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Kultur Umsichtig gedrechselt
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18:36 12.12.2016
Von Sabine Tholund
Trotz Erkältung in Plauderstimmung: Max Goldt. Quelle: ehr - Marco Ehrhardt
Kiel

Mit strengem Blick schickt er die Botschaft in die nicht komplett besetzten Zuschauerreihen und klingt fast ein bisschen beleidigt. „Das sollte man natürlich nicht denen vorwerfen, die da sind“, räumt er gleich darauf leutselig ein. „Aber man soll auch nicht so tun, als ob es einem egal wäre.“ Weil er sich über bedrohlichen Publikumsschwund sicher keine ernsthaften Sorgen machen muss, gerät der für seinen subtil-süffisanten Humor bekannte Schriftsteller und Kolumnist aus Berlin jedoch bald ins Plaudern. Eine Erkältung zwinge ihn, seine Stimme zu pflegen, weshalb er sich habe Tee kommen lassen, erzählt er, kleckert ein wenig und liest aus seinen jüngsten Werken.

 In diesem Jahr erschienen ist "Lippen abwischen und lächeln", ein Sammelband, der im Untertitel ohne falsche Bescheidenheit verheißt, „die prachtvollsten Texte von 2004 bis 2013“ zu beherbergen. „Darin steht alles, was ich aus dieser Zeit noch gut finde“, so der Meister und scheint sich zu wundern, wie dick das Buch geworden ist. Wer seine literarische Laufbahn verfolgt, die unter anderem 2008 mit dem Kleist-Preis und dem Hugo-Ball-Preis ausgezeichnet, in diesem Jahr gar mit dem „Göttinger Elch“ gekrönt wurde, verblüfft die umfangreiche Ausbeute „prachtvollster“ Elaborate weniger. Denn die umsichtig gedrechselten Texte von Max Goldt sind immer wieder (oder immer noch) umwerfend.

 Unter dem Brennglas des spöttischen Beobachters untersucht der 58-Jährige Alltägliches auf skurrile Bestandteile und erfindet für seine liebevoll präparierten Fundstücke gern neue Kontexte, die das Ganze auf die Spitze treiben. Mit kunstvoll aneinandergereihten Internet-Kommentaren aus Hotel-Portalen entlarvt er die Meckerfreudigkeit seiner Landsleute oder entwirft durch eine großartige Zusammenstellung idiotischer Werbeklischees das Bild einer haarsträubend glücklichen Familie. Hübsch sind auch seine Überlegungen zur Etablierung einer neuen Festtagsreihe, die er in Anlehnung an Ostern „Masern“ tauft – eigentliche eine versteckte Protestschrift gegen „sinnlos zerdehnte christliche Hauptfeste“, die eine durchschnittliche „Sippe“ vor dem Fernseher verbringt. Letzterer biete zu diesem Anlass wie üblich ausschließlich „westdeutsche Filme aus den 50er Jahren“. Und was in denen so passiert, liefert er anhand einer so köstlichen wie treffenden „Genre zusammenfassenden Nacherzählung“ um einen Witwer, der mit drei hübschen Töchtern in eine Kleinstadt zieht, gleich mit. Was alles geschieht, bis die ständig „Vati, Vati“- skandierenden Töchter am Ende „alle heiraten“, soll an dieser Stelle nicht berichtet werden. Max Goldt kann das viel besser.

Wo soll man da bloß anfangen, das fast dreistündige Konzert von Georg Ringsgwandl mit „sauberer Musik und dreckigen Geschichten“ im ausverkauften Kulturforum zusammenzubringen? Eins ist jedenfalls sicher: Sein Auftritt, begleitet von seiner famosen Band, bescherte dem Kieler Konzertjahr kurz vor Schluss noch einmal ein echtes Highlight.

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