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Kultur Michael Bublé, der Meister der Gefühle
Nachrichten Kultur Michael Bublé, der Meister der Gefühle
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16:17 01.11.2019
Von Christian Longardt
Michael Bublé bei seinem Konzert in der Hamburger Barclaycard Arena. Quelle: JAZZ ARCHIV HAMBURG
Hamburg

Die Bühne mächtig, ein Laufsteg mitten hinein in die Arena, ein 35-köpfiges Orchester – bei Michael Bublé ist alles ganz groß. Jede Menge musikalische Zuckerwatte hat er mitgebracht, ein Dutzend Streicherinnen und eine Bläsergruppe, die den Saal vibrieren lässt. Doch dem Mann mit dem Vollbart, dem mehrfachen Grammy-Gewinner gelingt es, auch in diesem XXL-Setting Nähe zu schaffen. „Love“ heißt die Tour, so wie jüngstes Studio-Album. Und Liebe, das verspricht er, will er seinem Publikum an diesem Abend „zehnfach zurückgeben“.

Man nimmt Michael Bublé ab, dass es ihm gut geht

Blauer Anzug, Krawatte, Lackschuhe, so steht der 44-Jährige vor seiner Big Band.  Feeling Good ist die erste Nummer, und man nimmt dem Kanadier ab, dass es ihm gut geht. Vielleicht gerade deshalb, weil er andeutet, welchen Stress so eine Tour macht. Gestern Berlin, vorgestern Hannover, es folgen Köln, Leipzig, München – da darf man schon mal müde sein. Doch auf der Bühne ist davon nichts zu spüren. Bublé tänzelt, macht Gags und Selfies, flirtet mit den Fans, die er nicht Fans nennen will, sondern „seine Familie“. Er will kein Star sein, doch er ist einer: ein ganz großer. Vielleicht der größte Entertainer, den die Musik-Welt derzeit kennt.

Lässig ist das, cool und unangestrengt

Witzig kann der Mann aus Vancouver sein, herzlich, charmant sowieso, aber die Leute kommen wegen seiner Stimme, und die ist tatsächlich einzigartig. Sie meistert locker alle Klippen der Klassiker des Swing, die weite Teile des Konzerts bestimmen, und behauptet sich jederzeit gegen das kräftige Orchester. Lässig ist das, cool und unangestrengt. Love You Anymore hat er mit Charlie Puth geschrieben, moderner, wunderschöner Pop. Forever Now ist seinen Kindern gewidmet. When I Fall In Love, das ist pures Hollywood und schmerzt schon fast. Bublé, der Meister der Gefühle.

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Das Konzert in Hamburg ist für ihn wie bezahlter Urlaub

In seltenen Momenten übertreibt es die Regie mit dem Honig – zu Home flimmern Videos über die LED-Wände, die an Werbespots von Versicherungen erinnern. Da hilft es enorm, dass Bublé die Temperatur spielerisch leicht regulieren kann, von Kitsch zu Komik braucht es manchmal nur Sekunden. Wenn er über die Liebe zur Ehefrau und zu den drei Kindern spricht, die mitgereist sind, dann klingt das nicht aufgesetzt, sondern aufrichtig; das Konzert sei für ihn wie „zwei Stunden bezahlter Urlaub“, scherzt der Papa und erzählt, wie viele Nerven ihn seine spielenden Kinder gerade im Hotelzimmer gekostet haben.

You Are Always On My Mind singt Bublé zum Schluss, und das gilt gewiss auch umgekehrt. Den Abend werden die Fans, sorry: wird seine Familie so schnell nicht vergessen.

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