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Kultur Klassik-CDs mit Bezug zum Norden
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18:35 22.12.2019
Von Christian Strehk
Lisa Florentine Schmalz und Bettina Rohrbeck (am Cembalo) mit barocken Raritäten in der Kieler Kunsthalle. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Tickets in der Elbphilharmonie zu ergattern, ist kein Hexenwerk mehr. Allerdings haben Konzertkarten unter dem Weihnachtsbaum immer den kleinen Nachteil, dass sie den Beglückten naturgemäß auf ein festes Datum festlegen.

CD-Tipp mit dem Residenzorchester der Elbphilharmonie

Da verhilft dann vielleicht eine CD des „Residenzorchesters“ zu einer Alternative. Alle Ohren richteten sich in der laufenden Saison auf den Dienstantritt des neuen Chefdirigenten beim NDR Elbphilharmonie Orchester. Alan Gilbert gibt mit Anton Bruckners vielleicht prächtigster, farbenreichster Symphonie, der Siebten, seine digitalisierte Visitenkarte bei Sony Classical ab. Und siehe da: Das tönt beachtlich und reich schattiert. Wie immer beim NDR-Ensemble und erst recht in der gnadenlos analytischen Elbphilharmonie-Akustik ist das Ergebnis eher schlank und sportiv als warm und verdichtet, sicher auch nicht ganz so brillant wie bei Chicago Symphony unter Solti, aber doch hörenswert, voller interessant aufgefächerter Details und natürlich im Fluss.

Die schlanke barocke Alternative

Nun ist das große Bruckner-Kaliber, Elbphilharmonie her oder hin, nicht jeden Musikfreunds Sache. Da empfiehlt sich nachdrücklich eine ausgesprochen frische, nur von zwei Barockviolinen, Barockcello und Cembalo unterfütterte Solo-Gesang-CD.

Antike Mythen und italienische Klänge in Paris

Sie entstand auf Anregung der Kieler Musikwissenschaftlerin Inken Meents, die berechtigtes Interesse daran hegte, dass ihr Forschungsgegenstand – hochbarocke französische Kantaten um 1700 – auch mal zu hören sind. Somit ist selbst bei passionierten Kennern und Sammlern garantiert, dass sie diese Werke nicht kennen. Zumindest, wenn sie nicht am 31. Mai 2019 live dabei waren: Da es um „Antike Mythen und italienische Klänge in Paris ging, war die Antikensammlung in der Kieler Kunsthalle der perfekte Konzertort für die Aufnahme. Sie ist nun in Kiel bei Ruth König Klassik, in der Kunsthalle sowie in der Oper erhältlich oder kann über den eShop von Euthentic Media (Direktlink: https://euthentic.eu/a0007) bestellt oder geladen werden.

Französische Kantaten mit Suchtpotenzial

Unter der Leitung von Bettina Rohrbeck begeistern die in der norddeutschen Szene bestens bekannten Stimmen von Lisa Florentine Schmalz (Sopran) und Julian Redlin (Bass) mit wahrhaft anspringend energetischer Klangrede, innigem Klagelaut oder delikater Schwärmerei. Die französische Sprache tut in Werken von Jean-Baptiste Stuck, Jean-Baptiste Morin, Nicolas Bernier oder Brunet de Moland ein weiteres dazu, hier das Besondere zu betonen. Die Verschmelzung von italienischem Stil mit „süßer“ französischer Melodiesucht ist jedenfalls ein Erlebnis mit Suchtpotenzial.

Mondnacht mit dem NDR Chor

Zum Schumann-Schwerpunkt des SHMF 2018 hatte der Hamburger NDR Chor ein Nachtkonzert beigesteuert, das a-cappella oder in Kammermusikformat (mit Klavier, Flöte oder Horn) Romantisches von Robert und Clara Schumann beleuchtete. Der damalige Leiter Philipp Ahmann hat das Repertoire dann beim Label Es-Dur von C2 auch für eine „Mondnacht“-CD dirigiert, die nicht von allerletzter Homogenität und Leichtigkeit, aber doch von überwiegend schönen Vokalensemble-Farben geprägt ist.

Hommage an Coon: Raschèr Saxophone Quartet

Zu den vertrauten Ensembles zählt in Schleswig-Holstein das Raschèr Saxophone Quartet, das mehrfach mit den Kieler Philharmonikern und lehrend mit dem Nordkolleg in Rendsburg zusammengearbeitet hat. Ihre Paschenrecords-CD bei BR Klassik Was weite Herzen füllt ist eine Hommage an das 2019 verstorbene Mitglied Kenneth David Coon. Jazzigs mischt sich mit klassisch gepolter Moderne.

Poetisch minimalistisch: Gitarrist Detlev Bork zelebriert Chadwick

Ähnlich gelagert ist die CD The Beast of Many Colours mit Werken von Roland Chadwick – spannungsvolle Miniaturen, nahe an den Wiederholungsschleifen der Minimal Music und doch poetisch. Überzeugend eingespielt hat sie für das Label Neos ein gebürtiger Kieler: der Gitarrist Detlev Bork.

ATOS Trio mit Beethoven in der heiligen Wigmore Hall London

Genauso „authentisch“ norddeutsch erscheint der Anknüpfungspunkt im Fall des ATOS Trio. Schließlich stammt die Geigerin Annette von Hehn ebenfalls aus Kiel. Mit dem Cellisten Stefan Heinemeyer und dem Pianisten Thomas Hoppe hat sie passend zum Beethoven-Gedenkjahr sämtliche Klaviertrios des Wiener Klassikers in zwei CD-Boxen herausgebracht. Die Live-Mitschnitte von 2016 stammen von heiliger Kammermusik-Stätte: aus der Londoner Wigmore Hall. Wer da auftreten darf, hat es in der Musikwelt weit gebracht. Und genauso klingen und wirken die Einspielungen tatsächlich auch: enorm souverän durchartikuliert und „cool“ pointiert, dabei leichtfüßig – und noch klangbedacht feinsinnlicher als vor zehn Jahren.

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