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Kultur Kulturelle Perspektiven 2020
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10:54 01.01.2020
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Zeit zum Ausblick: Vier Ostseestrandgänger schreiben hier mit Wunderkerzen die Jahreszahl 2020 in den Abendhimmel. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Kiel

Renate Treutel, Kieler Bürgermeisterin und Kulturdezernentin: Kultur für alle erlebbar machen

Kultur ist ein wichtiges Schmieröl für unsere Gesellschaft. Als noch „junge” Kulturdezernentin und mit den „Hüten” Bildung, Jugend und Kreative Stadt, regt sich daher mein Unmut, wenn „Kultur” als „Zuckerguss” betrachtet wird. Kultur und Geschichte sollen möglichst früh und für alle erlebbar sein: Kinder der städtischen Kitas lernen in den Sommermonaten eine Woche lang im Freilichtmuseum den Alltag auf den Spuren unserer Vorfahren kennen. Der Verein inka e.V. unterstützt Kinder von Familien mit kleinem Geldbeutel bei der Entwicklung ihrer Talente. Der „Kulturhafen Kiel” wird immer mehr angelaufen: Kultureinrichtungen und Sponsoren vermitteln nicht verkaufte oder gespendete Karten für Menschen mit geringem Einkommen. Bitte helfen auch Sie in 2020 mit! Ganz besonders freue ich mich auf die Entwicklung unseres Hauses zur „Kieler Geschichte im 20. Jahrhundert” in der alten Bundesbank (Hopfenstraße). „Erinnerungskultur” schärft in Zeiten von Krieg, Terror, Gewalt und Flucht auf der Welt das Bewusstsein für unsere eigene Demokratiegeschichte nach einschneidenden Ereignissen und grausamen Phasen auch in Kiel. Kulturelle Vielfalt und Toleranz sind wesentlich für das Überleben der Demokratie. Daher wollen wir aus der Kieler Geschichte heraus das Heute zugänglicher machen und unsere Werte nachhaltig formen. Kulturelle Bildung ist unverzichtbar für ein l(i)ebenswertes und friedliches Kiel! Foto: Bodo Quante/LH Kiel

Wolfgang Gramm, Chefkurator der NordArt in Büdelsdorf: Visionen vom Dasein ohne Grenzen

Noch klingen die schönen und spannenden Momente nach, die wir auch in diesem Sommer im Kunstwerk Carlshütte erleben durften. Ja, auch Stolz mischt sich darunter, denn mehr als 100 000 Besucher waren auf der NordArt zu Gast. Das ist eine wunderbare Antwort auf unsere Arbeit, hilft uns aber auch, die Kunstprojekte umzusetzen. Mit Hans-Julius und Johanna Ahlmann als Gastgeber hat die NordArt ein Rückgrat, das es so nur selten gibt – und bleibt immer offen für neue Wege. 

Zurzeit türmen sich die Bewerbungen. Die Zahl der Künstler, die auf der NordArt ausstellen wollen, hat sich bei 3000 pro Jahr eingependelt. Die meisten Arbeiten, die wir bisher gesehen haben, spüren der Verletzlichkeit des Menschen und seiner Umwelt nach. Sie erzählen von Bruchstellen und Widersprüchen, setzen aber auch Lichtpunkte. Der Länderfokus widmet sich im nächsten Jahr der Ukraine, dem Land, das kurzzeitig ganz vorn auf der politischen Agenda stand und nun fast vollständig aus den Nachrichten verschwunden ist. Unter dem Arbeitstitel „The Borders of Reality“ beschäftigen sich Künstler von dort mit dem Dasein ohne Grenzen – nicht nur den nationalen.

Wenn Ende April unsere Symposien beginnen und Künstler aus aller Welt miteinander arbeiten, entfaltet die Atmosphäre der alten Eisengießerei ihre ganze Kraft. Spielt alles zusammen, wird auch die NordArt 2020 ein großes Kunst-Fest. Wir freuen uns darauf! Foto: KWC

Sven Zimmermann, Musiker (Godewind), Lehrer an der Russeer Rockschule: Optimist zu sein, fällt nicht leicht

Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende entgegen und jeder hat ganz eigene Erinnerungen an die vergangenen zwölf Monate. Aber was bringt uns nun 2020? Friedrich Merz wird Familienminister, Lafontaine doch endlich Bundeskanzler, Bernd-Björn Höcke tritt zum Islam über. ..? 

Klima, Brexit, Populisten: Ich bekomme ein mulmiges Gefühl, ich spreche mit vielen Menschen über Ängste, Verunsicherung und darüber, was uns alles droht. Kriege, Extremwetter, Abstieg. Es gibt viele Anzeichen, pessimistisch zu sein. Ich erlebe gerade eine Hochzeit für Pessimisten. Ein Optimist zu sein, fällt nicht leicht. Ich bin aber einer. Also Augen zu und rein ins Jahr 2020! 

Prokrastination ist ein verschwurbeltes Wort, gerade zur Jahreswende aber ist das Aufschieben sehr präsent: „Ab Januar werde ich nicht mehr rauchen!“, „Ich werde jeden Tag Sport machen und sowieso, alles wird sich ändern!“. Quatsch!

Also realistische Ziele: Ich werde einfach das Handy tagsüber zu Hause liegen lassen oder auf Flugmodus stellen, weil es gut tut! Ich werde meinen Fokus wieder stärker auf persönliche Themen und Projekte legen, die mir am Herzen liegen. 

Meine Herzensprojekte: Rockschule Russee und endlich wieder selbst unterrichten, ein neues Soloprogramm plus CD, die Fotoreportage über das Leben mit Demenz in SH, die Fotografie, Foto-Vorträge über Indien, Zeit fürs Segeln und zuletzt, weil am wichtigsten ... mehr Zeit für Familie. Foto: miraluna

Stefan Vladar, Generalmusikdirektor des Theater Lübeck: Mit positiver Energie

Das Jahr 2020 hält für mich einiges an Aufgaben bereit, von denen ich noch vor wenigen Wochen nichts geahnt habe. Durch die Veränderungen in der Führungsebene des Theaters Lübeck wurde mir die ehrenvolle und spannende Aufgabe der Leitung der Musiktheatersparte übertragen. Ich sehe dieser Herausforderung mit großer Begeisterung entgegen, nicht zuletzt dadurch, dass die ersten Monate meiner Tätigkeit als GMD von so viel positiver Energie und Begeisterung (auch und vor allem meinerseits) gekennzeichnet war. Ich hoffe, dass es uns gemeinsam gelingen wird, diese wunderbare Zusammenarbeit in allen Bereichen fortzusetzen und zu vertiefen. Das jedenfalls ist mein Hauptvorsatz für das neue, spannende und aufregende Jahr 2020. Foto: Marco Borggreve

Doris Runge, Lyrikerin und Gastgeberin im Weißen Haus in Cismar: Die schnelllebige Zeit entschleunigen

Beim Nachdenken über das kommende Jahr habe ich mich auf ein einziges Wort fokussiert. Auf die Zeit, die immer kostbarer wird. Ich wünsche mir Zeit zum Schreiben und zum Reisen. Zeit, um Texte zu ordnen, die als Notizen oder Übriggebliebenes in der Schublade gelandet sind. Zeit für Freunde und für meinen Mann, den Keller endlich aufzuräumen. Das ist übrigens eine Tätigkeit, die meiner Art zu Schreiben ähnelt: Es geht darum auszusortieren, Ballast abzuwerfen – so dass am Ende das richtige (Wort) stehenbleibt. 

Ich möchte die Zeit, die so schnelllebig geworden ist, entschleunigen. Und weil damit auch der Hofmannsthal’sche Jedermann und seine Bitte um Aufschub des Lebensendes verbunden ist, hoffe ich, dass mir noch das eine oder andere gute Gedicht gelingt. 

So subsummiert sich alles unter dem Begriff der Zeit. Dazu gehören aber auch die Veranstaltungen bei uns im Weißen Haus in Cismar, auf die ich mich als Gastgeberin freue. Daneben fällt es schwer, die Politik auszublenden. Die ist für mich derzeit nur mit viel schwarzem Humor zu ertragen – oder mit der Literatur. Bücher sind immer ein probates Mittel, mit der Realität umzugehen. Manchmal findet man darin Antworten. Und eine Dichterin, die mir dabei stets hilft, ist die polnische Literaturnobelpreisträgerin Wislawa Szymborska: „Nichts ist geschenkt, alles geliehen. / ... / Ich muss für mich / mit mir bezahlen, / fürs Leben das Leben zurück erstatten“. Foto: Marco Ehrhardt

Till Dietsche, Festival-Direktor Cinemare: Mehr Bewusstsein fürs Meer

Nächstes Jahr wird unser kleines Meeresfilmfest fünf Jahre alt – und wächst damit allmählich raus aus den Kinderschuhen. Bei Cinemare geht es aber nicht nur um Kunst und Wissenschaftskommunikation, sondern auch um den Meeresschutz. Dass auch Kiel das als Heimathafen des Festivals im kommenden Jahr stärker verfolgen will, macht uns als Veranstalter dabei schon ein bisschen stolz. Meeresschutzstadt Kiel, das Label ist doch mal ein Ausrufezeichen! 

Mit dieser Entwicklung verschiebt sich auch für mich persönlich der Fokus: 15 Jahre Taiwan, das meine zweite Heimat ist, sind erstmal zu Ende; die kommenden Jahre sehe ich mich vorwiegend in Kiel. Aber auch als Kieler fühle ich mich als Weltbürger – ich habe ohnehin nie das Gefühl, etwas aufzugeben, sondern immer das Gefühl, neu anzukommen. Segelsetzen hat für mich nie mit Abschied, sondern mit Aufbruch zu tun. 

Was ich mir dazu wünsche, ist, dass alle in dieser Richtung an einem Strang ziehen. Es gibt Pläne für ein Meeresvisualisierungszentrum, wie es die Stadt mit dem Ocean Dome beispielsweise am Tag der Deutschen Einheit gemeinsam mit den Kieler Meereskompetenzträgern Geomar, Fachhochschule, Uni, Böll-Stiftung und anderen zelebriert hat. Es wäre schön, wenn daraus am Ende vielleicht eine zentrale Anlaufstelle in der Stadt entstünde für das Festival und seine Themen. Und dass sich die Meeresthemen auf diese Weise stärker im Bewusstsein verankern. Foto: S. Weimar

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