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Kultur Geschriebene Motive
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10:00 08.10.2015
Von Ruth Bender
Fein gezeichnet: Ute Diez auf Hof Brache. Quelle: ehr - Marco Ehrhardt
Brache

Unter dem Stichwort „Kunst und Bauen“ ist sein Projekt offen für unterschiedlichste Raumgestaltung. „Das Projekt soll wachsen. Wie genau, wird sich zeigen“, so der langjährige Vorstandsvorsitzende des Kunstraum B. „Im Vordergrund steht der Gedanke, die Freude an der Kunst und deren Mehrwert zu vermitteln.“ Circa vier Ausstellungen im Jahr, die gezielt auch Architekten und andere Vertreter der Baubranche ansprechen sollen, will der studierte Jurist auf dem Kulturhof in der Gemeinde Wielen realisieren. Den Anfang macht Ute Diez. „Viertel vor sieben“ nennt sie ihre sehenswerte Schau nach einem gleichnamigen Song von Reinhard Mey. Dessen Liedtexte sind wie die seiner Kollegen Hannes Wader oder Rio Reiser Inspirationsquellen für die feinen Zeichnungen, mit denen die 34-Jährige die Wände der Galerie bedeckt hat. So poetisch wie der Umgang der kritischen Liedermacher mit der deutschen Sprache, so zart und erzählerisch sind ihre hintergründigen Bildwerke. Mit dünnem schwarzen Filzstift hat sie einzelne Liedtexte so aufgeschrieben, dass die Schrift sich wie eine Schraffur zu unterschiedlichen Motiven formiert.

 „Das Narrenschiff“ heißt eine wandfüllende Arbeit, in der Berühmtheiten aus Politik und Unterhaltung von Vladimir Putin bis Heidi Klum sich in munterer Runde auf einem stattlichen Schiff tummeln, während im Hintergrund Flüchtlinge in einem überladenen Boot um ihre Leben kämpfen. Ein anderes Motiv zeigt Polizisten beim Einsatz von Schlagstöcken, durchsetzt mit Bildern von Kindern, die sich eine fröhliche Wasserschlacht liefern. „Ich erhebe nicht den Zeigefinger“, so die gebürtige Dresdnerin, die nach der Muthesius Kunsthochschule auch ein Philosophiestudium an der CAU abgeschlossen hat. Sie mag es, wenn auch bei ernsten Themen der Humor nicht zu kurz kommt. Mit ihren luftigen Wandzeichnungen, die teils auf Karton ausgeführt sind und, wenn nicht als Unikate verkauft, in späteren Wandarbeiten weiter verwendet werden können, beweist Ute Diez, dass Kunst am/im Bau nicht unbedingt groß und gewichtig sein muss.

 Galerie Brache. Bis 31. Dezember. Besuch nach Vereinbarung unter weiss@galerie-brache.de

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