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Kultur Fritzschs Wink mit Bruckners Emphase
Nachrichten Kultur Fritzschs Wink mit Bruckners Emphase
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14:53 23.06.2019
Foto: Feierliche Innigkeit, aufbrausende Emphase: GMD Georg Fritzsch beendet seine Kieler Ära mit einer gefeierten Interpretation von Anton Bruckner VIII.
Feierliche Innigkeit, aufbrausende Emphase: GMD Georg Fritzsch beendet seine Kieler Ära mit einer gefeierten Interpretation von Anton Bruckner VIII. Quelle: Marco Ehrhardt
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Fritzsch, der Klangregisseur markgräflich Meißner und Dresdner Prägung blendet Register der bestens aufgelegten Kieler Philharmoniker souverän und auswendig auf und ab, lässt eine musikalische Phrase ganz organisch und bruchlos aus der vorangehenden hervorwachsen sodann magisch in die nächste übergleiten. Selbst dort, wo Bruckner gefährliche Abbrüche einbaut, bleibt Spannung erhalten. Dieser langgestreckte dritte Satz, der in tausend Teile zerfallen könnte, wirkt hier bewegend innig und intensiv wie aus einem Guss. Vom Glitzern der drei Harfen bis zum zart aufscheinenden Choral stimmt hier alles – „feierlich“ und eben „doch nicht schleppend“, genau wie gefordert.

Bruckners "Achte" in raschen Tempi

Überhaupt das Tempo: Mit Christian Thielemanns Dresdner zählt Fritzschs zweite Kieler Interpretation der Achten Symphonie (beide wählen die Haas‘sche Mischfassung) zu den raschesten und strömt gut zwanzig Minuten früher über die Fortefortissimo-Ziellinie als einst Celibidaches Münchner. Ins Schloss, das trotz der bekannt hinderlichen Kieler Woche auffällig gut besucht ist, passt das mit seiner eher norddeutsch protestantisch kurz angebundenen Akustik optimal.

Fritzschs vitales Dirigat

Schon der erste Satz wirkt nach betont behutsamen Einstieg enorm vital. Immer wieder aktiviert Fritzsch die Massen zu hochfliegender Emphase. Sein erklärtes Vorbild Günter Wand war da tatsächlich ein Quäntchen strenger. Im "Scherzo" führt die Rasanz zu Risiken, die aber zugleich das flammende Fanal mitreißend agil darstellen. Außerdem gibt es sehr schön ausgekostete Kontraste in den Trio-Einschüben.

Ovationen des Publikums

Das kühn konstruierte, aus den satten Bässen der Hörner, Tuben und Posaunen aufbrausende Finale trägt ein Übriges zur gewaltigen Wirkung bei. Fritzsch, der Bruckner nicht mit Lobeshymnen ins Wort fallen will und sich deshalb jegliche Dankesworte im Abgangsapplaus verbeten hat, und die mit Strauss‘ "Frau ohne Schatten", Wagners "Ring" und nun auch noch Bruckners monumentalem „Mysterium“ extrem großsinfonisch geforderten Philharmoniker baden in Publikumsovationen. Zu Recht!

Fritzschs allerletztes Konzert als Kieler Generalmusikdirektor

Das Konzert wird am 24. Juni um 20 Uhr im Kieler Schloss wiederholt. Einführung 45 Minuten vor Beginn. Karten: 0431 / 901 901. www.musikfreunde-kiel.de

Von Christian Strehk

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