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Kultur Höchst vergnügte Seelenruhe
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17:15 26.03.2018
Foto: Der Sankt-Nikolai-Chor Kiel mit Kirchenmusikdirektor Volkmar Zehner.
Der Sankt-Nikolai-Chor Kiel mit Kirchenmusikdirektor Volkmar Zehner. Quelle: Nikolaichor Kiel
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Kiel

Der dreistündige musikalische Kosmos von Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion ist mit seinen großen Da-Capo-Arien bekanntlich mehr besinnliche Reflexion des Passionsgeschehens als filmreife Nacherzählung. Umso mehr kommt es darauf an, den jeweiligen Stimmungs- und Aussagekern seiner vielen Teile zu treffen sowie lohnende Momente zum Aufhorchen zu schaffen.

Wenn der insgesamt sehr warm und austariert tönende Nikolaichor am Schluss noch die geistige und atemtechnische Kraft findet, über Bachs Wunsch hinaus „höchst vergnügt schlummernd“ die Seelenruhe in ein zartes Pianissimo abzusenken, bevor sich die vereinte Christenheit wieder fortewogend in Tränen niedersetzt, dann ist damit viel über liebevolle Detailprobenarbeit gesagt.

Zehner ruft in den kommentierenden Chorälen individuelle Nuancierungen ab – keiner klingt wie der andere. Ganz wunderbar gelingt der Choralkantatensatz am Ende des ersten Teils, wo noch einmal die von Hans-Christian Henkel bestens einstudierten Stimmen des Kieler Knabenchors von der Seitenschiff-Empore auf alles herabschweben.

Dass all das so gut funktioniert, ist auch dem stilkundig zusammengestellten Barockorchester mit dem zahlenmythischen Titel „Ensemble 158“ zu danken. Zum abgerundeten Konzept passen auch die erstklassigen Solisten: Mirko Ludwig, Veronika Winter, Nicole Pieper und Konstantin Heintel. Und Henryk Böhm verleiht nicht zuletzt der Vox Christi genau die Autorität, deren Verlust die Menschheit seit über 2000 Jahren beschäftigt – und aus Bachs Perspektive so berührend entsühnt.

Von Christian Strehk

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Ruth Bender 26.03.2018