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Kultur Klotzen im Wunderland: Gigantische Kunstausstellung „Nord Art“ beginnt
Nachrichten Kultur Klotzen im Wunderland: Gigantische Kunstausstellung „Nord Art“ beginnt
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19:02 11.06.2009
Rendsburg

Ein Besuch der Nord Art bedeutet: Kunst, so weit das Auge reicht und die Füße tragen. „Man braucht ungefähr zwei Tage, um alles wirklich gesehen zu haben“, sagt Wolfgang Gramm und in den berechtigten Stolz mischt sich ein Hauch von Erschöpfung. Der Mann hat eine arbeitsreiche Zeit hinter sich. Als Mitglied der siebenköpfigen Jury musste der Initiator und Regisseur der Mega-Schau im Vorwege der aufwendigen Organisation über 1000 Bewerbungen sichten. 94 deutsche Künstler haben es in die Nord Art 2009 geschafft, darunter 21 aus Schleswig-Holstein. Ost-Europa ist mit 37 Teilnehmern aus sechs Ländern vertreten, ein weiterer Schwerpunkt ist China (18 Künstler).

Jetzt steht die Schau und sie ist wirklich groß. Auch die Formate der meisten Exponate sind es - das bringt die riesige Ausstellungsfläche so mit sich, die wie kaum ein anderer Ort dazu einlädt, zu klotzen statt zu kleckern. Außer in der überschaubaren Wagenremise, in der chilenische und deutsche Kunst im Dialog präsentiert wird, konnten in den alten Industriehallen jede Menge Wände eingezogen und separate Boxen geschaffen werden, in denen einzelne Werke für sich wirken dürfen. Wie etwa die sehenswerte Arbeit von Jeongmoon Choi: In einen abgedunkelten Kubus hat die Koreanerin ein filigran flirrendes Raster aus neonbunten Fäden eingezogen, das durch Schwarzlicht zum Leuchten gebracht wird.

Im hellen Tageslicht der Halle sieht der Besucher sich mit Kunst aus aller Herren Länder konfrontiert. Viel gegenständliche Malerei ist dabei: Mao-Kritisches und Zeitgeistiges aus China, Witziges aus Deutschland, Düsteres aus Russland. Dazwischen buhlen Großplastiken um die Publikumsgunst - eine geometrische Bronze von Jörg Plickat etwa, eine schillernde Riesenameise von Chen Zhiguang und ein gigantischer Edelstahlkopf im Jeff-Koons-Stil, ebenfalls Made in China. „Wir haben die Exponate ganz bewusst gemischt“, sagt Wolfgang Gramm. Er hätte es langweilig gefunden, die Kunstwerke nach Ländern zu gruppieren, schließlich sei man ja nicht die Biennale von Venedig, „dafür sind wir noch zu klein.“

Und so darf der staunende Besucher sich beim konzeptuell verzweifelt offen gehaltenen Rundgang ein wenig fühlen wie Alice im Wunderland. Der Ausstellungskatalog, so dick wie das Kieler Telefonbuch, folgt einer alphabetischen Ordnung und gibt ein wenig Orientierungshilfe beim Weg durch das Dickicht aktueller künstlerischer Positionen. Und der lohnt sich allemal. Einen begehbaren Bunker in den offenen Fundamenten der Halle gibt es zu besichtigen. Die Russin Anya Zholud, eben erst von der Biennale angereist, unternimmt hier eine bedrückende Zeitreise in die Geschichte der Carlshütte. Nebenan haben zwei Bildhauer aus Bayern eine saftig grüne Wiese unterm Hallendach angelegt, auf der kümmerliche Eisenkarren mit diversen Bronzeobjekten an das bäuerliche Leben unserer Vorfahren erinnern. Lebensechte Skulpturengruppen täuschen statische Menschenansammlungen vor, Fotografien erzählen von Ländern und Städten, Videos entwerfen surreale Traumwelten. Auch für den Spieltrieb von Groß und Klein ist auf der Nord Art `09 etwas dabei - in Gestalt von imposanten kinetischen Objekten, gebaut aus allerlei Schrott. Auf Pedaldruck kommt Leben in die Phantasiemaschinen: Wasser blubbert, Zahnräder drehen sich, Glühbirnen flackern. Wunderland eben.

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