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Kultur Musikwissenschaftler Prof. Volker Scherliess gestorben – ein Nachruf
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Lübecker Musikwissenschaftler Prof. Volker Scherliess gestorben

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18:00 12.01.2022
Von Christian Strehk
Prof. Volker Scherliess (1945 – 2022)
Prof. Volker Scherliess (1945 – 2022) Quelle: Dermaton
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Lübeck

„Man erlebte ihn als glänzenden Redner mit einer tiefen kulturellen Bildung, der seinen Zuhörern ungeahnte Türen in das Reich der Musik zu öffnen vermochte.“ Wer diesen für die Sache brennenden Musikwissenschaftler erlebte, kam tatsächlich nicht auf die Idee, das Fach sei eine verstaubte Angelegenheit.

„Volker Scherliess begeisterte nicht nur in seinen Vorlesungen, sondern auch in seiner legendären öffentlichen Vorlesungsreihe ‚Werkstatt Musikgeschichte’ Generationen von Studierenden und Konzertbesuchern mit seinen profunden und humorvollen Einblicken in die Welt der Musik“, heißt es weiter aus der Musikhochschule Lübeck.

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1945 in Osterode (Harz) geboren, ist Scherliess nun 76-jährig in Lübeck gestorben. Er hatte in Hamburg Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie studiert. So verwundere es nicht, dass er sich in seinen Forschungen und Publikationen immer wieder den Beziehungen zwischen Musik und Literatur und Musik und bildender Kunst gewidmet habe.

Scherliess’ Einsatz für Emil Nolde und Eduard Erdmann

Auch Schleswig-Holstein gewann Bedeutung für ihn. 2009 erschien sein Buch über „Nolde und Erdmann“, zwei Persönlichkeiten, die ihn besonders fasziniert und geprägt haben. Mit großer Leidenschaft engagierte er sich von 1996 bis 2020 im Kuratorium der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, die ihm dafür die Ehrenmitgliedschaft verlieh. Seit 2007 war Scherliess zudem assoziiertes Mitglied der Max-Planck-Research-Group „Das wissende Bild“ am Kunsthistorischen Institut des Max-Planck-Instituts in Florenz, wo er zu Darstellungen von Musikinstrumenten bei Georg Philipp Harsdörffer forschte.

Prof. Volker Scherliess (1945 – 2022) Quelle: Dematon

Scherliess sei von italienischer Kultur fasziniert gewesen. Fünf Jahre widmete er sich als Stipendiat in Rom der italienischen Musik, später arbeitete er am dortigen Deutschen Historischen Institut. Nach einer Assistenz in Tübingen wurde er 1979 als Professor an die Staatliche Hochschule für Musik Trossingen berufen, Gastdozenturen führten ihn auch an die Universitäten Freiburg und Basel.

Monografien über Rossini, Alban Berg und Igor Strawinsky

Sein Hauptinteresse habe der Musik des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts gegolten. Unter den zahlreichen Publikationen, die Scherliess vorlegte und die von seinem weiten Forschungsspektrum zeugen, ragen Monografien über Gioacchino Rossini, Alban Berg und Igor Strawinsky sowie der Band über „Neoklassizismus – Dialog mit der Geschichte“ heraus.

Darüber hinaus publizierte er unter anderem auch über Fragen der Aufführungspraxis bei Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms, Mahler und Strawinsky. Von besonderer Bedeutung für sein musikalisches Verständnis und seine Arbeit war die Beschäftigung mit dem Leben und Schaffen des Pianisten und Komponisten Eduard Erdmann – einige seiner Werke brachte Scherliess mit Studierenden erstmals oder wieder zur Aufführung.

Lübecker Abendmusiken und Thomas Mann

Auch Lübecker Themen griff er in seinen Veröffentlichungen auf wie die „Geschichte der Lübecker Abendmusiken“ und „Thomas Mann und die Musik“. Noch zu seinem 75. Geburtstag erschien im vergangenen Jahr sein letztes Buch „,Werkstatt Musikgeschichte‘ – Annäherungen an Musik und Musiker“, ein Sammelband mit Reden, Vorträgen und Einführungen, die er in seinen Jahren in Lübeck gehalten hat.

Die Musikwelt habe einen eigenwilligen, höchst originellen Musikforscher verloren, so die Musikhochschule. Seinen Studierenden werde Volker Scherliess als prägender Lehrer in Erinnerung bleiben, der mit außerordentlichem Wissen, Witz und Humor inspirierte und begeisterte und mit Warmherzigkeit förderte. Die MHL werde ihm als herausragendem Menschen, Forscher und Pädagogen stets ein ehrendes Andenken bewahren.

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