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Kultur Kieler Schloss nicht zeitgemäß
Nachrichten Kultur Kieler Schloss nicht zeitgemäß
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21:02 01.06.2015
Von Christian Strehk
Beethoven geht bestens, bei Mahler wird’s gefährlich: Kiels GMD Georg Fritzsch, hier beim Neujahrskonzert mit den Philharmonikern und dem Philharmonischen Chor, sieht das Schloss längst nicht mehr als rundum attraktiven und repräsentativen Veranstaltungsraum. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Sofort aber betont er ausdrücklich, dass den Eigentümern da am allerwenigsten ein Vorwurf zu machen sei: „Wir müssen dem Privatmann Peter Marschall vielmehr sehr dankbar sein, dass er den Saal überhaupt betreibt. Er dient damit der öffentlichen Daseinsvorsorge.“

 Fritzsch bezweifelt aber, dass das noch lange gut gehen kann. Tatsache sei nun mal, dass das Schloss als Veranstaltungszentrum repräsentativen Aufgaben und heutigen Ansprüchen nicht mehr genüge. Schon gar nicht mit Blick auf Ereignisse wie die Feier des Tags der Deutschen Einheit im Jahr 2022 oder Olympia 2024. Ein Gutachten, das der Eigentümer und die Stadt schon vor Jahren in Auftrag gaben, hätte den Handlungsbedarf bestätigt. Fritzsch: „Die technischen Einrichtungen des Schlosses sind veraltet, wenn auch in gepflegtem Zustand. Aber man muss davon ausgehen, dass der Investitionsstau im Bereich Dach, Beleuchtung, Klimaanlage, Bestuhlung, Toiletten oder gar Brandschutz irgendwann eine Situation heraufbeschwört, die eine weitere Nutzung verhindert. Völlig ungeklärt ist die Frage, wer dann die Investitionen tätigt.“

 Viel wichtiger als das Management einer solchen Notsituation ist dem GMD aber die Entwicklung eines auf vielen Schultern tragfähigen Zukunftsplans – nach Vorbild der Bürger und Stadtväter vor 120 Jahren und in der Wiederaufbauphase nach dem zerstörerischen Weltkrieg. „Ich habe nun mal eine Schwäche für Visionen“, bekennt Fritzsch und freut sich, dass er im Verwaltungsrat des Theaters und beim Kieler Oberbürgermeister dafür Rückhalt spürt. Der Dirigent wünscht sich zwar einen funktionsfähigen Konzertsaal, der den Philharmonikern, dem Schleswig-Holstein Musik Festival, dem NDR Sinfonieorchester, den Uni-Ensembles oder auch dem Nachwuchs im Ernst-Barlach-Orchester rundum würdige und fürs Publikum attraktive Bedingungen bietet. Er kämpft aber auch für einen möglichst wandelbaren Festsaal für ganz anders gelagerte Veranstaltungen. „Es geht mir nicht darum, gegen den vorhandenen Saal zu polemisieren. Es geht vielmehr um eine zukunftsfähige Lösung für eine Landeshauptstadt. Erst an zweiter Stelle stellt sich die Frage, ob das Schloss das leisten kann. Mit einem neuen Dach, neuen Fenstern, einer neuen Klimatisierung und einem neuen Teppich im Foyer ist es eindeutig nicht getan.“

 Als Dirigent beklagt Fritzsch zweierlei: Einerseits sei das Schloss begrenzt akustisch belastbar. „Es hört auf, gut zu sein, ab dem großformatigen Repertoire der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.“ Noch problematischer aber schätzt er ein, was tatsächlich jeder Ausführende kennt, wenn er einmal auf diesem Podium aufgetreten ist: „Man hört sich auf der Bühne ganz schlecht. Die Solisten vorn nehmen die Bläser nicht wahr. Das Publikum bekommt davon nichts mit, aber es kennt ja auch den Hinterbühnenbereich nicht.“

 Am meisten aber bewegt den GMD das, was ihm im Austausch mit dem Publikum entgegenschlägt. Die Attraktivität des Saales sei nicht mehr zeitgemäß. „Um heute attraktive Veranstaltungen verkaufen zu können, muss das gesamte Umfeld stimmen. Das geht schon bei der Positionierung los: Warum hat man in Kiel vor 50 Jahren einen Saal am Meer gebaut, der das Meer vollständig ausblendet?“

Kultur Johannes Oerding in Kiel Für die Bühne geboren Nachschlag

„Wenn es möglich wäre, nur live auf Tour zu gehen, ohne dafür ein Album einzuspielen, dann würde ich mich dafür entscheiden, dann würde ich tatsächlich keine Alben mehr machen“, sagte Johannes Oerding vor einiger Zeit im Gespräch mit unserer Zeitung.

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