Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kultur Axel Milberg liest aus "Düsternbrook"
Nachrichten Kultur Axel Milberg liest aus "Düsternbrook"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:01 07.05.2019
Von Thomas Richter
Axel Millberg las in Kiel zusammen mit Olaf Petersenn aus "Düsternbrook". Quelle: Marco Ehrhardt
Anzeige
Kiel

Gewaltiger Applaus empfing den Charakterschauspieler und Darsteller des Kieler Tatort-Kommissars Borowski gleich zu Beginn der Veranstaltung. Für die Vorstellung seines Debütromans, der eben dort spielt, wo der allseits beliebte Mime aufgewachsen ist, hat sich Milberg seinen Lektor Olaf Petersenn mit auf die Bühne geholt. Allerdings löst sich das Frage-Antwort-Spiel der beiden, das den Abend strukturieren und Hintergrundwissen bieten soll, nicht immer ein, verliert sich der Autor zuweilen in recht weitschweifigen Antworten.

Wie eine Kinderzeichnung von Stadt, Land, Fluss

Milbergs Erzählstil dagegen ist süffig, von großer Leichtigkeit und gleichwohl kompositorischer Dichte. Die genauen Beschreibungen von den Straßen, Plätzen, Läden, Häusern und natürlich Menschen Kiels sind kein Selbstzweck, sie bedienen keinen Fotorealismus. Wenn der Schauspieler schreibt, die Sommer seiner Kindheit in Kiel seien wie „eine Kinderzeichnung von Stadt, Land, Fluss“, dann sagt das viel über die Fasson des Buches.  Auf diese Weise „zeichnet“ Axel Milberg Erlebnisse, Begegnungen und Charaktere. 

Anzeige

Lesen Sie auch: So liest sich der neue Roman von Axel Milberg

So zum Beispiel die Folgen eines Gastvortrags Erich von Dänikens in der Aula der Kieler Gelehrtenschule. Schüler Milberg ist danach überzeugt, dass Außerirdische ein besonderes Auge auf Düsternbrook geworfen haben, da, „wo sich die große Welt im Kleinen spiegelt.“

Ein Foto mit Borowski

Schon in der Pause der weit über zweieinhalbstündigen Veranstaltung bildet sich eine endlose Schlage am Signiertisch. Der Star gibt sich locker und geduldig, schreibt und schreibt und hat noch nette Worte übrig. Unzählige Handys werden gezückt, immer mal wieder schummelt sich jemand an seine Seite - ein Foto mit Borowski, super.

Tina Fehrke und Freundin Nicola Erhard finden den Abend unterhaltsam und genießen das Lokalkolorit der Geschichten. Allerdings wunderten sie sich, dass Milberg bei seinem „Heimspiel“ nicht deutlicher auf das hiesige Publikum eingeht. Etwas mehr Leseanteile und etwas weniger „Talkshow“ würden sie sich ebenfalls wünschen. Lektor Petersenn muss das kurze Gespräch wohl belauscht haben. Denn am Ende der Veranstaltung strich er eine weitere Interview-Passage zugunsten eines Lesekapitels, das dann auch den bezeichnenden Titel „Der letzte Kuchen“ besaß. Es ging um die Einweihung eines Backhauses, auf einem Herrenhof in Quarnbek. Der junge Milberg beißt beherzt in ein Stück Pflaumenkuchen („ frisch vom Blech, es gibt nichts Besseres“), was seine Cousine zum Anlass nimmt, den Buben darüber aufzuklären, dass in just diesen Leckerbissen der Bäcker seine Finger gekrallt habe, als er einen Herzanfall erlitt …

Die Sache mit dem Kuchen

Was sich wohl Perdita Wietzke-Braun bei dieser Geschichte gedacht haben mochte. Schließlich hat sie auch so ihre Erfahrungen mit dem Schauspieler und leckerem Backwerk. Es sei vor einigen Jahren gewesen, erinnert sie sich im Gewirr am Büchertisch. Bei einer Veranstaltung auf einem Gut am Nord-Ostsee-Kanal habe sie das letzte Stück eines köstlichen Stachelbeer-Baiser-Kuchens auf dem Buffet erblickt und sich die Köstlichkeit mit den Worten „das ist meins“, greifen wollen. „Das wird wohl schwierig werden“, habe plötzlich ein Mann neben ihr geflüstert. „Das war der Axel Milberg“, strahlt die Frau und hält dabei ihr „Düsternbrook“ fest in der Hand, „der wollte das auch haben“. Nach einer kurzen Unterhaltung, habe man sich das Stück dann  „geschwisterlich geteilt.“

Kultur Talk mit Alice Phoebe Lou - Kein Support für James Blunt
Thomas Bunjes 06.05.2019