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Kultur Organisch und meditativ
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10:49 09.05.2019
Von Sabine Tholund
Organische Formen sollen Vertrautheit schaffen: Elvira Bäfverfeldt Marklund (li.), hier mit Andrea Kahlke in der Ausstellung „Das klinische Bild – Kunst beflügelt Genesung“ in der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung Kiel. Quelle: Björn Schaller
Kiel.

 „Man sollte die Arbeiten möglichst lange anschauen können und sie sollten nicht verstörend sein“, so Museumsleiterin Eva Fuhry. Die Bilder von Meike Schlemmer etwa zeigen bruchstückhafte Abstraktionen von Gräsern und Bäumen, deren Leerstellen mit positiven Erinnerungen an die Welt jenseits der Krankenhausmauern gefüllt werden können. Ähnlich „funktionieren“ die vage gehaltenen Förde-Impressionen von Rebecca Popken, die als Projektionsfläche für eigene, innere Bilder taugen.

15 Teilnehmer im Wettbewerb

"Das klinische Bild – Kunst beflügelt Genesung" heißt die jurierte Schau – bereits die zweite, die von der Kunsthochschule im Hause realisiert wurde. Entstanden sind die Werke im Rahmen eines Wettbewerbes, ausgerufen vom Uniklinikum (UKSH) und dem Muthesius Transferpark zur Gestaltung der Neubauten in Kiel und Lübeck. Welche Arbeiten der insgesamt 15 Teilnehmer später für die Kliniken ausgewählt werden, ist noch ungewiss. „Die Ausstellung ist ein erster Zwischenschritt“, so Anna Siebert vom Transferpark. Genügend Aufmerksamkeit ist den Fotografien, Bildern, und Installationen schon jetzt sicher – die Präsentation läuft immerhin ein ganzes Jahr.

Kunst führt durch das Krankenhaus

Interessant ist das Konzept, das die Kuratorinnen Chili Seitz und Ute Diez dem Rundgang zugrunde gelegt haben. Der Ausstellungsbesucher wird quasi durch ein Krankenhaus geführt: vom Empfang über das Wartezimmer hinein in Patienten- und Behandlungszimmer bis in den Abschiedsraum. In der „Aufnahme“, in der die Patientendaten gesammelt werden, hängen unter anderem serielle Grafiken mit stilisierten Fingerabdrücken – Anja Germanova ist überzeugt, dass sich die unterschiedliche Farbigkeit der Bilder positiv auf die Stimmung auswirkt. Den Stationsflur hat Elvira Bäfverfeldt Marklund mit organisch anmutenden, kommunizierenden Objekten bestückt, die bei Berührung leuchten. „Organische Formen erinnern an Bekanntes und haben etwas Freundliches an sich“, so die Schwedin.

Ein Stück Zuhause schaffen

Das Erzeugen einer angenehmen Atmosphäre ist auch in anderen Arbeiten ein zentrales Thema. So hat Grigori Skrylev Ausschnitte eines Teppichs auf eine Wand gemalt, mit dem er „ein Stück Zuhause“ ins Klinikum bringen will. Um mehr Licht geht es Ronja Koppe und Julia Dankmer. Einen eher düsteren Lichthof im Kieler UKSH würden sie mit spiralförmig von der Decke hängenden Tageslichtlampen ausleuchten. Formal könnte die Installation an die Struktur der DNS erinnern, in erster Linie soll sie jedoch „mehr Tageslicht zu den Patienten bringen“.

Gänse als Mittler zwischen Himmel und Erde

Meditativ ist die Arbeit der beiden Kuratorinnen, konzipiert für den fensterlosen Abschiedsraum: Von einem goldfarbenen Quadrat führen zwei geschwungene Linien zur angrenzenden Wand, auf der zwei fliegende Gänse gezeichnet sind. Ihre Gestalt setzt sich aus dem handgeschriebenen Fallada-Zitat „Wenn du gehst, bin ich nur halb“ zusammen. „In der Mythologie sind Gänse Mittler zwischen Himmel und Erde“, sagt Ute Diez. „Wer in einem solchen Raum sitzt, wird die Zeichnung natürlich nur peripher aufnehmen.“ Aber vielleicht auch nie vergessen.

Medizin- und Pharmaziehistorische Sammlung, Brunswiker Str. 2. Bis 1. März 2020. Di-Fr 10-16, So 12 -16 Uhr

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