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Kultur Liederflut vom Ostseestrand
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13:37 05.07.2013
Von Christian Strehk
Das Baltikum singt: Die Latvian Voices bringen den Volkston mit Klassik und Pop in harmonischen Einklang. Quelle: Martins Stanke
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Kiel/Lübeck

Einmal mehr zeigt sich, dass die Länderschwerpunkte im Programm des SHMF ihren ganz eigenen Reiz haben. Nach der weit entfernten Exotik Chinas im vergangenen Jahr scheint das Baltikum mit den Musiknationen Estland, Lettland und Litauen nun nur einen kräftigen Ruderschlag von uns entfernt. Doch was wissen wir wirklich über das Liederleben der Ostseeanrainer? Die Musikfreunde im Lande zeigen sich jedenfalls neugierig und buchen nicht nur baltische Stars wie Mischa Maisky oder Baiba Skride, sondern interessieren sich auch sehr für stilistisch bunte Chorgesänge.

Festival-Intendant Rolf Beck, der im September nach 15 Jahren die Leitungsfunktion an seinen Nachfolger Christian Kuhnt abgibt, wundert sich deshalb umso mehr, dass mit dem Dirigenten Andris Nelsons ausgerechnet einer der inzwischen berühmtesten Letten bislang links liegen gelassen wird: „Der wird jetzt Chefdirigent in Boston und hat damit eine der größten Karrieren der letzten Jahre hingelegt. Außerdem macht er ja als Bayreuth-Star bei uns in den Abschlusskonzerten in Lübeck und Kiel einen Wagner-Abend.“ Ist im Gedenkjahr Übersättigung eingetreten? Auch der konzertante Tristan-Akt in Lübeck mit dem russischen Stardirigenten Semyon Bychkov „und einer Weltklassebesetzung bei den Sängern“ sei nicht so gefragt wie gedacht.

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„Sonst aber läuft es sehr gut“, so Beck gerade auch im Blick auf das gewagte Hamburger Wochenende mit Werken des estnischen Komponisten Arvo Pärt oder die „mehr oder weniger ausverkauften“ Auftritte seines Festivalchores. Bestätigt sieht sich Beck in der leichten Verknappung des Angebots, gerade auch bei den Musikfesten auf dem Lande. Dort hätten Veränderungen im Ablauf und ein rareres Angebot nun zum gern gesehenen Stempel „nahezu ausverkauft“ geführt. „Es ist mein großes Ziel, ein konsolidiertes Festival zu übergeben“, so Beck, „immer wieder werde ich mehr oder weniger lauernd gefragt, ob ich die Sicherheitsrücklagen denn verbrauche oder sie erhalte. Meine Antwort ist: Ich tue in allem so, als würde ich weitermachen. Es wird keine großen Aktionen geben, um das Geld irgendwie zu verbraten, sondern ganz seriös zu Ende gehen – wie ich es in Bamberg gehalten habe und auch in meiner Funktion als Leiter der NDR-Klangkörper halten werde.“

Die Finanzsituation schätzt Beck als „auf niedrigem Niveau stabil“ ein. Christian Saalfrank (siehe unten) sei es gelungen, wieder den erhofften Betrag der Sponsorengesellschaft an die Stiftung zu überweisen. „Auch der Staat steht zumindest zu seiner Minimalunterstützung“, ergänzt Beck, betont aber das wieder gute Verhältnis zur Landesregierung. „Ministerpräsident Torsten Albig und die Kulturminsterin Anke Spoorendonk sind erkennbar engagiert für das Festival. Und das Verhältnis zur Vorgängerregierung hatte ja auch nur dadurch gelitten, dass Alleingänge mit Salzau gemacht wurden und offenbar gar nicht erkannt wurde, was das für uns bedeutete.“ Jetzt, wo man mit Büdelsdorf für das Festivalorchester und Niendorf für Jazz Baltica so gute Alternativen aufgetan habe, Alternativen, die beim Kartenverkauf und Probenbesuch deutliche Zuwächse gegenüber Salzau erkennen ließen, könne man ja auch „entspannter“ sein.