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Kultur Miu in Kiel: Oldschool aber staubfrei
Nachrichten Kultur Miu in Kiel: Oldschool aber staubfrei
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13:51 21.09.2019
Von Thomas Richter
Die Hamburger Sängerin und Songwriterin Miu singt im Kulturforum in Kiel. Quelle: Michael Kaniecki
Kiel

Die Hamburgerin, die eigentlich Nina Graf heißt, beginnt aber mit der perlenden Midtempo-Nummer „Dancing In A Minefield“ aus einem früheren Album. Der Opener ist sicher nicht zufällig gewählt, scheint er doch so etwas wie die künstlerische Denk- und Lebensweise der Frau mit der prägnanten Soulstimme zu repräsentieren.

Denn ihr Weg, bei dem ihr die Musikindustrie „soviel Steine in den Weg gelegt“ habe, war nicht ohne künstlerisches Risiko und doch so romanhaft schön wie es sich für eine anständige Musikerkarriere gehört.

Vom „Bitter End“ an die Elphie

Ohne einen echten Plan fliegt die junge Frau nach New York und spielt mal eben so im  „The Bitter End“, jenem weltberühmten  Live-Club, dessen Open Mic-Folkabende seit Beginn der 1960er Jahre legendär sind. Nur wenige Jahre später gibt sie im November 2016 mit Band das erste elektrisch verstärkte Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie noch vor der offiziellen Eröffnung. Es folgen unzählige Auftritte in Clubs, Konzertsälen und auf Festivals, auch auf der Kieler Woche.  

Ihre Platten produziert sie unabhängig, will frei sein von den großen Labels und deren erbarmungslosen Marktorientierung. Sie vertraut auf ihr Publikum. „Wenn ihr mal Langeweile habt“, schmunzelt sie während des Gigs im Kulturforum, „dann ruft doch mal beim Radiosender an und wünscht euch was von Miu. Oder bestellt meine Platten, die gibt’s überall...“

Irgendwo zwischen „Motown“, „Stax“ und „Brill Building“

Sollte man wirklich machen. Denn Mius Musik ist wunderbar Oldschool, ohne zu nostalgisch zu klingen oder sich im Staub pophistorischer Patina zu suhlen. Es schimmert immer der Hauch der Moderne, des hier und jetzt durch den treibenden Sound irgendwo zwischen „Motown“, „Stax“ und „Brill Building“. Gerne wird ihre Stimme mit der von Amy Winehouse verglichen.

Allerdings strahlt Miu nicht das gleiche Maß an Zynismus oder Abgründigkeit aus. Ihr Gesang wirkt offener, ihr Timbre frischer und, ja, jünger als das Organ des viel zu früh verstorbenen, unerreichten Ausnahmetalents.  Auf Platte schmückt Miu die Arrangement gerne genregerecht mit Bläsern und Streichern. Live hingegen lässt sie sich von einer famosen, sehr authentisch klingenden Band begleiten, die mit irrem Drive, großer Dichte und enormen Swing zu Werke geht.

Songs, die ins Tanzbein gehen

Ideen und relevante Themen hat die charmante Künstlerin genug, ist der neue Tonträger doch gleich ein Doppelalbum. „It's A Trap“ über das Erwachsenwerden klingt sehr nach einer Komposition von Carol King  und funktioniert perfekt. Die groovig-ansteckende Soul-Praline „Easy“ handelt davon, dass wirklich nichts im Leben so einfach ist wie es scheint. 

In der Piano-Ballade „Be The Bigger Person“ singt Miu solo von der zweifelhaften Sinnhaftigkeit menschlicher Größe. „Risin' High“ oder „Up And Down“ sind echte Partysongs, die auch für die Tanzbeine einiger Zuhörer nicht ohne Wirkung blieben.    

Mit schweren Themen hat Josua Rösing Erfahrung. Sein Kieler Debüt gab er 2018 mit dem Flüchtlingsdrama "Occident Express" im Studio des Schauspielhauses. Jetzt bringt er "Amsterdam" auf die Bühne, eine Geschichte von Shoah und jüdischer Identität.

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