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Kultur „Was für eine lebendige Weltmusik“
Nachrichten Kultur „Was für eine lebendige Weltmusik“
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11:01 24.03.2019
Von Thomas Richter
Foto: Der 14. Klesmer-Abend im Kulturforum mit den Kieler Di Chuzpenics (im Bild) und Vousy aus Prag.
Der 14. Klesmer-Abend im Kulturforum mit den Kieler Di Chuzpenics (im Bild) und Vousy aus Prag. Quelle: mwe: Manuel Weber
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Das Publikum im ausverkauften Saal erlebte ein Doppelkonzert, das in seiner Vielfalt, Energie und Authentizität einen nachhaltigen Eindruck davon gab, „was für eine lebendige Weltmusik Klezmer doch eigentlich ist“, wie es Christine v. Bülow von den Chuzpenics formulierte.

Ihre Band bestritt dann auch die erste Hälfte des Abends und legte die Messlatte reichlich hoch. Und in diesem Satz liegt schon der erste Fehler, wenn es um die Auseinandersetzung mit Klezmer geht.

Ohne Chuzpe läuft hier gar nichts

Denn diese Musik ist zuallererst eine Herzensangelegenheit, welche bekanntermaßen ja schwierig zu kategorisieren ist. Die Lieder entstammen unterschiedlichen jüdischen Volksmusik-Traditionen, die Texte sind oft nur mündlich überliefert. Es werden Fabeln erzählt und rührende Liebesgeschichten. Das Leben in Armut und Vertreibung wird ebenso besungen wie der jüdische Alltag. Vor allem aber begleitet die Musik die jüdischen Feste. Wehmut und Melancholie wechseln so häufig wie Übermut und Lebenslust. Wobei der Schalk im Nacken der Musiker eine tragende Rolle spielt, denn ohne Chuzpe läuft hier gar nichts. 

Lieder, Tänze und ganz viel Seele

Im Sinne ihres Mottos „Klezmer-Musik lebt da, wo Menschen sind - im alten jüdischen Zentrum Krakau ebenso wie im Waschsalon nebenan“, begeisterten Di Chuzpenics in der Besetzung Martin W. Luth (Gesang), Martin Quetsche (Akkordeon), Jule Schwarz (Geige) und Christine v. Bülow (Oboe, Gesang) mit schwungvollen Tänzen, perlenden Instrumentalstücken, denen man die orientalische Harmonik durchaus anhört, und traditionellen Liedern.

Mit dem Lied über die „Neschome“ (jiddisch für Seele) spielte die Kieler Combo – eine Besonderheit der Formation – auch einen in jiddischer Sprache selbst komponierten Song. Nun weiß der Hörer, „die Seele ist eigentlich kaum größer als ein Eichhörnchen“.

„Vousy“ mit Bart und starkem Groove.

Nach der Pause gehörte die Bühne den Gästen aus Prag.  Vousy, was soviel heißt wie Bart, (die beiden Herren des gemischten Quartetts tragen Gesichtsbehaarung) baten mit Geige und Akkordeon, Kontrabass und einem sehr prominenten Zymbal, das der Band einen rhythmisch stark akzentuierten Groove verleiht, zum Tanz.

Mit viel Leidenschaft und hoher Intensität schwoften sich die Musiker  durch ein Programm, das die jüdische Musik in all ihren Formen abbildet. Alter Klezmer und romanisch-jüdischer Csárdás, Volkslieder und Tänze russischer, ukrainischer und polnischer Juden. Die Musik flirrt, sie feiert, sie stampft, sie jauchzt, sie schwelgt und zuweilen swingt sie sogar ein wenig.

Nicht nur weil die Band keine rechte Antwort auf die Frage aus dem Publikum hatte, warum sie denn jetzt zum Schluss kommen wolle, gab's bis zum Finale Zugabe um Zugabe.

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