch einmal: „Keine Zeit für Pessimismus bedeutet nicht an den bestehenden Zuständen festzuhalten, sondern die Welt umzugestalten und zum Positiven zu verändern.“ Packen wir es an!

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