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Kultur Assaf Gavron im Literaturhaus
Nachrichten Kultur Assaf Gavron im Literaturhaus
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12:53 19.10.2018
Von Ruth Bender
Foto: Assaf Gavron verpackt Israels Geschichte in einen fabulierlustigen Krimi.
Assaf Gavron verpackt Israels Geschichte in einen fabulierlustigen Krimi. Quelle: Marco Ehrhardt
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Kiel

Einen Krimi wollte Gavron schreiben, quer durch die israelische Geschichte von der Mandatszeit, in der die Briten von 1917 bis 1948 Palästina regierten, bis in die Gegenwart. Der Blick auf die einstigen Besatzer, wie er in der Schule gelehrt wird – „Die Juden waren tapfer, die Briten böse“ – hat Gavron, dessen Eltern aus England nach Israel einwanderten, stets irritiert. „Ich hatte selbst eine englische Jugend“, sagt Gavron im Gespräch mit Moderator Stefan Mesch. „Die britisch-jüdische Beziehung ist ein Teil von mir. Davon wollte ich erzählen.“ 

Die Dame mit den zinnoberroten Lippen

Das Politische ist allgegenwärtig im Roman des Schriftstellers aus Tel Aviv. Es schleicht sich in den Alltag, wirkt fort und breitet sich bis ins Heute. Und vielleicht ist das in Israel auch gar nicht anders möglich, mit seinem unendlichen Palästinenserkonflikt und den Zerrissenheiten. Eitan jedenfalls treibt die Begegnung mit Lotta Perl, der alten Dame mit den „zinnoberroten Lippen“, in die Vergangenheit des Jahres 1946 und in die Geschichte einer nicht konformen Liebe und eines ungeklärten Todesfalls.

Das Persönliche und das Politische greifen ineinander

Und Gavrons Erzählstil fließt – von Schauspieler Christian Kämpfer in den deutschen Passagen lebhaft intoniert – im Rhythmus der Taxitouren und Eitans mäandrierendem Tagesablauf. So greift in "18 Hiebe" alles ineinander, und der Krimi erweist sich dabei als trefflicher Träger für die Last der Geschichte.

Und wieviel Gavron steckt in Eitan? „Ich existiere in jedem meiner Charaktere“, schmunzelt er, „aber Eitans Appetit auf das Leben und Schawarma – das ähnelt mir schon sehr ...“

Am 1. August liest Gavron im Alten Rathaus, Garding; 2. August, Stadtbücherei Neumünster; 3. August, St. Petri Kirche Lübeck. Die nächste Lesung in Kiel am 3. August gestalten in der Kunsthalle Zeruya Shalev und die Schauspielerin Maria Schrader. www.literaturhaus-sh.de