Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kultur Tradition, modern und luftig
Nachrichten Kultur Tradition, modern und luftig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:37 25.02.2019
Von Thomas Richter
Das Magda Brudzińska Klezmer Trio mit Magda Brudzińska (Gesang, Bratsche), Marcin Wiercioch (Akkordeon) und Piotr Południak (Kontrabass) gastierte im voll besetzten Roten Salon der Pumpe. Quelle: Manuel Weber
Anzeige
Kiel

Der erste Eindruck:

Von dem russischen Komponisten Schostakowitsch ist folgender Satz überliefert und wird gerne zitiert „Jede Volksmusik ist schön, aber von der jüdischen muss ich sagen, sie ist einzigartig! Sie ist so facettenreich, kann fröhlich erscheinen und in Wirklichkeit tief tragisch sein. Fast immer ist es ein Lachen durch Tränen.“ Dem ist in Bezug auf den Gig des phänomenalen Magda Brudzińska Klezmer Trios mit Magda Brudzińska (Gesang, Bratsche), Marcin Wiercioch (Akkordeon) und Piotr Południak (Kontrabass) wirklich kaum etwas hinzuzufügen.

Die Musik:

Viele Lieder klingen in der Tradition der aschkenasischen Juden, also der mittel-, nord- und osteuropäische Juden und ihrer Nachfahren. Aber auch Musik der jüdischen Roma (Gipsy-Music) etwa aus Rumänien, Mazedonien oder Südserbien ist zu hören. Wie es wohl nur die Klezmer-Musik vermag, malen die Klänge und die in jiddischer Sprache gesungenen Texte eindringliche Bilder von der wechselvollen, oft leidvollen Geschichte der Juden. An anderer Stelle berichten sie aber ebenso – und oft sehr zärtlich – von Zwischenmenschlichkeit, Nähe und Familie. Häufig scheint es dann wirklich so, als stünden die Noten im direkten Gegensatz zur Emotion. Denn dankenswerter Weise gibt die charmante Frontfrau auf Englisch immer eine kurze Einführung in das nächste Lied. Wir wissen also, worum es geht. Gerne singt Magda Brudzińska mit ihrer farbenreichen, klaren sehr ausdrucksstarken Stimme von der Liebe. Einige Lieder erzählen eine fröhliche Geschichte, andere eine traurige. Die Musik kann dabei melancholisch seufzen, neckisch tirilieren, wortreich schwelgen, mit viel Chuzpe spötteln oder überschwänglich tanzen. Es klingt nach Sehnsucht, nach  Hoffnung und Wehmut, aber auch nach Mut, Optimismus und Lebenslust. Für stimmungsmäßige Highlights sorgten zudem sorgfältig eingestreute, allseits bekannten Klassiker wie "Donna, Donna" oder "Bei mir bis du scheen".

Anzeige

Das Publikum:

Natürlich waren es viele Mitglieder der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, die die Sitzplätze füllten. Einige zeigten sich wohl auch deshalb sprachlich, inhaltlich und musikalisch mit den Liedern vertraut. Und die Gäste konnten auch im Sitzen ordentlich Stimmung machen, bejubelten den wunderbaren Vortrag des Trios, wobei gerade die Tänze und rhythmisch stark akzentuierten Stücke auf viel Gegenliebe stießen. Am Ende dann erfüllte auch gemeinsames Mitklatschen den Roten Salon, der sich hier auch in etwas ungewohntem Kontext als wunderbare Herberge auszeichnete.     

Was in Erinnerung bleibt:  

Das Programm durchleuchtet die musikalischen Gebräuche und Themen des Klezmer stilsicher, musikalisch extrem ausgereift, packend und authentisch. Zudem haftet den Arrangements zuweilen etwas wunderbar chansonhaftes, jazziges, fast poppiges an. Insgesamt wirkte der Abend daher auch ausgesprochen modern und luftig.

Fazit:

Tradition trifft auf Moderne. Unbedingt wiederkommen.