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Kultur Mona Harry: Energie auf der KN-Bühne
Nachrichten Kultur Mona Harry: Energie auf der KN-Bühne
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20:00 21.04.2020
Von Ruth Bender
Mit Wort und Energie: Mona Harry auf der KN-Bühne. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Es ist alles eine Frage der Perspektive: Das Platschen, Pladdern und Prasseln von Regentropfen, das die Radtour zur Tortur macht – oder zur Sinfonie. Die heftige Brise gegenan, die vielleicht „doch bloß Himmel ist, der sich verlaufen hat“. Mona Harry holt die Sprache aus der festgelegten Eindeutigkeit, lässt Bilder so und anders erscheinen. Die preisgekrönte Poetry-Slammerin füllt die KN-Bühne mit lebhafter Präsenz und starken Texten. Und es hat etwas ausgesprochen Sportliches, kurz vor dem Start, wie die 28-Jährige sich in ihren Laufschuhen locker macht, dann loslegt und durch die Texte rauscht. Slam eben.

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Texte wie Songtexte

„Der Rhythmus hilft, aber ich muss das schon lernen“, sagt sie, „und wenn ich einen Text auswendig kann, dann hab’ ich ihn auch sicher. Das ist wie ein Songtext, den man mal auswendig gelernt hat.“ Fünf Stücke hat Mona Harry ausgesucht, von der sehr aktuellen Sehnsucht nach Draußensein über Vorurteile oder das witzige Road-Abenteuer Mutproben, das mittlerweile auch zum Kinderbuch geworden ist, bis zur Liebeserklärung an den Norden. Die ist mit den „Unwetterschlachten“, „steifsten Brisen“ und „weichsten Wiesen“ sowieso fast schon ein Klassiker, eine Ode, fast schon pastoral, aber mit ein paar Löffeln Rauheit versetzt.

Sie spielt mit Alliterationen und Wortketten, mischt Erinnerung und Empfindung, türmt Zungenbrecherisches zu Wortkaskaden und verfestigt die Beobachtungen Eindruck zum schrägen Standbild. „Lass uns Mücken verprügeln und Erbeeren schlachten“ ist so ein Satz, der einen von Draußen träumen lässt und von unbeschwerten Zeiten.

Das ist die KN-Bühne

Die KN-Bühne lädt täglich auf KN-online zur Vorstellung und bietet den vom Veranstaltungsverbot der Corona-Krise schwer betroffenen freien Künstlern eine Plattform. Spenden für die Künstler sind erwünscht: auf dem Spendenkonto „KN hilft e.V.“ bei der Förde Sparkasse (Konto DE05 2105 0170 1400 2620 00). Die Spenden werden wöchentlich unter den auftretenden Künstlern aufgeteilt.

Sehnsucht nach Freundinnen und Kunsthalle

Die vermisst die Poetry-Slammerin, die nebenbei in Hamburg noch Philosophie und Kunst studiert, auch gerade: „Mal wieder mit den Freundinnen am Strand spazieren gehen und nicht auf Abstand achten, darauf freue ich mich, wenn das wieder geht.“ Ins Museum oder in die Kunsthalle würde sie auch gern mal wieder gehen – nicht nur, weil sie auch in der Museumspädagogik arbeitet und gerade für das Altonaer Museum eine „Wunderkammer“ konzipiert. „Gut, dass ich daran weiterarbeiten kann. Denn es fallen ja nicht nur Einnahmen weg, sondern auch ein tägliches Beschäftigtsein.“ Und natürlich sorgt sie sich um die kleinen Veranstaltungsorte, die Clubszene, die in der Corona-Krise weggebrochen ist und in der viele nicht wissen, wie sie die Miete zahlen sollen.

Im Text Mauern mauert Mona Harry Worte aufeinander wie Backsteine, macht die Sprache dicht und schwer. Auch das passt in die Zeit. Und es entwickelt seinen treibenden Sound. Klar, die Bühne, ihr Publikum, die Künstlerkollegen – das vermisst sie auch: Auch wenn es Online-Slams gibt – am Ende geht es um die Interaktion: „Und den Umgang, den brauche ich direkt.“

Diese Künstler standen schon auf der KN-Bühne - zu den Videos:

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Ruth Bender 21.04.2020
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