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06:00 03.08.2017
Geschlechterk(r)ampf: Nora (Marie Neuenberger) und ihr Gatte Hans (Max Simonischek) sind sich uneinig. Quelle: Alamode
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Hannover

Der Brexit hat die möglichen Kollateralschäden direkter demokratischer Entscheidungsprozesse vor Augen geführt: Nicht jede Volkswahl geht so aus wie erwartet. Im plebiszitären Demokratiemodell der Schweiz sind solche Erscheinungen systembedingt – wie an der Geschichte des Frauenwahlrechts nachzuvollziehen ist. Noch 1959 war es von den ausschließlich männlichen Stimmberechtigten abgelehnt und dann erst durch eine Volksabstimmung 1971 eingeführt worden. Im Kanton Appenzell Innerrhoden wurde das Wahlrecht für Frauen auf kantonaler Ebene sogar erst 1990 gegen den mehrheitlichen Willen der männlichen Stimmbürger durchgesetzt. Regisseurin Petra Volpe („Traumland“) reist nun in ihrem Film „Die göttliche Ordnung“ zurück ins Jahr 1971 und damit mitten in den Geschlechterkampf.

Während über die Fernsehbildschirme die Bilder von Woodstock, Black Power, sexueller Revolution und Frauenbewegung flimmern, ist von all den gesellschaftlichen Umwälzungen in dem beschaulichen Schweizer Dorf nichts zu spüren. Nora (Marie Neuenberger) lebt mit Hans (Max Simonischek) in klassischer ehelicher Rollenverteilung: Der Schreiner bringt das Geld nach Hause, während sich die Frau um Hausarbeit und Kinderbetreuung kümmert. Als Nora sich auf einen Job im Reisebüro in der nahe gelegenen Stadt bewerben will, verweigert Hans sein Einverständnis. Die damalige Gesetzgebung sieht vor, dass der Ehemann seine Zustimmung geben muss – und was sollen die Nachbarn denken, wenn die Frau des frisch beförderten Schreinergesellen dazuverdienen geht? In der Stadt gerät Nora an einen Stand der Frauenwahlrechts-Aktivistinnen, kehrt mit einer Tasche voller Bücher zurück und beschließt, sich im Dorf für die Kampagne einzusetzen.

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Als die „Verpolitisierung der Frau“ ihren Anfang nahm

Die erste Informationsveranstaltung in der Gaststätte endet zwar im Desaster, aber immerhin tun sich einige Frauen danach zusammen und treten in den Streik. Sie schlagen ihr Lager auf dem Dachboden des Gasthofes auf, während die Männer sich zu Hause mit Spiegeleiern und Kindererziehung herumschlagen. Aber nicht nur mit den Männern müssen sich die Frauen anlegen: Die Schreinerei-Besitzerin Frau Wipf (Therese Affrolter) ist als örtliche Vorsitzende des „Aktionskomitees gegen Verpolitisierung der Frau“ ihre schärfste Gegnerin.

Der Verweis auf das historische Kuriosum der Anti-Suffragetten gehört zu den interessantesten Aspekten von „Die göttliche Ordnung“, weil sich gerade in der offensiven Unterwerfung dieser gebildeten und privilegierten Frau die patriarchale Erstarrung am deutlichsten widerspiegelt.

Insgesamt aber hat die Regisseurin ihren Film als eher harmlose Komödie angelegt, die in ihrem Handlungsaufbau überschaubar bleibt und durch einen Retro-Schleier hindurch von allen Bitterstoffen befreit zu sein scheint. Da wünscht man sich doch manchmal eine Prise jenes feministischen Sarkasmus herbei, den die britische Regisseurin Sally Potter gerade erst in „The Party“ so wunderbar zelebriert hat.

Von Martin Schwickert

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