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Kultur Korrekter lachen mit Bastian Sick
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12:33 07.11.2019
Von Beate Jänicke
Bastian Sick war am Mittwoch im Kieler Kulturforum. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Eigentlich tragen seine ehemaligen Kollegen bei Spiegel-online durchaus eine Mitschuld daran, dass aus Bastian Sick ein professioneller Besserwisser wurde. Als Schlussredakteur las er deren Texte Korrektur und schickte ihnen gerne mal ironisch zugespitzte Mails mit passenden Verbesserungsvorschlägen. So lange, bis die Chefredaktion ihm eine eigene Kolumne antrug, den "Zwiebelfisch". Das Rest ist bekannt. In den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten veröffentlichte Sick ganz 14 Bücher, darunter das beliebte "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" - inzwischen Band eins bis sechs - das er in Soloprogrammen auch äußerst erfolgreich auf die Bühne brachte. Mit seinem neuesten Werk "Wie gut ist ihr Deutsch 2" gastierte Sick jetzt im nahezu ausverkauften Kulturforum.

Bastian Sick berichtet vom "Herren-Axel-Shirt" und "Tischirt"

Wenn er auch früher noch größere Säle füllte, ist die Resonanz für die doch immer ähnliche Bühnenshow noch beachtlich und das Publikum äußerst gemischt. Alle Altersstufen - vom Grundschüler mit begleitenden Großeltern über Leute in den Zwanzigern bis zur mittleren Generation - sind vertreten zur freiwilligen Doppelstunde Deutsch in Kiel, die Bastian Sick mit genüsslich spöttischem Nachdruck zelebriert, wenn es um das Fehlerwesen geht. Der Mensch ist eben gerne schadenfreudig. Und so sind die, natürlich äußerst witzigen, Fundstücke, die er etwa als Schnappschüsse mittels Beamer an die Bühnenrückwand projiziert, auch wieder der Part des Abends, der am besten ankommt. Haltloses Lachen über skurrile Verschreiber. Aber wie soll man sich auch nicht amüsieren über ein auf dem Grabbeltisch angepriesenes "Herren-Axel-Shirt". Noch getoppt vom im nächsten Laden angebotenen "Tischirt" für die Dame.     

Was ist ein "Eierschalensollbruchstellenverursacher"?

Schön auch die Beispiele des Unwesens, den eigentlich benötigten Genitiv durch ein "von" zu ersetzen. Woraus sich Zeitungsschlagzeilen dieser Art ergeben: "Kritiker von Putin erschossen." Er nenne ihn deshalb auch den "Vonotiv", den fünften Fall, stichelt Bastian Sick mit Besitzerstolz. Doch nur über andere zu lachen, ist denn auch zu simpel, darum brachte Sick schon 2011 ein Buch mit Quizfragen für die Leser heraus, um ihren eigenen Wissenstand zu testen – und gegebenenfalls zu erweitern. Mit dem aktuellen Buch legt er in Sachen Quiz nun nach: 200 neue Fragen rund um Rechtschreibung und Grammatik, aber auch um Redewendungen und Sprachgeschichte.

Lesen Sie auch: Sind Sie der Retter des Genitivs? 

So tippen viele im Saal des Kulturforums in Kiel zwar richtigerweise per Handzeichen darauf, dass das Wort Stegreif nicht mit "h" geschrieben wird. Aber dass es sich aus Steg und Reif zusammen setzt und ein altes Wort für den Steigbügel ist, ist weniger geläufig. Der Bote, der dringende Nachrichten überbrachte, tat das vom Pferd herab, also quasi aus den Steigbügeln. Solche Geschichten sind interessant und auch kurzweilig. Manche Querschläger Richtung "Genderisierung" der Sprache oder über die Duden-Redaktion, die missliebige Neuerungen einfach übernähme, klingen dagegen ordentlich altbacken.

Die Begeisterung für die Vielfältigkeit der Ausdrucksmöglichkeiten in der deutschen Sprache wiederum nimmt man Bastian Sick nach wie vor tadellos ab. Und er hat ja recht. Denn in welcher anderen Sprache kann man schon so üppige Wortzusammenrottungen wie "Eierschalensollbruchstellenverursacher" bilden?

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