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Kultur Lieber Pappe oder Königskitsch?
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18:31 27.09.2019
Von Ruth Bender
Wen hat sie denn nun mehr geliebt? Carolin (Rafaela Schwarzer) und Sonja (Anke Pfletschinger) im Clinch. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Bier oder Whisky, Sommerbaden oder nicht, Pappurne mit Eicheldekor oder die federumflorte Königsversion? Die beiden einander bis eben noch gänzlich unbekannten Damen haben widersprüchliche Vorstellungen, was die Zuschreibungen für eine gewisse „Margot“ und ihr Leben angeht: „O Gott“. Die von Bühne und Theater bekannte Diva soll hier eigentlich begraben werden – aber von letzter Ruhe kann keine Rede sein in der Komödie Whiskey & Sugar, mit dem die Komödianten in die neue Saison starten.

Die Tochter und die beste Freundin

So beginnt ein schwarzhumoriger Schlagabtausch, der die Zuverlässigkeit der Erinnerung in Frage stellt, vor allem aber an der Gewissheit der Identitäten kratzt. Während Tochter Carolin das traurige Bild einer abwesenden Mutter malt, umkränzt Sonja, angeblich die „engste Vertraute“ Margots, deren Starleben mit allerlei Anekdoten und verbalem Glitzer. Und schon ist er in vollem Gange, der Konkurrenzkampf um die innigste Beziehung zu der Verstorbenen.

Zwischen Gießkanne und Grabstelle

Christian Lugerth, zuverlässige Regiegröße bei den Komödianten, bringt den Zickenkrieg sehr zLieber Pappe oder Königskitsch?ivilisiert, aber mit Tempo über die Bühne, lässt die Stimmung zum hörbaren Vergnügen des Publikums, darunter auch Autorin Marion Elskis, zwischen Gießkanne und Holzkreuz (Bühne: Bruno Giurini/Haiko Schöttke) schwanken – von frostig über schwesterlich bis aufgeheizt. Und er hat Spaß daran, mit den Schauspielerinnen Rafaela Schwarzer und Anke Pfletschinger die Situationskomik auszuspielen. Da wird nicht viel gelauert oder umkreist – die Frauen stehen sich am liebsten frontal wie Kampfhähne gegenüber, knallen sich die Bosheiten ohne Umwege, dafür mit vorwurfsvoll bis bedrohlich bohrendem Zeigefinger um die Ohren. Loriots kleinkarierter Badewannenkrieg mit Dr. Klöbner und Herrn Müller-Lüdenscheid fällt einem dazu ein.

Pathos trifft Pragmatikerin

Die Inszenierung lässt den Schauspielerinnen Raum, und Anke Pfletschinger nutzt ihn als biestiges, raumgreifendes Kuckucksei im fremden Nest. Ihre Sonja kann Pathos, Tiefschlag und Tirade. Sie in Kleid und Perücke der Toten in den Fußstapfen der Diva, trampelt übergriffig durch das Porzellan von Carolins Befindlichkeit und lässt durch die nervige Aufgekratztheit immer noch eine Spur Verletztlichkeit schimmern.

Daneben hat es Rafaela Schwarzer nicht ganz leicht; was auch der Rolle zuzuschreiben ist. Ihre Carolin ist eher Spiegelfläche für Sonja – und die zupackende, dabei etwas achtlose Pragmatikerin, die der Mutter nicht nur den kompostierbaren Pappsarg bestellt, sondern auch unsentimental deren Plüschtiersammlung entsorgt und ihr die angebrannten Gedenkkerzen aus dem von ihr geleiteten Altersheim ans Grab stellt.

Identitätsfragen und Krisenlagen

So wogt der Streit um die Deutungsmacht mit großem Wiedererkennungswert von der Tochter, die ihre von mütterlicher Abwesenheit geprägte Kindheit ins Feld führt, zu der Freundin oder Geliebten, die die Lücken in ihrer biografischen Kenntnis mit Leidenschaft wettmacht. Und zwischendurch raufen sich beide bei Whiskey und Zucker oder beim Spiel im Spiel, wenn sie Margots Erfolgsserie nachstellen, auch mal zusammen. Verlorene Töchter, alle beide.

Dass sich das Stück irgendwann auch im Kreis dreht, weil die Grundkonstellation die Krisenlagen und Identitätsfragen eher anreißt als tieftaucht, lässt sich verschmerzen. Spaß macht das kurzweilige Geplänkel zwischen Rechthaberei und Nachgeben trotzdem. Und wenn Sonja am Ende dubios mit der Urne herumhantiert, könnte alles direkt wieder von vorne losgehen: „O Gott ...“

28. September, 20 Uhr. Bis 23. November jeweils Do, Fr, Sa. Karten: Tel. 0431/553401, www.komoediantentheater.de

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