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Kultur Libidinöses Elfmeterschießen
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11:54 12.01.2019
Von Thomas Richter
Christian Fricke (v.l.) und Harry Tobinski-Ahrens im Stück "Fründschaftsspill" an der Niederdeutschne Bühne Kiel. Quelle: Imke Noack
Kiel

Fußball ist unser Leben. Der Kult-Song unserer trällernden Balljungs, die 1974 Weltmeister im eigenen Land wurden, ertönt zwischen den Akten der turbulenten Komödie Fründschaftsspill von Stefan Vögel (nddt. Heino Bauerhoop), die am Freitag an der Niederdeutschen Bühne Kiel erfolgreich Premiere feierte.  

Strategiewechsel und unsauberes Spiel

In dem Gassenhauer heißt es: „Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt.“ Tatsächlich gibt sich Ausstatter Rainer Kühn alle Mühe, den Wohnzimmern der Protagonisten als Handlungsort die Anmutung einer grünen Spielstätte zu geben. Die Figuren betreten das Feld durch eine Tür in einem Fußballtor, das wiederum vor einem riesigen Prospekt mit der Abbildung einer Stadiontribüne steht. Klar, hier trennt sich Außenwelt und Innenwelt. Draußen rollt der Ball, drinnen spielen die Hormone. Strategiewechsel und unsauberes Spiel gibt es hier wie da. Aber das war's dann auch schon mit der Fußballanalogie. Denn die emotionale Berg- und Talfahrt in die Regisseur  Manfred Kaack sein absolut sehenswertes Personal stürzt, ist rein zwischenmenschlich, könnte überall, in jedem Milieu und an jedem Ort auf der Welt passieren. König Fußball regiert hier nicht, er ist eher das Rahmenprogramm, vielleicht die Projektionsfläche. 

Liebe, Lust und Laster statt Blut, Schweiß und Tränen

Leon (Harry Tobinski-Ahrens), Bernd (Harald Fiedler) und Robbi (Christian Fricke) sind beste Freunde, große Fußball-Fans und schnippische Rivalen, wenn es um die unterschiedlichen Vereine geht, denen sie ewige Treue geschworen haben. Womit wir auch schon beim Stichwort wären. Denn nach dem Abpfiff steht statt Blut, Schweiß und Tränen eher Liebe, Lust und Laster auf dem Programm. Um  endlich Nachwuchs zu bekommen üben sich Leon und seine Frau Romy ( Manuela Reimers) fleißig im libidinösen Elfmeterschießen, ohne Erfolg. Zudem geht Leon auch noch fremd. Und zwar mit der Freundin von Werder-Fan Robbie. Keine gute Konstellation.  Zur Farce wird das Ganze als Babs, Bernds Frau und zweifache Mutter (Sabine Alipour), ihrer Freundin Romy den Rat gibt, in Sachen Kinderkriegen künstlich nachzuhelfen. Und sich diese dann zwecks Samenspende ausgerechnet an Bernd selber wendet, der auch einwilligt. Romy ist nun schwanger, während Leon während seiner außerehelichen Eskapaden erfährt, dass er zeugungsunfähig ist. Schnell begreift er, dass das Kind seiner Frau nicht von ihm sein kann. Aber gleich von seinem besten Freund?

Lustige Gags und Finten

Spielverlagerung und vertikale Pässe gibt es in dieser umkämpften Partie also zuhauf. Wirkt die Auflösung, bei der dann komödiengerecht doch wieder alles gut wird, auch etwas bemüht, ist das Stück des Autors, Kabarettisten und Schauspielers Vögel prima gebaut und überrascht mit lustigen Finten und Gags. So schnurrt der Abend auf sehr unterhaltsame Weise über die Bühne, ist temporeich inszeniert und glänzt mit tollen Darstellern. Dafür gab's donnernden Applaus.

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