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Kultur Ein Neubau, der Wege weist
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22:07 17.11.2016
Von Konrad Bockemühl
Der kaufmännische Vorstand Guido Wendt, die Architekten Roland Lehnen und Philip Norman Peterson sowie der Leitende Direktor der Landesmuseen auf Schloss Gottorf, Claus von Carnap-Bornheim, mit einem Modell des geplanten Anbaus am Schloss Gottorf vor dessen Ostflügel. Quelle: dpa
Schleswig

Der leitende Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen und sein Kaufmännischer Geschäftsführer Guido Wendt schwärmten auch eine Woche nach dem positiven Förderbescheid aus Berlin noch von dem „gewaltigen kulturpolitischen Signal“: Bund und Land stellen jeweils 15,6 Millionen Euro für die Umsetzung des Masterplanes „Gottorf 2025“ bereit. Damit ist jetzt nicht nur der auf rund neun Millionen Euro Kosten veranschlagte Neubau am Ostflügel gesichert – das ganze Verfahren kann beschleunigt angegangen werden. Es soll der Schleswiger Schlossinsel binnen zehn Jahren einen neuen Schliff und eine neue Mitte bescheren: Das Barockschloss mit seiner „ikonenhaften“ barocken Südfassade steht auch weiterhin im Vordergrund. In den Mittelpunkt jedoch rückt, erst beim Blick um die Ecke zu sehen, der transparent gehaltene Neubau als zentrales Eingangsgebäude nicht nur für das Schloss, sondern auch für die anderen Ausstellungsgebäude bis hin zum Barockgarten. Mit einem großzügigen Foyer, einem Veranstaltungsraum mit 350 Plätzen im überdachten „Innenhof“, einem Vortragssaal, einer klimatisierten Wechsel-Ausstellungsfläche von rund 300 Quadratmetern sowie oben einem Restaurant mit bestem Ausblick wirkt der markante Neubau nicht nur von außen, sondern noch nachhaltiger nach innen.

Der Lageplan zeigt im Zentrum der Schlossinsel den Neubau mit überdachtem Innenhof. Er soll neue Wege ins Schloss und zu den anderen Ausstellungsbauten wie Galerie der klassischen Moderne, Kreuzstall und Reithalle weisen. Der Parkplatz soll ostwärts verlegt werden. Die Zufahrt bietet weiterhin einen unverbauten Blick auf die Südfassade. Quelle: SHLM

 Von hier aus führen künftig die Wege in die renovierte Dauerausstellung von Archäologischem Museum und Museum für Kunst und Kulturgeschichte, die ebenfalls neu geordnet werden: Die Archäologie zieht komplett nach unten, die Kunst ins erste und zweite Obergeschoss, aus dessen Flächen sich wiederum die Verwaltung ins dritte Geschoss verlagert. Die Moorleiche, erläutert Architekt Philip Norman Peterson vom Büro Holzer Kobler Architekturen (Zürich/Berlin) wird künftig im Sockelgeschoss unmittelbar anzusteuern sein, während man oben mehr Raum für die Kunst schaffen will. Mehr Raum bedeutet bei 8000 bis 10000 Quadratmetern Ausstellungsfläche allerdings auch eine gewisse Konzentration bei den unzähligen Exponaten. Architekt Robert Lehnen will Platz für Kontexte schaffen und überhaupt Räume in ihren beachtlichen Dimensionen besser wirken lassen. Da wird noch an Details gearbeitet. Und da gibt es auch weniger Zeitdruck: Bevor die „Frischzellenkur“ für das Schloss beginnt, soll zunächst der Erweiterungsbau stehen.

 Unstrittig ist, dass sich die Renovierung stark an den Reaktionen einer Besucherbefragung orientiert, dass man Rundgänge schafft und Sackgassen abschafft, klare Orientierung bietet, Barrieren ab- und neue Aufzüge baut. Inhalte sollen zeitgemäß vermittelt werden. Von Carnap zitierte gestern einen Museumsführer von 1949, der für die ersten fünf Räume bis heute gilt: 65 Jahre hat sich hier nichts verändert. Höchste Zeit zum Handeln. In diesem Sinne wird der Masterplan seit dreieinhalb Jahren vorbereitet, und in allen Schritten auch vom Landesdenkmalpfleger begleitet. Gerade, sagt von Carnap, hätte der Landtag klare Zustimmung zu den Gottorfer Plänen signalisiert, und auch aus der Stadt Schleswig fand man in diversen Runden breiten Rückhalt.

 Dass der Anbau sich der heutigen Nutzung des Schlosses zeitgemäß anzupassen und eben auch unterzuordnen hat, steht für die Architekten außer Frage. Auch auf Gottorf hätten die verschiedenen Phasen als herzögliches Schloss, als Militärakademie und später Lazarett die Architektur geprägt, heute sei es das Museum. Die neue, ebenmäßige Architektur richtet sich konsequent auf den historischen Baukörper hin aus. Petersen spricht vom „Missing Link“: Der Entwurf will verbinden und möglichst wenig verdecken: Bisher herrschte an diesem zugig-schattigem Ort eher Hinterhofatmosphäre. Künftig steht hier die Zentrale der Schlossinsel.

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