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21:24 26.06.2019
Von Beate Jänicke
Glücksgefühle auch mit Pappe: Der Kidsclub mit „Ein kleines Stück Glück“ im Jungen Theater im Werftpark. Quelle: Olaf Struck
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Kiel.

Mit munter durcheinander tönenden, rhythmischen Rufen aus fröhlichen „Juhus“, „Yes´“ und „Yeahs“ geleitet der in allen Grün-Schattierungen fantasievoll eingekleidete Trupp die Zuschauer in den Bühnenraum. Dort warten schlichte Pappkartons und anderes Verpackungsmaterial auf neue, kreative Verwendung. Die zehn jungen Theaterbegeisterten im Alter von neun bis 13 Jahren haben sich mit Theaterpädagogin Marie Kienecker auf die Suche nach dem höchsten der Gefühle gemacht und das Ganze in einem lebendigen Bilderbogen festgehalten. In vielen kleinen Szenen, die in Inhalt und Texten komplett selbst von den Kidsclub-Mitgliedern erdacht und entwickelt wurden, zeigen sie die vielfältige Glückssuche in modernen Zeiten.

Das Glück des Hamsters

Vor dem erfolgreichen Forschen steht aber zunächst mal das Sammeln: „Glück ist eine Gedankenidee“, meint der eine. Die andere ist sich sicher: „Glück wohnt im Herzen – und im Bauch.“ Der Dritte und Jüngste im Kidsclub liefert den Running Gag des Abends, den er immer wieder auftischt und damit für Lacher sorgt: „Glück ist mein Hamster!“ Mit verschiedensten Mitteln rücken die Glückssucher dem Objekt ihrer Begierde auf den Leib. Es wird getanzt zu verführerisch tönender Musik, denn Glück kann auch in der Musik liegen. Es wird pantomimisch durch unsichtbare Berge von Wackelpudding gewatet, denn auch das Essen kann schließlich glücklich machen. Es wird geschnuppert – nicht zuletzt am Publikum – weil: Ist Glück nicht auch ein Geruch? Und ironisch nehmen sich die Kids selbst auf die Schippe, wenn sie etwa übertrieben von Popstars schwärmen.

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Glück ist längst nicht bloß das eigene Wohl

Aber es gibt auch ernsthafte Szenen: Wenn eine der Darstellerinnen sich beispielsweise wegträumt aus der Realität, sichtbar sehnsüchtig. Wunderbar witzig dagegen die Persiflage von platten Werbebotschaften, in denen übertrieben angepriesene „Glückszahnpasta“ Uneinlösbares verspricht. Wie kleine Ufos haben die Kids in die verlogenen Werbe-Slogans ihre ganz eigenen wahrhaftigen Wünsche eingeschmuggelt, nach einer „sauberen Umwelt“ etwa, nach „Unterkünften für alle“ oder nach „Frieden“. Denn Glück bedeutet für sie längst nicht bloß das eigene Wohl. Und auch nicht bloßer Konsum oder viele Follower in den sozialen Netzwerken.

Nicht besitzen, sondern leben

In der ausführlichsten Szene des Abends teilt sich die Gruppe in zwei Hälften. Die einen, die bloß haben wollen und neidisch auf die Nachbarn schielen. Und die anderen, die nicht besitzen wollen, sondern leben – nämlich ihre eigenen Leidenschaften. Getreu dem Motto von Albert Schweitzer, dass sich Glück vermehrt, wenn man es teilt, lassen sich die Glücklichen von den neidischen Nachbarn ihr Glück nicht nehmen, sondern bringen ihnen das Glücklichsein einfach bei. Am Ende riesiger, verdienter Applaus. Glück ist es auch, ein tolles Theaterstück zu sehen.

Weitere Aufführung: heute, 27.6., 18 Uhr, Theater im Werftpark (wenige Restkarten an der Abendkasse)

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