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Kultur Mit dieser Band hat Greta einen Song aufgenommen
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10:00 11.08.2019
Matt Healy, Sänger von „The 1975“ lehnt seinen Kopf auf die schmalen Schultern der Klimakämpferin Greta Thunberg. Das Foto stellt klar, wer der größere Popstar unserer Zeit ist. Quelle: Mara Palena
Hannover

Protest und Pop probieren es schon lange als Paar. Die Friedensbewegung und die 68er etwa wären ohne Songs wie Bob Dylans „Blowin’ in the Wind“, „Universal Soldier“ von Donovan oder „We Shall Overcome“ sicher anders verlaufen. Schließlich kann Musik viel besser Emotionen wecken, Sympathie erzeugen, Botschaften transportieren als das nackte Wort.

Gern wird sie auch mal als „Treibstoff für gesellschaftlichen Fortschritt“ bezeichnet. Der Klimaschutz allerdings muss seine eigene Note noch finden. Jetzt aber hat eine der beliebtesten Bands Englands – The 1975 – einen Song mit der Vorreiterin der Fridays-For-Future-Bewegung, Greta Thunberg, aufgenommen.

Es hat sich schon zu einem kleinen Ritual entwickelt, dass jedes Album der Musiker mit einem Track beginnt, der genauso heißt wie ihre Band. Hinter dem Song „The 1975“ versteckt sich immer etwas anderes. Nun haben sich die Briten für die Version ihres neuen, wohl im Frühjahr 2020 erscheinenden Albums „Notes on a Conditional Form“, im Juni mit Thunberg im Studio getroffen.

Eher eine von Musik umspielte Rede

Die 16-Jährige hat eine ihrer ernsten, eindringlich warnenden Reden eingesprochen, die hier von zurückhaltenden Ambientklängen begleitet werden. Es ist also eher eine von Musik umspielte Rede als ein wirklicher Song, der da jetzt seit einigen Tagen veröffentlicht ist.

Anders etwa als die Interpretation der Rede Martin Luther Kings durch die Jazzpianistin Anke Helfrich, in der sich die berühmten Worte des amerikanischen Bürgerrechtlers in die Musik einfügen, als wären Redner und Pianistin, Sprechgesang und Musik, eine Einheit.

Es ist eine der typischen Greta-Ansprachen, die hier zu hören ist. „Ja, wir scheitern, aber es ist noch Zeit, alles umzudrehen. Wir können das immer noch beheben. Wir haben immer noch alles in unseren eigenen Händen“, heißt es. Und sie fordert: „Es ist jetzt Zeit für zivilen Ungehorsam. Es ist Zeit zu rebellieren.“

In der Musikszene wird momentan allerdings weniger rebelliert als kollaboriert. Kaum ein Musiker, der auf die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern verzichtet. Wohin man zurzeit schaut, überall das sogenannte Featuring.

Ed Sheeran hat sich für sein neues Album, das passenderweise auch noch „No.6 Collaborations Project“ heißt, Musiker und Rapper wie Eminem, 50 Cent, Justin Bieber und Khalid ins Studio geholt. Und die Charts sind momentan voll von Featurings: Ufo361 feat. RAF Camora, Lil Nas X feat. Billy Ray Cyrus, Meduza feat. Goodboys, Juju feat. Henning May, um nur einige zu nennen.

Durch das gemeinsame Stück mit Greta werden sich The 1975 nun ein wenig selbst untreu. Die 2002 als Schülerband in Manchester gegründete Indie-Band hat stets solche Formen des gemeinsamen Musizierens abgelehnt. Dass sie nun für Greta Thunberg eine Ausnahme machen, zeigt, wie wichtig ihnen das Thema Klimaschutz ist.

Jetzt auch noch Popstar: Greta Thunberg, Klimaaktivistin aus Schweden, nimmt an einer Pressekonferenz im Rahmen des "Fridays For Future" Gipfel an der Universität von Lausanne teil. Quelle: Jean-Christophe Bott/Keystone/AP

Die Einnahmen aus dem Verkauf des Songs „The 1975“ sollen denn auch an die Klimaschutzbewegung Extinction Rebellion gehen. Auch wenn die Band sicherlich auch nicht traurig sein wird, dass der mittlerweile für viele große und strahlende Name Gretas auch ein wenig Licht auf die Band fallen lässt.

Denn dass nicht etwa Greta Thunberg sich glücklich schätzen darf, weil sie mit den Brit-Awards-Preisträgern und FIFA14-Soundtrack-Schreibern zusammenarbeiten darf, sondern es sich zumindest aus Sicht der Band andersherum verhält, zeigt ein Foto vom Treffen im Juni. Da lehnt der Sänger der Band, Matt Healy, seinen Kopf auf die schmalen Schultern der Klimakämpferin. Das Foto stellt klar, wer der größere Popstar unserer Zeit ist.

Natürlich ist Gretas vertonte Rede nicht der erste musikalische Versuch, Klimaschutz und Klimakatastrophe in einen Song zu gießen. In diesem Jahr sang Lil Dicky gemeinsam mit anderes Stars wie Ariana Grande, Justin Bieber und Snoop Dogg den Song „Earth“. Bis jetzt hat er fast 174 Millionen Aufrufe bei Youtube, bei Spotify sind es mehr als 85 Millionen. Klima klickt.

Climate-Fiction als neues Literatur-Genre

Aber auch Natasha Bedingfield („This is a Love Song to the Earth“), Die Fantastischen Vier („Gebt uns ruhig die Schuld“) und natürlich Michael Jackson mit seinem Klassiker „Earth Song“ beschäftigen sich mal mehr, mal weniger ernst mit dem Schutz unserer Erde.

Auch in anderen kulturellen Sparten wird der Klimaschutz immer präsenter. In der Literatur gibt es seit einigen Jahren sogar ein eigenes Genre: Analog zur Science-Fiction (Sci-Fi) spricht man von Cli-Fi, also Climate-Fiction.

In Kim Stanley Robinsons Werk „New York 2140“ etwa steht Big Apple fast komplett unter Wasser. Durch das unstillbare Wachstumsverlangen des Kapitalismus war ab dem Jahr 2050 nichts mehr zu retten. Der Meeresspiegel ist durch zwei große Flutwellen um 15 Meter gestiegen. Die große Katastrophe war da.

Erdachte Literatur und befürchtete Wirklichkeit

Ebenfalls mit dem gestiegenen Meeresspiegel spielt John Lanchester in seinem Roman „Die Mauer“. England ist umgeben von einem riesigen Schutzwall, der die Insel vor „den anderen“ schützen soll – Menschen, die auf dem Meer leben und ins für sie gelobte Land wollen.

Was in diesen Romanen wie auch in Margaret Atwoods „Oryx und Crake“, Paolo Bacigalupis „Water“ oder dem düsteren „American War“ des Kanadiers Omar El Akkad zu lesen ist, zeigt, dass sich erdachte Literatur und befürchtete Wirklichkeit bald immer weiter annähern könnten. Menschen, die schon heute vom steigenden Meeresspiegel betroffen sind, können ein Lied davon singen.

Von Kristian Teetz

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