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Kultur Mini-Oper von Händel beim SHMF
Nachrichten Kultur Mini-Oper von Händel beim SHMF
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18:28 10.07.2013
Von Christian Strehk
Christiane Karg (li.) als Aci und Hilary Summers als Galatea. Quelle: Enger
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Hamburg

Für den zweiten Höhepunkt in der SHMF-Ausgrabung der italienischen Frühfassung von Georg Friedrich Händels „Serenata“ Aci, Galatea e Polifemo HWV 72 sorgte der einst im Opernstudio der Staatsoper Hamburg aufgeblühte Sopranstar Christiane Karg: Ihre „Vogel-Arie“ Qui l’augel da pianta begeisterte wortwörtlich mit dem schmachtenden Gegensatz von „süßem Gesang“ und betrübtem Schmerz. Da glitzerte Belcanto-Kunst vom Feinsten.

 Die walisische Mezzosopranistin Hilary Summers erreichte solche Gipfel als doppelseitiges Zielobjekt der Liebesschwüre nicht. Ihre Galatea enttäuschte outriert im Agieren und (in der zugegeben wenig hilfreichen Sprechtheater-Akustik des Ernst-Deutsch-Theaters) spröde im Gesang; letzteres sogar mit dem merkwürdigen Ansatz, ausgerechnet die klanglichen Problemzonen von Countertenor-Stimmen zu imitieren.

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 Auch Peter Schmidts „Set-Design“ blieb diesmal nur Kulisse, korrespondierte nicht wirklich vielsagend mit den viertelszenisch aufbereiteten Inhalten. Auch die Kostüme sahen mehr nach Raubzug im Fundus als nach kühnem Design aus.

 Das Elbipolis Barockorchester Hamburg unter Jonathan Cohen spielte die Musik des halbstarken Italienreisenden vom Beginn des 18. Jahrhunderts zunächst steif und mit einer grenzwertig windschiefen Barockoboe. Internationales Festivalniveau wurde so mehrfach verfehlt.

 Zudem blockierte das Instrumentalensemble die Bühne. Die herangekarrten 40 Baumschulen-Zypressen, die die Atmosphäre des herzöglichen Gartens bei der Uraufführung 1708 suggerieren sollten, fühlten sich zwangsläufig traurig an den Rand gedrängt. Auch die videoprojizierte Flora, schlängelnde Fauna und marmorne Skulpturenwelt auf dem Hintergrund-Prospekt (in der Mitte durchgehend unscharf!) riss das nicht raus. Gut also, dass da diese zwei Arien waren und ein putzmunteres Finalterzett das müde geschwitzte Publikum doch noch in Brand setzte.