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Kultur Marc Breitfelder auf der KN-Bühne
Nachrichten Kultur Marc Breitfelder auf der KN-Bühne
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20:16 25.03.2020
Von Thomas Bunjes
Solo in der Kundenhalle der Kieler Nachrichten mit prall gefülltem Instrumentenkoffer: Marc Breitfelder. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

"Station To Station" heißt die bluesige Eigenkomposition des Kieler Bluesharp-Cracks. Passt natürlich zu einer Eisenbahn, sei aber auch eine kleine Reminiszenz an das verblichene Kieler Stadtmagazin desselben Namens, erzählt Breitfelder im Anschluss. In diesem Track vereint er vieles von dem, worüber er zuvor in einer knappen halben Stunde referiert hat. Denn Breitfelder, der live meist im Duo mit dem Kieler Pianisten Georg Schroeter agiert, hatte sich spontan gegen ein reines Solokonzert („Musik ist für mich auch Interaktion“) und für ein mit Klangbeispielen gespicktes Lehrstück über die Bluesharp entschieden. Schöpft aus 40 Jahren Spielerfahrung, erklärt, warum Konsonanten eine wichtige Rolle bei der Bluesharp spielen, demonstriert, was „dirty“ spielen heißt und streift Innovatoren wie Little Walter oder Howard Levy und Breitfelder selbst mit seinem Overblowbending, das er 2006/2007 entdeckt hatte, weil Dreck in seine Harp geraten war und die plötzlich schief klang.

Mundharmonika-Vorläufer bis zu drei Meter groß

Wir erfahren Verblüffendes. Etwa, dass die Mundharmonika aus Asien stammt, Tausende von Jahren alt ist und ganz anders aussah, aus Bambus und teils zwei bis drei Meter groß. Dann Anfang des 19. Jahrhunderts Österreicher das Instrument in China fasziniert gehört und importiert hätten. Dass irgendwem dann eingefallen sei, Metallzungen in Spazierstöcke einzubauen und den Wind die Töne pfeifen zu lassen. Dass ein Mann namens Josef Richter auf die Idee kam, zehn dieser Stöcke aneinander zu bauen. „Und das“, sagt Breitfelder, „ist jetzt diese Mundharmonika, die ich hier in der Hand halte.“ Nun ja, fast.

Frei vom Hocker aus dem Bluesharp-Kästchen

Informativ und und unterhaltsam plaudert Breitfelder frei vom Hocker aus dem Bluesharp-Kästchen, greift rüber zum echten aus Holz mit der Standard-Bestückung, zupft das gerade passende Instrument heraus. Spielt Hänschen klein, erst ganz schlicht und demonstriert später, wie cool das Kinderlied klingen kann, wenn es in den Blues getaucht wird. Denn nachdem sich die Mundharmonika schnell auf dem Globus verbreitet hatte, fand sie in den USA vor allem unter den Afroamerikanern viele Freunde, weil sie erschwinglich und in den Gemischtwarenläden zu kriegen war. Und als sie mehr auf den Zieh-Tönen spielten, entdeckten sie, dass sie dem Instrument den typischen Blues-Sound beibringen können.

Spenden für die freie Kunst

Die „KN-Bühne“ lädt täglich auf KN-online zur Vorstellung und bietet den vom Veranstaltungsverbot der Corona-Krise schwer betroffenen freien Künstlern eine Plattform. Spenden für die Künstler sind erwünscht: auf dem Spendenkonto „KN hilft e.V.“ bei der Förde Sparkasse (Konto DE05 2105 0170 1400 2620 00 (Förde Sparkasse). Die Spenden werden wöchentlich unter den auftretenden Künstlern aufgeteilt.

Die KN-Bühne gibt es täglich (außer montags) auf der Kulturseite von KN-online. Am 26. März 2020 um 20 Uhr ist die Schauspielerin Anke Pfletschinger zu sehen.

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Wegen Corona: üben daheim und Online-Workshops

Schon vorm Auftritt hatte Breitfelder reichlich Wasser getrunken, danach leert er noch zwei kleine Flaschen. Trinken sei wichtig, weil der Speichel sonst zu zähflüssig werde und die Ventile verklebe. Er vertreibe sich die durch die Corona-Pandemie auftrittslose Zeit mit Üben und kostenlosen Mundharmonika-Online-Workshops per Livestream. Außerdem sammle das Blues-Duo online seit Dienstag Geld in eigener Sache zwecks finanzieller Überbrückung (https://paypal.me/georgundmarc). Mittwochnachmittag waren vom Spendenziel 6000 Euro, die beiden mitsamt Nebenkosten für etwa zwei Monate reichen würden, schon knapp 2000 Euro erreicht. Die Fanbase des Duos ist sehr stabil.

So funktioniert die Teilnahme

Freie Künstler, die mit einem Auftritt auf der KN-Bühne auf sich und ihre aktuell prekäre Lage aufmerksam machen wollen, können sich unter der Mailadresse kulturredaktion@kieler-nachrichten.de melden (bitte mit Telefonnummer). Bei weiter verschärften Ausgangsbestimmungen sind Video-Aufnahmen nicht nur in der KN-Kundenhalle, sondern auch bei den Künstlern denkbar. Und: Wer einen bühnenreifen Beitrag beisteuern will, kann nach Absprache auch selbst ein aktuelles Video (Länge: 15 bis 30 Minuten) einsenden, das wir dann auf die KN-Bühne heben. Dafür bitte zunächst Kontakt per Mail aufnehmen.

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