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Kultur Lasse Wagner erobert die KN-Bühne
Nachrichten Kultur Lasse Wagner erobert die KN-Bühne
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20:00 31.03.2020
Von Ruth Bender
Lasse Wagner nimmt die KN-Bühne als Probensituation - hier mit einem Ausschnitt aus Botho Strauß' "Trilogie des Wiedersehens". Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Seltsam verloren steht der Schauspieler da; und plötzlich spürt man es sehr deutlich: die Ungewissheit der Prüfungssituation, dazu das Ausgeliefertsein, ein diffuses fremdes Big-Brother-Gefühl.

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Der Schauspieler, bis Ende der vergangenen Spielzeit im Werftpark-Ensemble engagiert, setzt sein Spiel nicht einfach in den Raum; er benutzt ihn, baut ihn ein in den Auftritt, macht ihn vom anonymen zum bestimmten Ort – und lässt dabei erstmal die Leere und das Ungewohnte der Situation spüren. „Ist schon komisch, ohne Publikum zu spielen“, sagt er später, „eigentlich wie zu Hause, wenn ich einfach rumgehe und mich auf einen Auftritt vorbereite.“ Das Publikum ist ihm wichtig: „Deshalb spiele ich ja Theater. Und ich mag es, das Publikum direkt anzusprechen, Kontakt mit den Zuschauern aufzubauen.“

Das ist die KN-Bühne

Die KN-Bühne lädt täglich auf KN-online zur Vorstellung und bietet den vom Veranstaltungsverbot der Corona-Krise schwer betroffenen freien Künstlern eine Plattform. Spenden für die Künstler sind erwünscht: auf dem Spendenkonto „KN hilft e.V.“ bei der Förde Sparkasse (Konto DE05 2105 0170 1400 2620 00). Die Spenden werden wöchentlich unter den auftretenden Künstlern aufgeteilt.

Die KN-Bühne gibt es täglich (außer Montags) auf KN-online. Am 1. April 2020 um 20 Uhr ist der Gitarrist Rainer Bublitz zu sehen. 

Spielen in surrealen Zeiten

Dafür muss diesmal die Kamera herhalten. Und die wird schnell zum unmittelbaren Gegenüber, dem Wagner hier als angehender Schauspielschüler aufregende Proben seines Könnens bietet. Richard zum Beispiel, der Drucker, der in Botho Strauß’ Theaterstück Trilogie des Wiedersehens (1977) zwischen Klatsch und Tratsch auf einer Vernissage versucht, sein Leseerlebnis der vergangenen Nacht ans Publikum zu bringen. Ein fahriger, begeisterungsfähiger Typ, der sich zusehends im Fluss von Realität, Erinnerung und Fiktion verläuft. Die Rolle in der Rolle in der Rolle. Leicht surreal, die Situation.

Oder Woyzeck. Auch der ein Ausgesetzter; und die Figur von Georg Büchner hat Lasse Wagner in seinem Monolog für die Gegenwart tauglich gemacht. Er ist der Loser neben Andres, dem Grenzschützer am Rand Europas. Dafür hat Woyzeck die Liebe gefunden. Mit Marie. Das volle Programm: Schlendern, Pommes mit Mayo, der erste Kuss, ein Kind. Vater ist Wagner selbst erst vor ein paar Monaten geworden. Er baut das eigene Erleben und die heutige Welt in die Rolle ein, was der Figur eine eigene Wahrhaftigkeit gibt.

Rückblick

Videos zu den einzelnen Auftritten

Die Lust an der Entschleunigung

„Natürlich ist es blöd, dass jetzt eine Gage wegfällt“, erzählt er nach dem Auftritt, „aber Geldmangel macht mir keine Angst. Und eigentlich gefällt mir gerade die Entschleunigung.“ Was fehlt, sind die Besuche beim Vater in Klausdorf, die Umarmungen mit den Freunden. „Dafür kann ich als Vater dem Lütten beim Aufwachsen zuzusehen.“

Am Ende der emotionalen Achterbahnfahrt singt Lasse Wagner noch von Hoffnung und Gerechtigkeit, melancholisch in bester Liedermachertradition. „Ich habe nichts gegen eine kleine Message“, grinst er. Oder Spiegel der Gesellschaft zu sein. Vor allem im Kinder- und Jugendtheater: „Vor allem bei den Jugendlichen ist unfassbar, was einem da an Power und Energie entgegenkommt. Und Theater und Musik sind doch dazu da, darüber zu reden – oder darüber zu streiten.“

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