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Kultur Puhdys nehmen in Kiel Abschied
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13:52 14.11.2015
Von Kai-Peter Boysen
Die Puhdys sind auf Abschiedstournee, und so standen, tanzten und klatschten die Fans in der ausverkauften Halle 400. Quelle: Björn Schaller
Kiel

„Wir haben uns hier so Folklore-Gitarren umgehängt“, umschreibt Sänger und Gitarrist Dieter „Maschine“ Birr das Konzept, die Bandkarriere akustisch ausklingen zu lassen. Doch Drummer Klaus Scharfschwerdt lässt, trotz Schallschutzes durch eine Plexiglaswand, durch sein rockblütiges Spiel gar nicht erst zu viel Gemütlichkeit aufkommen.

„Was bleibt (sind Freunde im Leben)“ und „An den Ufern der Nacht“, die ersten beiden Songs, verbreiten im Midtempo und balladesk erste Wehmut. Seit 46 Jahren stehen die Puhdys auf der Bühne und haben nach ihren Erfolgen in der DDR auch im Westen treue Fans gefunden. „Den nächsten Song haben wir 1977 geschrieben, da waren viel von euch noch gar nicht geboren“ kündigt Maschine Birr den Titel „Perlenfischer“ an, wohl wissend, dass das Publikum darauf mit Protest reagiert. Die meisten waren da sicher schon im plattenkauffähigen Alter.

Es scheint, als tue sich die Band schwer mit dem Loslassen: Birr wünscht sich „Mein zweites Leben“ und verabredet sich mit dem Publikum zum Konzert in 100 Jahren.

„Es war schön“ ist jedoch erstmal das Motto der Tour – der gleichnamige Song setzt sich, bisweilen selbstironisch, mit dem Schaffen der Band auseinander, während „Abenteuer“ von 2009 ein musikalisches Dankeschön an die Fans ist.

Für „Die Welt ist ein Wunder“ übernimmt erstmals Gitarrist Dieter Hertrampf den Gesang, ebenso bei der Ballade „Hiroshima“. Hertrampf zählte wie Keyboarder Peter Meyer 1965 zu den Gründungsmitgliedern der Puhdys. 1969 stieß Maschine Birr dazu, seit 1997 zupft Peter „Bimbo“ Rasym den Bass. Das macht er, wie seine Bandkollegen, nicht nur mit der bestechenden Lässigkeit alter Hasen, sondern auch mit virtuoser Klasse.

Fans verewigen sich

In der Pause nutzen viele Fans die Gelegenheit, sich auf dem Banner am Bühnenrand zu verewigen: „Liebe Puhdys, vielen Dank für die Musik meines Lebens“ ist darauf zu lesen.

Tolles Licht, guter Sound und Songs zwischen Uptempo und Ballade auch im zweiten Teil des Konzerts. Immer wieder kommen Fans nach vorne, feiern ihren persönlichen Lieblingssong oder posieren für ein Erinnerungsfoto vor der Bühne.

Hatte man vorher noch gelegentlich wieder auf dem Stuhl Platz genommen, bleiben jetzt alle stehen, denn die Hitdichte ist zu hoch: „Geh zu ihr“, „Wenn ein Mensch lebt“, „Lebenszeit“, „Alt wie ein Baum“ und „Rockerrente“, da hält es keinen auf seinem Platz. Insbesondere „Lebenszeit“ ist ein wunderschöner Song mit fließendem Takt, harmonischer Gesangsmelodie und einer Transposition im zweiten Teil; all dem setzt Peter Meyer mit ein paar schmachtenden Keyboardtönen die Krone auf.

Der letzte Song des Konzerts ist „Das Buch“, erstmals von den Puhdys 1984 auf dem „Rockfestival für Frieden“ im Berliner Palast der Republik gespielt. Man fragt sich kurz, ob der eher düstere Titel so gut ans Ende passt, auch wenn die leicht ins Kitschige driftende Schlusszeile: „sie (die Erde, Anm. d. Verf.) soll Heimat ohne Ängste sein für die Liebe und Geborgenheit“ positiv formuliert ist. Doch als nach Konzertende allmählich die Neuigkeiten des Abends durchs Smartphone sickern, war es dann leider doch genau richtig so.

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