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10:41 03.10.2018
Von Kai-Peter Boysen
Foto: Tarja Turunen, die seit ihrer Zeit als Sängerin von Nightwish kulthaft verehrt wird, ist am Dienstag mit ihrer Band in Kiel aufgetreten.
Tarja Turunen, die seit ihrer Zeit als Sängerin von Nightwish kulthaft verehrt wird, ist am Dienstag mit ihrer Band in Kiel aufgetreten. Quelle: Michael Kaniecki
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Kiel

Knapp 400 Fans harter Klänge ließen sich am Dienstagabend im Kieler Max von der „Nordic Symphony“ begeistern. Im Doppelpack zeigten die finnischen Bands Stratovarius und Tarja, wie man Heavy Metal und Klassik spannend verknüpfen kann.

Der erste Eindruck

Später am Abend ist noch Party, daher stehen Stratovarius bereits um 19.15 Uhr auf der Bühne und ihr Sound muss sich erstmal differenzieren; der Wums von Bass und Bassdrum fehlt noch, dafür ist Sänger Timo Kotipelto im Opener „Eagleheart“ gleich präsent. Tarja Turunen wiederum, die seit ihrer Zeit als Sängerin von Nightwish kulthaft verehrt wird, betritt mit ernster Miene die Bühne, winkt dann aber wie ein glückliches Mädchen, als sie merkt, wie viel Sympathie ihr entgegenkommt, ohne dass sie einen Ton gesungen hat.

Die Musik

Stratovarius spielen Powermetal mit klassischen Elementen wie dem Cembalosound am Keyboard wie in „Black Diamond“ und gelegentliche barocke Harmonien von Keyboard, Gitarre und Bass. Timo Kotipelto glänzt besonders in Powerballaden wie „4000 Rainy Nights“ oder „Forever“. Mit „Oblivion“ ist auch ein Song vom brandneuen Album „Enigma: Intermission 2“ dabei.

Tarja und ihre großartige Band sind im Sound abwechslungsreicher: Der Opener „Demons In You“ beginnt mit funky Jazzgitarre, „500 Letters“ ist ein ohrwurmtauglicher Stampfrocker, „Deliverance“ rockt in Nu-Metal-Gefilden, die „Diva“ gebärdet sich im Dreivierteltakt und Krönchen auf dem Haupt und „Victims Of Ritual“ gemahnt gar an Ravels „Bolero“. Sehr stark, wie Tarja Turunen mit ihrer Sopranstimme die Lagen wechselt wie keine Zweite und sich so wohltuend von bisweilen allzu opernhaft trällernden Mitbewerberinnen abhebt.

Das Publikum

Hat im Schnitt schon ein paar Jahrzehntchen auf dem Buckel, von Kutte bis Karohemd ist alles vertreten. Gute Stimmung während der gesamten „Nordic Symphony“, die Pommesgabeln werden gereckt und alle lassen sich von Stratovarius und besonders Tarja zum Mitsingen animieren. „I feel very blessed, thank you!“ schickt die finnische Ausnahmekönnerin in den Saal.

Was in Erinnerung bleibt

Das Bass-Solo von Stratovarius‘ Lauri Polla kommt ganz ohne Slapping aus und groovt trotzdem massiv zwischen Deep Purple und Metallica.

Fazit

Beide Bands haben im Norden eine stabile Fanbase, die ihnen die Treue hält, auch wenn beide Bands in diesem Jahr schon diverse Festivals gespielt haben.