Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kultur Das Theater ist eingeschifft
Nachrichten Kultur Das Theater ist eingeschifft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:15 14.08.2019
Von Sabine Tholund
Bereit zum Festmachen: Thomas und Josephine Hamann, Martina und Aljoscha Riese erwarten am Willy-Brandt-Ufer in der Hörn die „Lore Lay“. Derzeit noch etwas „ungeschminkt“, soll sie 2020 im Dock einen neuen Außenanstrich bekommen. Quelle: Frank Peter
Kiel

Eigentlich sollte die Ankunft am Willy-Brandt-Ufer schon am Montag stattfinden – doch das Wetter spielte nicht mit: „Wegen des starken Windes haben Hafenkapitän, Lotse und Schlepperdienst abgewunken“, so Geschäftsführer Thomas Hamann. Am Dienstag stand ein größerer Schlepper bereit und dem „Umzug“ damit nichts mehr im Wege.

Zwei Jahre Pause für das Mammutprojekt "Theaterschiff"

Wenn sich am kommenden Freitag der Vorhang zur ersten Aufführung im maritimen Ambiente hebt, endet für Martina Riese eine zweijährige Pause als Theaterleiterin, Regisseurin und Schauspielerin, eine Zeit, die sie brauchte, um sich gemeinsam mit Hamann voll und ganz dem Mammutprojekt "Theaterschiff" zu widmen. Ursprünglich für das Frühjahr 2018 geplant, musste der Startschuss für die Aufnahme des Spielbetriebs auf dem Wasser mehrfach verschoben werden. Um so glücklicher ist sie, dass es jetzt endlich losgehen kann. „Im Januar ist das Schiff aus Duisburg nach Friedrichsort geschleppt worden, seitdem bauen wir um – mit allen Widrigkeiten und allem Positiven, was dazugehört“, sagt sie. „Das letzte halbe Jahr war spannend und toll, ein bisschen so, wie wenn man ein Haus baut.“

Die "Lore Lay" war einst als Binnenleichter auf dem Rhein unterwegs

Im Innern der „Lore Lay“, die ihr Schiffsdasein 1980 auf dem Rhein als Binnenleichter mit dem Transport von Erz und Kohle begann, riecht es nach Farbe. Im großzügigen Eingangsbereich wechselt ein leuchtendes Signalrot mit kühlem Weiß, eine Treppe tiefer, vorbei an blitzblank geputzten Bullaugen und dem coolen Lounge- und Tresenbereich, geht es in den Theatersaal, dessen Tribüne in sechs Ebenen von allen Plätzen gute Sicht auf das Bühnengeschehen verspricht. Der Teppichboden in dem fensterlosen, in Rot und Schwarz gehaltenen Saal, der durch eine ausgeklügelte Klimaanlage temperiert wird, liegt bereit. „Ausgerollt wird er erst, wenn es keinen Schmutz mehr gibt“, so Hamann. Auch die Stühle sind noch verpackt. Gut 200 Zuschauer können hier maximal Platz finden, „aber die Aufstellung ist flexibel.“

„Landratten an Bord!“

Eine klassische Premiere ist das Stück zur Eröffnung der „Lore Lay“ zwar nicht. Vielmehr hat Martina Riese während des Endspurts der Bauarbeiten auf eine Produktion zurückgegriffen, die vor ein paar Jahren „einen Überraschungserfolg“ erzielte. Dem ursprünglichen Titel "Frauen, Männer und andere Katastrophen" hat sie ein "Landratten an Bord!" vorangestellt und so den Text der neuen Situation auf dem Theaterschiff ein wenig angepasst – sie darf das, denn sie hat das Stück ja selbst geschrieben.

Gemeinsam mit ihrem Sohn Aljoscha und Wolfram Meyer, der unter anderem eine Ausbildung als Opernsänger mitbringt und als Schauspieler zum ersten Mal bei Lore & Lay dabei ist, wird sie in der turbulenten Komödie auf der Bühne stehen und dabei gleich drei Frauen verkörpern: Neben einer schlagfertigen Bardame, zu der die beiden höchst unterschiedlich gestrickten Männer ihr Geld tragen, spielt sie deren nicht minder unterschiedlich gearteten Ehefrauen, die im Reihenhaus das Zepter schwingen. „Da werden so ziemlich alle Klischees abgearbeitet“, lacht Riese. Die Feststellung, dass Frauen und Männer zwar nicht zusammen passen, sich aber dennoch nicht davon abhalten lassen, es zu versuchen, wird dabei selbstredend in diversen komödiantischen Variationen ausgeleuchtet. Dazu wird ein Video, das den Verlauf der Umbaumaßnahmen auf dem Schiff dokumentiert, ins Geschehen integriert und besondere Pointen setzen.

Das Wichtigste soll bis Freitag fertig sein

Sicher, es gibt noch manches zu tun, doch ein Ende der Arbeiten ist in Sicht. „Das Wichtigste wird bis Freitag fertig sein, zumindest alles, was das Publikum angeht“ , sagt Martina Riese. Gemeinsam mit ihrem künstlerischen Team ist sie „total heiß darauf“, den Spielbetrieb aufzunehmen, der von nun an ganzjährig Leben auf das Schiff bringen soll. Kälte oder gar Eisgang müssen die Besucher der robusten „Lore Lay“ in den Wintermonaten nicht fürchten. „Sollte das Schiff einmal einfrieren, hätten die Besucher vom Westufer einen kürzeren Weg direkt über das Wasser“, sagt Thomas Hamann schmunzelnd – im Sommer sorgt ein bestuhltes Sonnendeck nebst Sonnenschirmen für Entspannung.

Drei bis vier eigene Premieren im Jahr

Wie zuvor im Wasserturm am Ravensberg will Martina Riese mit ihrem Team drei bis vier eigene Premieren im Jahr auf die Bühne bringen „Darüber hinaus sind wir offen für Gastspiele und Kooperationen“. Unter anderem sei ein Austausch der Produktionen mit den Theaterschiffen in Lübeck und Bremen geplant, „es können aber auch Hochzeiten und Tagungen auf dem Schiff stattfinden.“ In Spitzenzeiten soll fünf bis sechs Mal die Woche gespielt werden. Das leibliche Wohl der Gäste hat die Crew dabei fest im Blick: „In den Pausen und vor Spielbeginn werden Snacks und Getränke gereicht“, sagt Thomas Hamann, Der studierte Maschinenbauer, der den Innenausbau des riesigen Schiffskörpers geleitet hat, ist froh, dass für den reibungslosen Spielbetrieb andere verantwortlich sind. Einer davon ist Martin Witzel, Beleuchtungsmeister im Kieler Opernhaus. Schon seit 2003 steht er dafür ein, dass im Lore & Lay Theater „das Licht stimmt“. Derzeit ist er damit beschäftigt, die Beleuchtung für Freitag einzurichten, wenn es heißt: „Landratten an Bord: Männer, Frauen und andere Katastrophen“.

Theaterschiff am Willy-Brandt-Ufer. Premiere Freitag, 16. August, 20 Uhr. www.loreundlay-theater.de

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Kultur Rossini Festival Pesaro - Eine Inszenierung voller Rätsel

Pesaro wird gerne das Bayreuth Rossinis genannt, und das zu Recht. Denn seit 1980 finden in Rossinis Geburtsstadt Festspiele statt, die dem Publikum alle 39 Opern des „Schwans von Pesaro“ nach den neuesten Kenntnissen der Musikforschung präsentieren. Jetzt wieder im Fokus: Semiramide.

Jürgen Gahre 14.08.2019

Was kommt heraus, wenn Künstliche Intelligenz Texte verfasst? Zum Beispiel ein Gedicht, das es ins Jahrbuch der Brentano-Gesellschaft schafft. Oder ein Kapitel von Harry Potter. Muss der Literaturbetrieb nun bangen? Und kann KI tatsächlich kreativ sein?

14.08.2019

“Lady Bird”-Regisseurin Greta Gerwig hat den ersten Trailer für das hochkarätig besetzte Schwesterndrama “Little Women” vorgestellt. So zeigen sich Emma Watson und Saoirse Ronan zu Zeiten des US-amerikanischen Bürgerkriegs.

14.08.2019