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Kultur „Musikalisch auf einer Wellenlänge“
Nachrichten Kultur „Musikalisch auf einer Wellenlänge“
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19:31 30.03.2018
Von Konrad Bockemühl
Einhellig hochwillkommen als Nachfolger von Georg Fritzsch in der GMD-Position ab Mitte 2019 und damit als Dritter im Spitzentrio des Theater Kiel bis 2024: Benjamin Reiners, zur Zeit noch 1. Kapellmeister und Stellvertretender Generalmusikdirektor am Staatstheater Mannheim (hier am Pult bei Tschaikowskys "Jolanthe"). Quelle: NTM
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Kiel.

Tatsächlich spürt man den Elan, mit dem sich der 34-Jährige seiner neuen Aufgabe stellt. Kurz bevor er am Tag nach seiner Wahl in Mannheim Verdis „Ernani“ dirigierte, ein Austausch über erste Eindrücke, Ideen und Erwartungen.


Sie haben sich für Kiel und gegen Darmstadt entschieden, wo Sie ebenfalls im GMD-Verfahren waren.

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Ja, ich habe mich sofort und gerne für Kiel entschieden – wobei das Verfahren in Darmstadt zwar in der Endphase, aber noch nicht abgeschlossen war und ist. Es war in Kiel von Anfang an zu spüren, dass wir musikalisch dieselbe Sprache sprechen, auf einer Wellenlänge sind. Von der ersten Probe an war es ein tolles Arbeiten – genau so, wie ich es mir vorstelle.


Wie sind Ihre ersten Erfahrungen mit der Stadt?

Zuvor hatte ich Kiel nur auf der Durchreise nach Oslo erlebt, nun hatte ich rund um das Philharmonische Konzert im Januar eine Woche Zeit, auch noch gemeinsam mit meiner Frau Kieler Luft zu schnuppern. Man kann schon von einer Liebe auf den ersten Blick sprechen. Kiel ist ein lebenswerter Ort.


Ihr erster Eindruck vom Philharmonischen Orchester?

Der gute Ruf hat sich voll bestätigt. Ich übernehme von Georg Fritzsch ein bestens bestelltes Feld. Das Orchester hat stilistische Sicherheit in unterschiedlichsten Bereichen. So traumwandlerisch sicher, erinnert das mitunter an professionelle Spezialensembles. Ein sehr hohes Niveau gibt es, wie ich später beim „Maskenball“ erfahren habe, auch bei den Sängern. Kiel muss sich nicht verstecken. Und das sollten noch viel mehr Menschen erfahren – darauf will ich hinarbeiten.


Und wie steht es mit dem Konzertsaal im Schloss?

Natürlich habe ich zu diesem Sanierungsfall bei den Vertragsverhandlungen viele Fragen gestellt. Und den Eindruck gewonnen, dass allen Beteiligten bewusst ist, wie wichtig ein erstklassiger, akustisch adäquater Konzertsaal für Kiel ist und man sich dafür mit ganzer Kraft einsetzen will. Der Saal hat absoluten Charme, mit der Nähe zum Publikum. Und er klingt auch gut, selbst wenn direkt auf der Bühne die Akustik noch optimiert werden muss.

Neuen Vermittlungswegen messen Sie besondere Bedeutung bei.

Ja, ich möchte, dass die Kieler von „ihrem“ Orchester sprechen, und „ihrem“ GMD. Ich werde mich noch mehr um die Studenten bemühen und das Angebot für Kinder und Jugendliche stärker differenzieren und ausbauen. Das braucht gute Konzertpädagogen und Moderatoren. Und auch ich will auf diesem Feld aktiv mitwirken, Schwellenängste abzubauen. Die Con-Spiritu-Reihe mit Crossover-Programmen möchte ich fortsetzen, aber auch neue Kombinationen entwickeln - dass man etwa nach einem klassischen Konzert in derselben Location hinterher noch zu angesagten Beats tanzen und feiern kann. Und: Nicht jedes Konzert muss zwei Stunden dauern. Auch kürzere Formate, etwa zu Zeiten, an denen wir zugleich neue Altersgruppen ansprechen können, schweben mir vor. Und das immer mal wieder jenseits angestammter Bühnen.

Das vollständige Interview in den Kieler Nachrichten am Sonnabend, 31. März 2018.

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