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Kultur Liebe, Tod und Zwischentöne
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07:37 03.06.2013
Von Dr. Christian Strehk
Gäste der Operngala: Die umjubelte Mezzospranistin Ana Ibarra aus Madrid und Tenor Alex Vicens. Quelle: nick Axel Nickolaus
Kiel

Wenn Ana Ibarra beinahe die Tarantel sticht oder sie irgendeinem vorwitzig um Liebe winselnden Männchen den roten Fächer zeigt, dann wird klar, wer in Spanien das Singen hat. Der ganze Stolz der Frauen liegt in der schönen Stimme der Grammy-gekrönten Mezzosopranistin. Da schwingt der „Kampf der Geschlechter“ mit, reimt sich Liebe auf Tod. Tatsächlich verblasst hier der Unterschied zwischen Komödie und Tragödie, wie es so schön im Kleingedruckten des Abends steht.

 Die aus der Zarzuela-Hochburg Madrid angereiste Sängerin geizt nicht mit gurrenden oder imposant brustig glühenden Stimmfarben. Ihren Spitzentönen mischt sie edelmetallene Schärfe bei. So bricht sie im Zeichen von Barbieri, Caballero oder Giménez eine Lanze für Leichtes mit Tiefgang.

 Alex Vicens begeistert das Publikum eher mit Torero-Attitüde und entsprechend lauthals auftrumpfendem Tenor-Geschmetter. Das kaschiert gut, dass die beanspruchte Stimme im Piano und der Mittellage spröde und brüchig wird – was hoffentlich nur an der Tagesform liegt.

 Gesünder klingt jedenfalls der junge chilenische Bariton Salomon Zulic del Canto, der beim Zarzuela-Gourmet Michael Gehrke an der Lübecker Musikhochschule studiert. Sein Landsmann Luis Araos-Gutierrez beweist, wie viel Solo-Potenzial im Kieler Opernchor (Einstudierung: Barbara Kler) steckt. Sogar Susan Gouthro, als Kanadierin theoretisch weit ab von ibero-amerikanischer Heißblütigkeit, hat einen innig intensiven Cancion-Moment.

 Die entscheidenden Impulse gibt aber der Kenner – am Pult der reaktionsfreudigen Philharmoniker: Mariano Rivas, Kiels nordspanischer Kapellmeister, begeistert nicht nur mit Leidenschaft und Tempo. Er zeigt auch, dass in der Zarzuela eine klangliche Raffinesse steckt, die sich mit dem Besten von Offenbach, Strauß und Léhar messen kann. Wie da beispielsweise im Intermedio aus La Leyenda del Beso von Soutullo & Vert Atmosphäre gezaubert wird oder die philharmonische Schlagzeugerin Sara Cortés Hierro mit ihrem rasanten Kastagnetten-Solo die Theaterfreunde beinahe in La-Ola-Beifallsstürme hineintreibt, weist über Gala-Gewohnheiten weit hinaus.

 Generalintendant Daniel Karasek, als Sohn einer Venezolanerin zeitweise in Caracas spanischsprachig aufgewachsen, hat sich für die Moderation Schauspielensemble-Neuzugang Maxine Kazis an die Seite geholt. Der alte Hase und der junge Hüpfer absolvieren ihre amüsant anbahnenden Texte etwas hastig, aber mit viel Charme. Auch das trägt zum restlosen Vergnügen des Zweieinhalb-Stunden-Abends bei.

 Wiederholung am Mittwoch, 5. Juni, 19.30 Uhr, Oper Kiel. Karten: 0431 / 901 901. www.theater-kiel.de

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