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Kultur Nicht Last, sondern Gestaltungsspielraum
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08:00 29.12.2018
Von Konrad Bockemühl
Renate Treutel, hier vor einem ihrer Bilder in ihrem Amtszimmer, ist seit November Bürgermeisterin und bereits seit 15. September neben ihrer Zuständigkeit für Bildung, Jugend und Kreative Stadt auch Kiels Kulturdezernentin. Geboren in Leverkusen, ist die 56-Jährige mit Wohnort Preetz von Haus aus Diplom-Sozialpädagogin. Mit einer vierjährigen Unterbrechung ist sie seit 1986 durchgängig bei der Stadt Kiel tätig. Im April 2014 wurde sie zur Dezernentin zunächst für Bildung und Jugend gewählt. Seit Sommer 2018 ist Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen in Kiel. Quelle: Björn Schaller
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Kiel.

Frau Treutel, was waren Ihre jüngsten Kulturerlebnisse?

Renate Treutel: Kürzlich die Premiere des Revolutionstheaters Neunzehnachtzehn – sehr beeindruckend, nicht nur vom Thema her, sondern auch von der Art und Weise, wie mit uns Zuschauern als "Statisten" Nähe zu der damaligen Zeit hergestellt wurde. Danach habe ich die Ausstellung "Unsere Kunst – Eure Kunst" in der Stadtgalerie eröffnet. Ich sehe Kultur als überaus reizvolle Aufgabe, in die ich gerade tief eintauche. Die „Kunst“ ist nun, diesen Bereich zeitlich in das Gefüge des Dezernates einzugliedern. Inhaltlich ist das eine gute Mischung. Aber ich kann bei diesem Spektrum nicht jede Premiere oder Ausstellungseröffnung schaffen...

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Gleich zum Amtsantritt eine kleine Revolution um den Iltisbunker: Nach ausgiebigem, öffentlichem Verfahren hat das zuständige Landesamt, von einer Bürgerinitiative angestoßen, den Bunker samt Shahin Charmis Bemalung unter Denkmalschutz gestellt.

Vom Grundsatz her ist Kunst im öffentlichen Raum für mich ein spannendes Thema. Mein Vorteil ist, dass ich auf das Thema Iltisbunker sehr unverbraucht gucken kann. Da spielt die Identifikation im Stadtteil mit, genauso Emotionen, Geschmacksfragen – das finde ich alles gar nicht schlimm. Es gab einen Fahrplan – nun hat der Denkmalschutz ein Signal gegeben und neue Rahmenbedingungen gesetzt.

Fühlen Sie sich von der Denkmalpflege überrumpelt?

Nein, jenseits der kleinen Schlammschlacht auf dem Marktplatz finde ich das alles recht normal. Ich bin ja eher als besonnen bekannt, und so will ich auch hier gemeinsam eine gute Lösung entwickeln. Mittlerweile liegt uns die Stellungnahme der Landes-Denkmalpflege vor: Bunker und Bild stehen unter Denkmalschutz. Jetzt muss sich Aufregung legen, muss der Spielraum, auch mit der unteren, städtischen Denkmalpflegebehörde, geklärt werden: Was geht noch und was geht nicht? Wenn wir das wissen, werden wir wieder in den offenen Dialog gehen. Dann müssen wir als Erwachsene, das wünsche ich mir als Jugend-Dezernentin, eine gute Streitkultur vorleben und gemeinsam eine konstruktive Lösung entwickeln. Vielleicht auch mit zwei Projekten.

Sie gehen das Thema besonnen an. Fühlen Sie sich insgesamt gut gerüstet für den Bereich Kultur – mit dem Sie ja in ihrer bisherigen Karriere eher weniger zu schaffen hatten?

Ich halte mich für sehr interessiert und aufgeschlossen, habe Background genug, mich in dieses Thema einzuarbeiten und kann dabei auf viele gute Mitarbeiter zählen. Ein Viertel meiner Zeit kann ich mittelfristig der Kultur widmen, zur Zeit ist das noch viel mehr. Die Kombination in meinem Dezernat erscheint mir dabei weit schlüssiger als die bisherige mit Personal, Finanzen, Feuerwehr und Hafenamt... Berührungspunkte mit Bildung und Jugend liegen doch auf der Hand.

Was sind in nächster Zeit die großen Themen auf Ihrer Kultur-Agenda?

Es warten große, spannende Aufgaben auf uns: Ganz aktuell ist es die Konzertsaal-Sanierung und im Kontext das Nutzungskonzept für das Schloss. Die Frage nach einem Interims-Spielort muss geklärt werden. Zugleich steht auch der Sanierungsbedarf rund um das Opernhaus mit seinen vielen übers Stadtgebiet versprenkelten Werkstätten im Raum. Der Sanierungsbedarf ist unstrittig, Raumbedarf und Dringlichkeit müssen wir mit Hilfe einer externen Prozessbegleitung gründlich prüfen und einen realistischen Zeitrahmen entwickeln. Wir wollen für die Kulturarena im Innenhof der Alten Post ein Konzept entwickeln.. Bei der Volkshochschule gibt es ebenfalls Sanierungsbedarf. Das Auftragsbuch ist voll. Für Visionen ist da gar nicht mehr viel Platz. Es gilt, diese Themen voranzubringen.

Sie setzen immer wieder unüberhörbar auf Bürgerbeteiligung...

Ja, da sind uns andere Städte wie Aarhus weit voraus. Mit mehr Partizipation könnte man etwa um das Thema Kulturarena in der Kombination mit Bücherei, Stadtgalerie und Welcome-Center sicher Gutes erreichen. Da sehe ich jede Menge Potenzial. Es ist doch toll, dass es hier im Augenblick mehrere Orte gibt, die es zu entwickeln gibt. Das ist keine Last, sondern Gestaltungsspielraum! Da sehe ich auch gute Chancen, Fördermittel für Kunst und Kultur zu akquirieren, auch mit dem Land gemeinsam Ideen anzugehen.