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Kultur Schleswig: Eine gute Basis fürs Theater
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08:45 14.01.2020
Von Konrad Bockemühl
Slkulpturales Haus: Der preisgekrönte Entwurf der ppp-Architekten für das auch operntaugliche Kulturhaus in Schleswig. Quelle: Visualisierung: ppp Architekten + Stadtplaner, Lübeck
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Schleswig

Damit nimmt das jahrelang diskutierte Projekt eines multifunktionalen Kulturhauses an der Schlei nun endlich konkretere Formen an. Bald neun Jahre ist es her, dass das alte Stadttheater am Lollfuß wegen Einsturzgefahr geschlossen werden musste.

Im Kern das alte Mannschaftsheim

Das Lübecker Architektenbüro überrascht mit einem unkonventionellen Entwurf, der auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände Auf der Freiheit maßgeblich auf den Bestand setzt: Das frühere Mannschaftsheim, heute als „Heimat“ vor allem für Varieté-Veranstaltungen genutzt, wird zentral einbezogen und an den Seiten ergänzt. Nicht zuletzt, erläutert ppp-Geschäftsführer Klaus H. Petersen, sei das auch durch den strikten Kostenrahmen von zwölf Millionen Euro bedingt – eine Summe, die übrigens genau der für das neue, ebenfalls in die Tiefe gehende Eingangs-und Ausstellungsgebäude im Freilichtmuseum Molfsee entspricht. Hier hat Petersens Büro die Ursprungsplanung durch Veränderungen bei den Materialien modifiziert. Die dominante, hölzerne Dachkonstruktion sorgt für zusätzliche Reize.

Der große Saal wird tiefergelegt

In Molfsee wie in Schleswig sind die ppp-Architekten die Sache von Grund auf angegangen. Soll heißen, um das vorhandene, Auf der Freiheit leicht erhöht angesiedelte Casino-Gebäude als Zuschauerraum nutzen zu können, soll die Erdgeschossdecke des Saales entfernt werden. Man baut auf der Ebene der Kegelbahnen im Untergeschoss auf, die wiederum dem Niveau des Außenterrains entspricht. Das Tieferlegen schafft Luft nach oben und leichtere Zugänge: Das Foyer mit Garderobe, Kartenverkauf und Ausschanktresen wird an der Südwestseite vorgesetzt, der direkte Zugang zum ebenfalls vorhandenen Restaurant „Muttis“ ist sichergestellt, und im Nordosten wird das Gebäude um einen Anbau mit Orchestergraben, Haupt- und Seitenbühnen samt Bühnenturm ergänzt.

Öffnung für Freilichtaufführungen

Als Clou sieht der Entwurf hier eine Öffnung gen Osten vor, um Raum auch für Freiluftaufführungen zu bieten: eine reizvolle Option in der großzügigen Parklandschaft mit Schlei-Blick. Um das Ganze schließlich ansehnlich zu machen, wird der gesamte, energetisch ertüchtigte Baukörper in eine solide, stark dämmende (EPDM-) Haut warm „eingepackt“, eine kautschukbasierte, strapazierfähige Folie in Anthrazit, die dem Kulturhaus einen markanten Charakter verleihen soll. Petersen benutzt das Bild eines großen „übergeworfenen Theatervorhanges“ und spricht von einem „skulpturalen Haus“.

Nicht superfein, sondern ein wenig frech

Der Entwurf verleiht dem Kulturhaus als Solitär im neu entstehenden Stadtteil am Schlei-Ufer einen „experimentellen Charakter“. „Nicht superfein“ soll sich der Kultur-Komplex präsentieren, sondern eher „unfertig“, ein wenig spielerisch-frech. Vor allem aber kostengünstig und multifunktional. Das Konzept erfülle alle Vorgaben des Landestheaters, das am früher zentralen Spielort nicht nur Schauspiel, sondern auch wieder Opernproduktionen spielen will. Es hat auch die Zielzahl von rund 450 Sitzplätzen vorgegeben, die im vorhandenen Kerngebäude ansteigend angeordnet werden sollen. In dem Saal wird es auch Ränge geben, für andere Veranstaltungen kann das Fassungsvermögen flexibel auf bis zu 750 Personen aufgestockt werden. Sowohl im Innenraum als auch in den Anbauten soll nachhaltig viel Holz eingesetzt werden, sagt Petersen. Und das komme letztlich auch der Akustik zugute.

Karin Prien spricht von guter Ausgangsbasis

Der Entwurf aus Lübeck setzte sich im Realisierungswettbewerb gegen zwei Stuttgarter Büros (Steimle Architekten, Bez und Kock) durch. Die Stadt will nun in Verhandlungen mit den Top-3 treten, bevor die Ratsversammlung möglichst noch vor der Sommerpause über die Umsetzung entscheiden soll. Kulturministerin Karin Prien freut sich derweil schon über die „sehr gute Ausgangsbasis, um nun die Bauplanung zu konkretisieren und für das Landestheater und die Stadt Schleswig nach dem Verlust des Stadttheaters wieder eine vollwertige Theaterspielstätte zu schaffen“ – und damit auch die Zukunft des Landestheaters zu sichern. Das Land hat 5,5 Millionen Euro Fördermittel bereitgestellt.

Alle zwölf Entwürfe aus dem Realisierungswettbewerb sind noch bis Freitag, 17. Januar (8.30-12 Uhr, Do auch 14.30-18 Uhr), im Schleswiger Rathaus zu sehen.

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