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19:47 24.06.2009
Kiel

Zunächst sind da ganz kleine Bewegungen, ein bisschen matt, so als müssten sie erstmal in Gang kommen, die fünf Tänzer mit den roten Clownsnasen. Aber dann legen sie los, erst Stefan Späti mit ausgreifendem Schritt, dann Ayumi Sagawa mit fliegenden Sprüngen. Tenald Zace und Isis Calil de Albuquerque geben ein clowneskes Pärchen, Tina Gaitzsch die resolute Einzelgängerin. Sie drängeln und schubsen, verclustern und posieren. Eine komisch-verspielte Konkurrenz der Selbstdarsteller.

Mit Tina Slabons Choreografie

Gesichtspunkte, entstanden im vergangenen Jahr für die bisher im Schauspielhaus angesiedelte Reihe

DansArt, eröffnen die Gastgeber die Gala. Und machen gleich klar, dass sie an diesem Abend diejenigen sind, die für Show und Drive sorgen werden. Von den Gästen gibt es diesmal ausschließlich Miniaturen zu sehen. Das könnte man bedauern, wären die Soli und Pas de Deux nicht allesamt so einprägsam in ihrer Bildlichkeit, so exquisit in ihrer technischen Qualität. Neoklassisch duftig entfalten Izabella Milewska und Jan-Erik Wikström den Pas de Deux aus Krzysztof Pastors Ballettbearbeitung von

Tristan und Isolde, 2006 uraufgeführt in Stockholm und bei der Übernahme in Warschau gerade erneut enthusiastisch gefeiert. Als eindrucksvolle Selbsterkundung erscheint später das Solo von Uwe Scholz,

Piano Rag Tango (1984): Giovanni di Palma, Solist am Leipziger Ballett, tanzt sich da durch viele Gefühlslagen: Expressiv bis cool, lässig bis manieriert. Und schließlich als mutwillig Füße scharrender Torrero: ein trotziger Kämpfer mitten im Leben.

Noch größer ist der Sog bei einem anderen Solo. George Austen Oliveira vom Ballett Monte Carlo dehnt den Körper in den Raum hinein, spannt ihn zwischen ausgestrecktem Bein und gereckter Hand, bevor er wieder in sich selbst verpuppt. Eine Übung in Konzentration, irgendwo zwischen sich reckender Sehnsucht und Innerlichkeit, zu Mike Hazelwoods Instrumental-Version des Albert-Hammond-Klassikers

All I need is the air that I breathe. Wie gut, dass der Brasilianer im zweiten Teil noch einmal zu sehen ist. Diesmal im Pas de Deux

Noon von Eugenio Scigliano. Figuren, wie einem antiken Fries entlehnt, die sich zu Erica Serras suggestivem Soundtrack zu Leon der Profi wie griechische Olympioniken dynamisch umkreisen und auschecken.

Und was wäre das Ganze ohne die launige, sämtliche nah und fern liegenden Kalauer aufgreifende Moderation von Wolfgang Haendeler, ehemals Dramaturg an der Kieler Oper? Haendeler findet passende Übergänge und abstruse Zusammenhänge. Und plötzlich passt der behutsame Zähmungsakt in Mario Radacovskys (Ballett Bratislava)

Schwanensee-Interpretation perfekt zum nachfolgenden Männer-Pas de Deux vom Essener aalto ballett. Das Thema Domestizierung greifen die Tänzer, von denen Emil Bruland in der kommenden Spielzeit nach Kiel wechselt, in fließender Dynamik auf.

Einen Sonderauftritt gab es für die beiden Kieler Tänzer Tina Slabon und Oliver Preiß: Sie erhielten den leicht aufgestockten und geteilten Förderpreis der Theaterfreunde. Um sich gleich darauf wieder unter die Kollegen vom Kieler Ballett zu mischen. Die treiben mit Dynamik und Akkuratesse durch

Shift, gockeln sich schön sophisticated durch die Auszüge aus

Rooster, dem Klassiker von Christopher Bruce, und verbreiten ein wenig Melancholie mit dem rasanten, leicht überkandidelten Männer-Trio, das Silvana Schröder mit den drei nunmehr scheidenden Tänzern Jordan Melville, José Martinez-Grau und Sebastian Wagner für

DansArt choreografiert hat.

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