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Kultur Konzert des Weltstars hallt nach
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00:38 18.07.2014
Von Lutz Timm
Foto: Elton John spielte mit seiner Band in der Sparkassen-Arena groß auf. Show und Songauswahl stimmten – nur die Lautstärke stieß manchem Besucher übel auf.
Elton John spielte mit seiner Band in der Sparkassen-Arena groß auf. Show und Songauswahl stimmten – nur die Lautstärke stieß manchem Besucher übel auf. Quelle: Axel Nickolaus
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Ob „Your Song“, „Circle of Life“ oder „Don’t let the sun go down on me“ – Brigitte Wrobel ist die Lust an den Liedern des englischen Sängers gründlich vergangen. „Die Lautstärke ging absolut über jeden Grenzwert hinaus. Das waren Einstellungen für ein Open-Air-Festival“, schimpft sie. Wrobel und ihr Sohn gehörten zu den Besuchern des Konzerts, die vorzeitig gegangen waren, weil es ihnen zu laut war. „Wir hatten Kopfschmerzen, mein Sohn war ganz grün im Gesicht – das war kein Spaß, das war Körperverletzung.“ Vor der Sparkassen-Arena habe sie sich daher mit rund 30 anderen enttäuschten Konzertbesuchern zusammengetan und eine Unterschriftensammlung erstellt. „Wir wollen unser Eintrittsgeld von über 200 Euro zurückhaben. Zum einen für den erlittenen Schaden, zum anderen für die Enttäuschung.“ Klar sei für die 67-Jährige, dass etwas passieren müsse. Die Liste will sie jetzt an die Veranstalter schicken.

 Doch so einfach scheint es nicht zu werden. Bettina Brinker, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim SHMF, erklärt gegenüber unserer Zeitung: „Wir hatten weder vor noch während des Konzerts Einfluss auf die Tontechnik. Elton John arbeitet mit seinen eigenen Leuten zusammen.“ Als es zu ersten Beschwerden kam, habe man aber sofort versucht, Einfluss auf die Regie zu nehmen. Offenbar mit Erfolg, nach einer halben Stunde sei die Lautstärke geringer, die Akustik richtig eingestellt gewesen – wenn auch auf hohem Niveau. Konzertniveau, sagen die einen, „etwas für Walkman-Geschädigte“, finden andere.

 „Die Techniker von Elton John haben es abgewogen und die Lautstärke für richtig befunden“, erklärt Brinker. „Zudem haben wir überwiegend positive Rückmeldungen erhalten, in denen besonders das Rockige gelobt wurde.“ Rückerstattungen von Eintrittsgeld der 67 bis 127 Euro teuren Karten werde es nicht geben.

 Wie laut der zum Ritter geschlagene Sänger tatsächlich spielte, ist nicht mehr nachzuvollziehen, Lärmmessungen gab es nicht. „Konzerte erreichen im Durchschnitt über 100 Dezibel. Aber man kann nicht pauschal sagen, ob der Lärmpegel gesundheitliche Folgen hat. Da sind die individuellen Eigenschaften der Menschen zu unterschiedlich“, erklärt der Leitende Oberarzt der HNO-Klinik am Uniklinikum, Dr. Markus Hoffmann. „Aber egal, ob Popkonzert oder Klassik, man muss damit rechnen, dass es laut wird und sollte entsprechend mit Ohrstöpseln vorsorgen, wenn man empfindlich ist.“