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Kultur Turmbau und geflügelte Hirsche
Nachrichten Kultur Turmbau und geflügelte Hirsche
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16:49 01.06.2019
Von Sabine Tholund
"Parlamentsgebäude" nennt der chinesische Künstler Xi Jianjun seinen in den Räumen der Nordart liegende Installation. Die 21. Nordart, eine der großen europäischen Schauen weltweiter Gegenwartskunst, zeigt vom 1. Juni bis 13. Oktober 2019 rund 1000 Kunstwerke aus mehr als 100 Ländern. Quelle: Carsten Rehder
Büdelsdorf

Aus den für 2019 anfangs 200 geplanten Teilnehmern sind 340 geworden, bereits im Pavillon zum diesjährigen Länderschwerpunkt Frankreich sind Arbeiten von 171 Künstlerinnen untergebracht.

Kunstwerke im XXL-Format

Markenzeichen der NordArt sind die Kunstwerke im XXL-Format. Sie sind die Hingucker der gigantischen Schau und wie so oft haben hier wieder Künstler aus China die Nase vorn. „Die Chinesen schätzen die Nordart sehr“, sagt Inga Aru, die Chef-Kurator Wolfgang Gramm als Co-Kuratorin unterstützt. „Weil schon viele namhafte Künstler des Landes bei uns ausgestellt haben, bekommen wir jedes Jahr neue Bewerbungen aus China. Und viele Arbeiten haben politische Konnotationen.“

Xi Jianjun mit Babylonian

Die erste Halle besetzt Xi Jianjun mit Babylonian, einem gewaltigen hölzernen Turm, dessen zahllose Fenster von innen mit Zeitschriften aller Herren Länder tapeziert sind. Das begehbare Objekt, in dessen Innenraum Bilder bekannter Persönlichkeiten von Hans Christian Andersen bis Nelson Mandela hängen, thematisiert Vor- und Nachteile der Globalisierung und ist nach dem Vorbild eines Pagodentempels konstruiert, in dem östliche und westliche Kulturelemente miteinander verschmelzen.

Deng Guoyuan mit Noah`s Garden

Im hintersten Teil der Halle bricht Xis Landsmann Deng Guoyuan mit Noah`s Garden eine Lanze für die Rettung der Pflanzenwelt. Sein Kabinett aus Glas und Spiegeln hat er mit einem floralen Innenleben aus bunten Fantasiepflanzen ausgestattet. Auch dieses Kunstwerk ist begehbar, der Besucher sollte jedoch einigermaßen trittsicher sein, denn das Objekt dreht sich langsam – inmitten all der Spiegel könnte man leicht die Orientierung verlieren.

22 Teilnehmer aus der Mongolei

Zwischen diesen beiden Großinstallationen ist jede Menge Raum für Kunst aus aller Welt. Ein eigener Bereich ist 22 Teilnehmern aus der Mongolei vorbehalten, ein weiterer Schwerpunkt der 21. Nordart. Breit ist das Spektrum der Protagonisten aus Chinas Nachbarland, es reicht von traditioneller Porträtmalerei im märchenhaften Gewand bis zur (verblüffend poetischen) Installation aus Ästen und Kabelbindern.

Nordart-Preisträger der Vorjahre

Besondere Berücksichtigung finden wie immer die Preisträger des Vorjahres. Teilweise sind ihnen eigene Kabinette reserviert, darunter die Chinesin Xiang Jing, die mit Wut in Bewegung eine wehrhaft aufgerichteten Riesenschlange aus rotem Fiberglas aufgestellt hat. Ihr Landsmann Zhang Dali lässt lebensgroße Aktfiguren kopfüber von der Decke baumeln. Chinesischer Nachwuchs heißt die Arbeit – ein Mahnmal für jene Bauen, die sich als Wanderarbeiter ihr Brot verdienen müssen.

Nordart-Preisträger 2018: Tscheche Michal Gabriel

Mit flüchtigem Strich hat die Russin Ekaterina Zacharova impressionistisch anmutende Großstadtszenen festgehalten, der Tscheche Michal Gabriel, dem zur heutigen Eröffnung der Nordart-Preis 2018 in Höhe von 10000 Euro überreicht wird, lässt gefleckte Raubkatzen durch die Gänge streifen und geflügelte rote Hirsche fliegen.

Nordart-Kenner David Cerny

Ebenfalls aus Tschechien kommt David Cerny – ein alter Bekannter für Kenner der Nordart. Der 52-Jährige hat einen ganzen Strauß von Arbeiten mitgebracht. Besondere Aufmerksamkeit dürfte Quo Vadis erregen (1990), ein DDR-Trabbi, der auf vier menschlichen Beinen steht.

Nordart-Positionen aus Deutschland

Hier und da sind in der Carlshütte natürlich auch künstlerische Positionen aus Deutschland vertreten. Eine geballte Auswahl findet man in der Wagenremise, wo mit 14 Künstlerinnen und Künstlern der Norddeutschen Realisten ein regionaler Akzent gesetzt wird.

www.nordart.de

Infos zur Nordart

Eröffnung 1. Juni, 17 Uhr im Skulpturenpark vor der ACO Wagenremise. Begrüßung: Hans-Julius Ahlmann. Grußworte: Klaus Schlie und Daniel Günther. Preisübergabe des NordArt-Preises 2018 an Michal Gabriel. Chef-Kurator: Wolfgang Gramm. Co-Kuratorin: Inga Aru. Gastgeber: Hans-Julius und Johanna Ahlmann.

Tageskarte 14 Euro, Zwei-Tageskarte 22 Euro, Saisonkarte 50 Euro. Familienkarte 17 / 30 Euro. Kinder bis 6 Jahre frei. Schülergruppen nur mit Anmeldung. Führungen Mi 15 Uhr, Sa 11 und 13 Uhr, Kosten 8 Euro + Eintritt. Gruppenführungen nach Vereinbarung 100 Euro + Eintritt. Katalog 25 Euro. Bis 13. Oktober. Di-So 11-19 Uhr.

Eindrücke auf der Nordart in der Carlshütte Büdelsdorf.

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