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Kultur Peter Licht: Denken in Sound
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18:14 30.01.2018
Von Ruth Bender
Zwischen Befremden und Überhöhung: So nähert sich Peter Licht dem Alltag.  Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Sehr entspannt sitzt der Kölner im Hotel Maritim und kommt einem gar nicht vor wie die Kunstfigur, die er ja auch ist. Manchmal schweigt er lange, bevor er antwortet, und irgendwie scheint er mit den Sätzen immer schon wegzudriften zum nächsten Gedanken. „Mir scheint, dass die Literatur, die ganze Welt eigentlich, aus Sound besteht. Mich interessiert der Klang der Welt.“ Die Vorstellung, dass die Welt ein Plot sei, sein Leben eine klar überschaubare Kausalkette, erscheint Peter Licht höchst zweifelhaft. „So sehe ich die Welt nicht“, sagt er. Eher als Collage, in der sich die Sounds schichten, ergänzen, widersprechen, auslöschen. Ob Gedicht, Live-Auftritt oder Theaterstück ist dabei egal: „Das alles ist ein und dasselbe Sound-Phänomen, in dem ich mich bewege.“

Peter Lichts Bücher tragen so große Titel wie "Lob der Realität" (2014) und "Wir werden siegen!" (2008); die Alben heißen "Lieder vom Ende des Kapitalismus" (2006) oder "Melancholie und Gesellschaft" (2008). Und tatsächlich überhöht der Künstler das Banale, Alltägliche – ins Absurde oder, wie das imaginierte Gespräch über "Neinsagen zu Bonuspunkten an Rewekassen", gleich ins echte Pathos.

Wie seine Texte entstehen, kann Peter Licht auch nicht so richtig erklären, klingt dabei aber sehr poetisch: „Das sind Gedankenboote, die durch mein Bewusstsein fahren.“ Schlagworte, Slogans, Beobachtungen, die der Künstler aufs Handy spricht, sampelt, loopt und fortspinnt. „Das ist der Dialog, der in meinem Kopf ununterbrochen stattfindet“, sagt er, „und manchmal braucht es nur einen Satz oder ein Wort, das zum Kraftwerk wird für den Text.“ Eine Art Tanz mit der Sprache, an dem er besonders mag, wenn gar nicht klar ist, wo das Ganze losgeht: „Verstörung ist ein guter Effekt", sagt er, "wenn man sich nicht so ganz zu Hause fühlt in dem, was man geboten bekommt.“

31. Januar, 19 Uhr, im Literaturhaus in Kiel, Schwanenweg 13. Licht im Gespräch mit anderen Liliencron-Dozenten: Doris Runge, Arne Rautenberg, Dirk von Petersdorff.

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