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Kultur Zweites Zuhause für "Dittsche" in Kiel
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12:32 30.10.2019
Von Thomas Richter
Olli Dittrich als Dittsche mit seinem Programm "Live und Solo" in Kiel. Quelle: Manuel Weber
Kiel

Olli Dittrich versucht gar nicht erst, die legendäre Grill Station im Eppendorfer Weg 172, in dem seit 2004 sein unschlagbares Fernsehformat spielt, auf die Bühne zu bringen. Er weiß, dass hier ohnehin jeder Zuschauer ein genaues Bild davon hat. Und wenn Dittsche loslegt, ist Eppendorf eben überall, weswegen der Meister in seinem obligatorischen Unterschichtler-Ornat aus Bademantel, Oberhemd, Jogginghose und Schumiletten, einer Flasche Bier und einer Alditüte mit Leergut nichts weiter braucht außer einem Mikrofonständer, um die Menge zu verzücken.

Dittsche verkörpert den gebückten Stolz eines Stehaufmännchens

Dennoch gehorcht ein Bühnenprogramm anderen Regeln als eine wöchentlich ausgestrahlte und vor allem improvisierte TV-Show. Und auch die Dramaturgie des Solo-Programms ist natürlich eine andere als die so herzerfrischende Dialektik zwischen Imbiss-Wirt Ingo und Stammgast Dittsche.

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Ingo als häufig verdutzter Ansprechpartner und Dittsche als neunmalkluger, halbgebildeter und mit dem gebückten Stolz des niederlagenerprobten Stehaufmännchens hemmungslos drauflos palavernder Welterklärer funktionieren in der Flimmerkiste als exquisites Suchtmittel. Auch weil die Gespräche häufig tagesaktuell sind. Die Serie kommt ohne Drehbuch aus, ist deswegen extrem flexibel. Aber auch auf der Bühne bleibt Dittsche beweglich, eben nur weniger aktuell und improvisiert.

Denn völlig zurecht verlässt sich der Theater-erprobte Komödiant am Dienstag im Kieler Schloss auf die Stärken seiner Figur. Er spielt durch die Bühnenwirksamkeit seiner Geschichten gewissermaßen über Bande und lässt den Eppendorfer Kosmos auch in Abwesenheit von Fixsternen wie Ingo, dem schweigsamen Imbisskunden "Schildkröte" aber auch dem Nachbar-Ehepaar Karger oder dem Gemüsehändler Giovanni strahlen.

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Olli Dittrich präsentierte "Dittsche"-Klassiker

Einem Best-of gleich bestimmen viele Klassiker der Serie das Programm in Kiel. Ergänzt, ausgeschmückt und in einen bühnenreifen Kontext gegossen, genießen wir noch einmal die Geschichte, in der Dittsche von der Polizei im Imbiss besucht wird, weil er zusammen mit Giovanni einen als Hamster verkleideten Mann, den sie fälschlicherweise für den "Problembären" Bruno hielten, mit einer Leuchtrakete beschossen hat.

Der für Ingo und seinen Imbiss desaströs endenden Versuch Dittsches, Schildkröte mit einem Wagenheber "aufzubocken", machte beim Wiedererleben ebenso viel Spaß wie die Katastrophen rund um Dittsches handwerkliches Wirken in der Wohnung der Eheleute Karger, nachdem Frau Karger ihren Mann vorübergehend rausgeschmissen hat.

Auch Dittsches "Weltkulturidee" vom sich "selbstwürzenden Schwein" massierte erneut das Zwerchfell. Unsentimental, herzlich und sehr lustig wurde zudem der Tod des Schauspielers, Musikers und Darstellers von Schildkröte, Franz Jarnach, noch einmal aufgegriffen. Das alles sind allerdings nur wenige Beispiele für einen prallen, ganz wunderbaren Abend, der zeigt, dass Dittsche neben Ingos Imbiss noch ein zweites Zuhause hat: Die Bühne.   

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