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Kultur Zerbrechlich delikat
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15:20 15.08.2018
Foto: Lady Annabelle Weidenfeld kümmert sich um Menahem Pressler. Die einstige Gefährtin Arthur Rubinsteins und spätere Ehefrau des österreichisch-britischen Verlegers Lord George Weidenfeld ist Presslers Managerin und Vertraute.
Lady Annabelle Weidenfeld kümmert sich um Menahem Pressler. Die einstige Gefährtin Arthur Rubinsteins und spätere Ehefrau des österreichisch-britischen Verlegers Lord George Weidenfeld ist Presslers Managerin und Vertraute. Quelle: Axel Nickolaus
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Hamburg

Letzterer, 1923 in Magdeburg geboren, 1933 als Jude nach Israel emigriert und doch ab 1950 nach Europa und sogar ins feindsinnig entgleiste Deutschland zurückgekehrt, hat mit 83 Jahren zwar sein legendäres Beaux Arts Trio endgültig aufgelöst, taucht aber punktuell noch wieder am Flügel auf.

Mit 94 Ehrengast beim SHMF

Mit sagenhaften 94 Jahren war er noch einmal Ehrengast des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Und frappierte in der ausverkauften Elbphilharmonie mit deliziösen Schattierungen in ausgewählten Préludes von Claude Debussy. Das Federleichte, apollinisch Aufgeklärte, ohne Überdruck Artikulierte, hellhörig an die Schwingungen der Streicher-Saiten Angepasste war ja schon immer sein Markenzeichen.

Delikates Sentiment bei Debussy

Hier zogen die impressionistischen Akkord-Wolken duftig vorüber. In Debussys La plus que lente oder Rêverie betörten die Melodiezüge mit delikatem Sentiment.

Chopin schwerelos schwebend

Und in geschickt ausgewählten Mazurken von Frédéric Chopin entstanden Triller und Läufe schwerelos aus dem Nichts auf sanft wiegender Tanz-Erinnnerung. Beim gebannt lauschenden Publikum löste diese späte, zerbrechlich zarte Kunst Ovationen für Gegenwart und Lebensleistung aus.

Last des Alters nur in der ersten Hälfte spürbar

In der ersten Konzerthälfte hatte die Gebrechlichkeit des biblischen Alters noch die Oberhand behalten. Da fehlte es Presslers fragil flüsterndem Mozart-Spiel an theatralischer Prägnanz. Aber auch hier gab es, wie in den immer wieder stockend und strauchelnd ertasteten "Kinderszenen" von Robert Schumann, Momente berührender Innigkeit und Anschlagsfinesse.

Von Christian Strehk