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Kultur Mit der Lust an der Verstörung
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10:22 27.04.2019
Von Beate Jänicke
Die Peotry Slammerin und Kabarettistin Lisa Eckhart gastierte mit ihrem Programm „Die Vorteile des Lasters“ im MAX in Kiel. Quelle: Manuel Weber
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Kiel

„Wie kommt man denn heute noch in die Hölle?“, fragt sie, „ich habe da Verwandtschaft ...“ Wie ein gefallener Engel mit der Lust an der Verstörung seziert die Österreicherin messerscharf die Schwachstellen von Individuum und Gesellschaft. Gott sei nur ein One-Hit-Wonder gewesen: „Wie Erwin Rommel und Lou Bega!“ Vor allen dem alttestamentarischen Gott, der noch amtliche Plagen und Strafen schickte, trauert sie nach - da machte das Sündigen noch Sinn und Spaß.

Eckhart spottet über Gesundheitsapostel („Ein grüner Smoothie ist kein Absinth.“) und über den „kategorischen Imperativ unserer Zeit: Enjoy! Genieße!“ Die Pointen sind so treffsicher wie heftig, wenn sie über Laster ohne Folgen lästert, die seien wie „eine Torte mit Glasur aus Insulin, wie eine Zigarette mit eingebauter Chemotherapie.“

„Ich bin keine Künstlerin, ich bin Kunst.“

Dazwischen schießt sie auch gegen moralisierende Friday-for-Future-Kids, oder gibt Tipps zur Abtreibung mit Hilfe von Coca Cola. Zu deren Erfindung sie anmerkt: „Ein Getränk, schwarz wie der schmerzlich freigelassene Neger – und auch zum selben Preis.“ Verstörung gehört zum Auftritt ihrer Bühnen-Persona untrennbar dazu. Verstörendes zu sagen, ist geradezu ihre Kernkompetenz. Ihr Humor ist von blankem, tiefem Schwarz mit morbidem Touch.

Ob ihr dabei mancher breit lachend auf dem Leim kriecht, wer weiß? Sie löst nichts auf. Nur so viel: „Ich bin keine Künstlerin, ich bin Kunst.“

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