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Kultur Vom Luxus des Vorlesens
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10:55 23.03.2018
Von Ruth Bender
Mit Herzblut für das Literaturtelefon: Angelika Stargardt und Jörg Meyer. Quelle: Marco Ehrhardt
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Kiel

„Sich etwas vorlesen zu lassen, ist doch ein herrlicher Luxus“, sagt Angelika Stargardt im Kulturamt. „Und man bekommt beim Literaturtelefon etwas, das man beim Lesen nicht hat: die Stimme des Autors.“ 1991 übernahm die studierte Literaturwissenschaftlerin das Literaturtelefon Kiel, hatte Siegfried Lenz und Feridun Zaimoglu vor dem Mikro, Walter Kempowski, Gabriele Wohmann, Peter Härtling, Harry Rowohlt. So wurde, was 1978 als regionales Projekt begonnen hatte, in den Neunzigern zu einer Art „Who is Who“ der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

„Die Autoren machen gerne mit“, sagt 40 Jahre später Jörg Meyer, „auch für sie bedeutet das Literaturtelefon einen Mehrwert, weil sie als Vorleser mehr und andere Menschen erreichen.“ 2007 übernahm der Kieler Autor, Journalist und Literaturblogger, zunächst mit Björn Högsdal und Patrick Kruse von Assemble.Art, das Literaturtelefon Kiel. Und die Drei brachten das Medium, das damals kurz vor dem Aus stand, erstmal ins Internet – und machten es so gegenwartstauglicher.

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Heute ist das Literaturtelefon Kiel, das einst in die Bundesrepublik ausstrahlte und Nachfolger von Frankfurt bis Oldenburg fand, das letzte seiner Art. „Das Literaturtelefon ist ein Kulturgut“, sind sich Angelika Stargardt und Jörg Meyer einig. Bescheidene 2900 Euro im Jahr kostet die Stadt das beliebte wie verdienstvolle Angebot. Unter anderem, weil die Aufwandsentschädigung für die Autoren mit 30 Euro seit den Anfängen (50 Mark) nahezu gleich geblieben ist. Einen literaturbegeisterten Mitstreiter könnten sich Meyer und Stargardt da gut vorstellen. Und einen Traum haben sie außerdem: „Es wäre toll, wenn wir auch die rund 1500 analogen Aufnahmen aus der Zeit bis 2007 digitalisieren könnten.“

Jubiläumslesung im Literaturhaus, Dienstag, 27. März, 20 Uhr. Mit Michael Augustin, Fritz Bremer, Arne Rautenberg, Nils Aulike und anderen. Ab 26. März spricht Michael Augustin. Tel. 0431/9018888 oder www.literaturtelefon-online.de

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